Ein Angreifer bietet in einem Cyberkriminalitätsforum angeblich 4 Terabyte an Datenbanken und Quellcode des KI-Rekrutierungsunternehmens Mercor zum Verkauf an.
Zu den Kunden des mit 10 Milliarden US-Dollar bewerteten Unternehmens aus San Francisco zählen unter anderem OpenAI, Google, Meta und Microsoft. Das Rechercheteam von Cybernews wertete die mit dem Angebot veröffentlichten Datenproben aus und fand darin unter anderem Nutzerprotokolle, Prompts sowie Angaben zu im System angelegten Nutzern samt deren Rollen. Ein solcher Datenabfluss könnte sensible Informationen zu Nutzern, Einstellungsprozessen sowie Interaktionen mit Bewerbern offenlegen.
Prompts und Protokolle könnten dabei private Gespräche, interne Arbeitsabläufe sowie Bewerbungsaktivitäten preisgeben, während Angaben zu Nutzerrollen Angreifern zeigen könnten, wer über welche Zuständigkeiten oder Zugriffsrechte verfügt. In Kombination mit anderen bereits gestohlenen Datensätzen ließen sich solche Informationen potenziell für Identitätsdiebstahl, Identitätsvortäuschung, Phishing sowie gezielte Social-Engineering-Angriffe missbrauchen.
Bereits zuvor Opfer eines Lieferketten-Angriffs
Die aktuelle Behauptung folgt nur wenige Monate, nachdem Mercor bereits einen Sicherheitsvorfall im Zusammenhang mit der quelloffenen Bibliothek LiteLLM offengelegt hatte. Im März 2026 veröffentlichten Angreifer manipulierte LiteLLM-Versionen, die gezielt Zugangsdaten von Systemen stahlen, auf denen sie installiert wurden, wofür sich die Gruppe LAPSUS$ verantwortlich zeigte und die erbeuteten Daten im Darknet zu versteigern versuchte. Nach damaligen Berichten waren dabei rund 4 Terabyte an Auftragnehmerdaten betroffen, darunter Sozialversicherungsnummern, amtliche Ausweisdokumente, Zahlungsinformationen, biometrische Gesichtsdaten, Sprachaufnahmen sowie Videomaterial aus KI-gestützten Vorstellungsgesprächen. Mercor erklärte damals, das eigene Sicherheitsteam habe die Aktivität entdeckt und umgehend Gegenmaßnahmen eingeleitet, Meta soll die Zusammenarbeit mit Mercor infolge des Vorfalls nach Presseberichten zeitweise unbefristet ausgesetzt haben.
Am 25. Juni erklärte Mercor die Untersuchung des damaligen Vorfalls für abgeschlossen und teilte mit, nur ein sehr begrenzter Teil der knapp 5 Millionen im System erfassten Fachkräfte sei von sensiblen Datenabflüssen betroffen gewesen, es gebe keine Hinweise auf eine tatsächliche Ausnutzung der Daten. Auch Kundendaten seien nach Unternehmensangaben nur in sehr begrenztem Umfang betroffen gewesen, da viele Kunden eigene Plattformen statt der von Mercor nutzten, Mitarbeiterdaten seien nicht betroffen gewesen.
Zusammenhang zwischen beiden Vorfällen bislang unklar
Auffällig ist, dass sowohl der aktuelle Verkaufsangebot als auch der frühere Vorfall jeweils mit einer Datenmenge von rund 4 Terabyte in Verbindung gebracht werden, ob beide Vorfälle tatsächlich zusammenhängen, ist bislang jedoch nicht bekannt. Cybernews hat sich mit einer Anfrage an Mercor gewandt, eine Stellungnahme lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht vor.
(red)