Die Plattform European Purpose vergleicht 519 europäische Alternativen zu US-Technologien in 78 Kategorien und 34 Ländern.
Mit European Purpose ist ein weiteres Verzeichnis gestartet, das Europäerinnen und Europäern helfen soll, sich von US-amerikanischer Technologie unabhängiger zu machen. Die im Februar 2026 gestartete, von einem Kollektiv europäischer Rechercheurinnen und Redakteure betriebene Plattform listet nach eigenen Angaben 519 Werkzeuge und Dienste aus 34 europäischen Ländern in 78 Kategorien, von Cloud-Speicher über E-Mail bis zu Messaging-Apps und Passwortmanagern. Zusätzlich bietet die Seite 129 direkte Vergleiche, mit denen sich einzelne US-Dienste durch europäische Entsprechungen ersetzen lassen.
Firmensitz statt nur Serverstandort entscheidend
Jedes gelistete Werkzeug wird laut European Purpose auf Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), gültige Zertifizierungen, den Ort der Datenspeicherung sowie weitere Kriterien geprüft. Als entscheidendes Kriterium für die Einstufung als „europäisch“ gilt dabei nicht in erster Linie, wo die Daten gespeichert werden, sondern wo das jeweilige Unternehmen rechtlich niedergelassen ist. Ein US-Unternehmen mit einem Rechenzentrum in Europa würde demnach weiterhin als amerikanisch eingestuft, da es unabhängig vom Serverstandort dem US-Recht unterliegt.

Sorge vor Zugriff durch US-Behörden
Ein wichtiges Motiv für solche Verzeichnisse ist der US Cloud Act aus dem Jahr 2018, der amerikanische Unternehmen verpflichtet, auf Anfrage von US-Behörden gespeicherte Daten herauszugeben, auch wenn diese außerhalb der USA liegen. US-Technologiekonzerne wie Microsoft oder Amazon Web Services bieten inzwischen zwar eigene „souveräne“ Lösungen mit Rechenzentren auf europäischem Boden an, die von Personen mit Sitz in Europa betrieben werden; Kritiker verweisen jedoch darauf, dass es sich rechtlich weiterhin um US-Unternehmen handelt, die US-Gesetzen unterliegen.
Europäische Tech-Alternativen: Teil eines wachsenden Trends
European Purpose reiht sich in eine wachsende Zahl vergleichbarer Verzeichnisse ein, etwa European Alternatives und European Tech Map. Einer Eurobarometer-Umfrage aus dem Jahr 2026 zufolge befürworten mehr als acht von zehn EU-Bürgerinnen und -Bürgern (82 Prozent) eine geringere digitale Abhängigkeit der EU von Nicht-EU-Staaten. Erste Regierungen ersetzen bereits US-Technologien durch lokale, häufig quelloffene Alternativen. Beobachter führen den Trend unter anderem auf die Politik der US-Regierung unter Donald Trump zurück, die auch in Kanada zu einem verstärkten Nachdenken über die Abhängigkeit von US-Technologiekonzernen geführt hat: Dort startete eine Initiative im September 2026 mit der Website „Unplug America“ einen vergleichbaren Leitfaden für kanadische Alternativen.
(red)