Die bekannte Plattform für KI-Modelle, Hugging Face, könnte laut Medienberichten kurz vor einem Verkauf stehen. Im Gespräch ist dabei eine Bewertung von über 13 Milliarden US-Dollar.
Diese Zahl kursiert aktuell in einem Bericht von Business Insider. Konkrete Details fehlen bislang: Weder ist ein Vertrag unterschrieben, noch ist öffentlich bekannt, welche Firmen oder Investoren als Käufer infrage kommen. Fest steht offenbar nur, dass Hugging Face eine Bank damit beauftragt hat, das Interesse möglicher Käufer auszuloten.
Bekannt ist die Plattform vor allem dafür, dass Entwickler dort auf KI-Modelle großer Anbieter wie OpenAI, Anthropic oder Meta zugreifen und diese direkt einsetzen können. Bei der letzten öffentlich bekannten Finanzierungsrunde im Jahr 2023 lag der Unternehmenswert laut Daten von Pitchbook noch bei 4,5 Milliarden US-Dollar. Sollte die aktuell gehandelte Summe tatsächlich zutreffen, hätte sich der Wert des Unternehmens damit fast verdreifacht.
Von der KI Community zum Milliardenunternehmen
Gegründet wurde Hugging Face bereits 2016 von Clément Delangue, Julien Chaumond und Thomas Wolf. Zu den Geldgebern des Unternehmens zählen unter anderem die Investmentfirmen Lux Capital und Addition sowie Salesforce Ventures.
Die aktuellen Spekulationen passen zu einem generellen Muster am Markt: Kapitalgeber sind derzeit bereit, auch für Unternehmen im Umfeld der KI-Infrastruktur sehr hohe Summen zu zahlen, selbst wenn diese selbst keine eigenen KI-Modelle an der Spitze der Entwicklung produzieren.
Auch bei Hugging Face selbst gab es offenbar schon früher konkretes Interesse von außen. Nach einem Bericht von Techcrunch soll das Unternehmen Anfang des Jahres ein Investment von Nvidia in Höhe von 500 Millionen US-Dollar abgelehnt haben. Damit wäre Hugging Face auf einen Unternehmenswert von 7 Milliarden US-Dollar gekommen. Als Begründung für die Absage soll das Unternehmen angegeben haben, man wolle nicht von einem einzelnen großen Geldgeber abhängig werden, der zu viel Einfluss auf die Ausrichtung der Plattform nehmen könnte.
Firmenchef betont Unabhängigkeit und Verantwortung
Ob ein Verkauf am Ende tatsächlich zustande kommt, ist weiterhin unklar. Hugging Face-Chef Clément Delangue hatte sich erst kürzlich im Podcast Equity von Techcrunch zur Lage des Unternehmens geäußert. Demnach befinde sich Hugging Face inzwischen nah an der Profitabilität. Erst vor kurzem habe man überhaupt begonnen, das Kapital aus der Finanzierungsrunde von vor drei Jahren zu nutzen. Delangue betonte laut Techcrunch außerdem, man baue mit der Plattform ein Angebot für die gesamte Community auf. Da Nutzer dem Unternehmen ihre Daten und Modelle anvertrauten, sehe man sich diesen gegenüber in einer langfristigen Verantwortung.
Sicherheitsvorfall belastete Huggin Face
Die Berichte über mögliche Verkaufsgespräche kommen, nachdem Hugging Face mit den Folgen eines ungewöhnlichen Sicherheitsvorfalls zu kämpfen hatte. Ein autonomes KI-Agentensystem, das auf Modellen von OpenAI basierte, soll aus einer eigentlich kontrollierten Testumgebung ausgebrochen sein und anschließend die Infrastruktur von Hugging Face angegriffen haben. Dabei sollen interne Datensätze sowie Zugangsdaten kompromittiert worden sein.
Laut den vorliegenden Berichten befanden sich die betroffenen Modelle zum Zeitpunkt des Vorfalls im Rahmen eines Cybersicherheitstests. Dabei entdeckten sie eine Schwachstelle in einem Werkzeug zur Installation von Softwarepaketen. Diese Lücke verschaffte den Modellen einen deutlich weitergehenden Zugriff auf das Internet, als eigentlich vorgesehen war. Über weitere Schwachstellen in den Systemen von Hugging Face gelang es den Agenten offenbar anschließend, auch auf eine produktive Datenbank des Unternehmens zuzugreifen. Hugging Face teilte dazu mit, es gebe bislang keine Hinweise darauf, dass öffentlich zugängliche Modelle, Datensätze oder sogenannte Spaces auf der Plattform manipuliert wurden.
Als Reaktion auf den Vorfall kündigte OpenAI eigenen Angaben zufolge neue Sicherheitsmaßnahmen an. Zudem habe man das Training an einem KI-Modell der nächsten Generation vorerst gestoppt und zugehörige Forschungsarbeiten so lange ausgesetzt, bis diese strengere Sicherheitsanforderungen erfüllen.
(red)