Fachkräftemangel als Sorge

Logistikbranche setzt verstärkt auf KI und Digitalisierung

KI Logistik

Laut einer Bitkom-Umfrage setzt jedes zweite Logistikunternehmen bereits KI ein, doch Fachkräfte und Knowhow fehlen vielerorts.

Niedrigwasser am Rhein oder die Blockade der Straße von Hormus haben in der Vergangenheit gezeigt, wie schnell Lieferketten unter Druck geraten können. Vor diesem Hintergrund setzt die deutsche Logistikbranche verstärkt auf digitale Technologien und Künstliche Intelligenz: 91 Prozent der Logistikunternehmen sehen die Digitalisierung als Chance, in rund jedem zweiten Unternehmen ist KI inzwischen im Einsatz. Das geht aus einer repräsentativen Befragung von 502 Logistikunternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland hervor, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Die Studie wurde anlässlich der Messe IAA Transportation vorgestellt, die vom 15. bis 20. September in Hannover stattfindet.

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Hohe Energiepreise und Fachkräftemangel als größte Sorgen

Nahezu alle befragten Unternehmen (100 Prozent) nennen hohe Energiepreise als große Herausforderung, 87 Prozent den Fachkräftemangel und 71 Prozent Unterbrechungen der Lieferketten. Auch Bürokratie (59 Prozent) sowie geopolitische Krisen (54 Prozent) belasten die Mehrheit der Branche. Bitkom-Vizepräsidentin Tanja Rückert erklärte dazu:

„Die Logistik ist das Rückgrat unserer Wirtschaft. Wenn Lieferketten stocken und Kosten steigen, bekommen das Industrie, Handel und Verbraucherinnen und Verbraucher unmittelbar zu spüren. Digitalisierung ist deshalb kein Nice-to-have, sondern die wichtigste Antwort auf diese Herausforderungen.“

Tanja Rückert, Bitkom-Vizepräsidentin

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Größtes Hemmnis für die digitale Transformation sind der Umfrage zufolge allerdings nicht in erster Linie fehlende finanzielle Mittel (48 Prozent), sondern fehlende Digitalkompetenzen beziehungsweise Fachkräfte (73 Prozent), Sorgen um IT- und Datensicherheit (58 Prozent) sowie fehlende Zeit im Tagesgeschäft (57 Prozent). Besonders spürbar ist der Fachkräftemangel demnach bei Zustellerinnen und Zustellern (64 Prozent der Unternehmen betroffen), Fahrerinnen und Fahrern (55 Prozent) sowie Disponentinnen und Disponenten (53 Prozent).

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Bildquelle: Bitkom

KI etabliert sich als wichtigste Einzeltechnologie

Bei den eingesetzten Technologien führt aktuell noch Cloud Computing mit 61 Prozent, gefolgt von IoT- und Sensortechnologien (54 Prozent) und Künstlicher Intelligenz (51 Prozent). Der Anteil der Unternehmen mit KI im Praxiseinsatz ist seit 2022 von 22 auf 51 Prozent gestiegen, weitere 22 Prozent planen den Einsatz, 14 Prozent diskutieren ihn. 57 Prozent der Unternehmen erwarten von KI günstigere interne Prozesse, 55 Prozent sehen sie als Mittel gegen den Fachkräftemangel. Gleichzeitig äußern 58 Prozent Zweifel, dass KI jemals so gut wie eine ausgebildete Fachkraft werde, und 30 Prozent halten KI in der Logistik für einen vorübergehenden Hype.

Laut Rückert reicht die Einführung von KI-Lizenzen allein nicht aus: „Die Beschäftigten müssen KI-Anwendungen auch verstehen und sicher einsetzen können.“ 54 Prozent der Unternehmen geben an, ihnen fehle die Expertise, um KI in die eigenen Logistikprozesse einzubinden; 73 Prozent bieten deshalb KI-Schulungen an, allerdings nur 8 Prozent für die gesamte Belegschaft.

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Bildquelle: Bitkom
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Skepsis bei Robotik trotz erkannter Vorteile

68 Prozent der Unternehmen sind überzeugt, dass Roboter Logistikprozesse effizienter machen können, 66 Prozent erwarten eine bessere Arbeitssicherheit. Gleichzeitig sagen 51 Prozent, der Robotereinsatz lohne sich für das eigene Unternehmen finanziell nicht, ebenso viele berichten von Skepsis unter der Belegschaft. Bislang setzen erst 17 Prozent der Unternehmen Robotik beziehungsweise autonome Transportsysteme ein.

Investitionen sollen 2027 weiter steigen

40 Prozent der Logistikunternehmen investieren in diesem Jahr zwischen 5 und unter 10 Prozent ihres Jahresumsatzes in Digitalisierung, weitere 21 Prozent 10 Prozent oder mehr. Für 2027 planen 42 Prozent der Unternehmen höhere Digitalinvestitionen, 45 Prozent wollen das Niveau halten und 11 Prozent wollen sparen.

Für das Jahr 2036 erwarten 69 Prozent der befragten Unternehmen, dass Künstliche Intelligenz große Teile der Lieferketten in Echtzeit steuert, 68 Prozent rechnen mit vollständig transparenten, digital nachvollziehbaren Lieferketten für Endkunden. 59 Prozent gehen davon aus, dass humanoide Roboter dann überwiegend in Lagerhallen arbeiten, und ebenfalls 59 Prozent erwarten Warenlieferungen per Drohne bis zum Endkunden. 45 Prozent halten es zudem für wahrscheinlich, dass humanoide Roboter Waren im Jahr 2036 direkt an Kundinnen und Kunden übergeben.

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Bildquelle: Bitkom

(red/Bitkom)

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