Sicherheitsforscher haben eine Schwachstellenkette in AIT-GUI offengelegt, der browserbasierten Bedienkonsole für NASA/JPLs quelloffenes AMMOS Instrument Toolkit.
Die als GHSA-p9r8-2q67-fp86 geführte und mit einem CVSS-Wert von 9,4 bewertete Schwachstellenkette betrifft AIT-GUI in Version 2.5.1 und früher, behoben wurde sie in Version 2.5.2 vom 12. August. Laut der am 13. August veröffentlichten Sicherheitsmitteilung ignorierte der AIT-GUI-Webserver die eigentlich konfigurierte Host-Adresse und band sich stattdessen fest an die Adresse 0.0.0.0 auf Port 8080, wodurch er auf jeder Netzwerkschnittstelle erreichbar war. Sämtliche zustandsändernden Routen der Anwendung waren dabei weder durch Authentifizierung noch durch Autorisierung oder einen Schutz gegen Cross-Site-Request-Forgery abgesichert. Cycode fasste die Tragweite so zusammen:
„Die Auswirkungen einer nicht authentifizierten Anfrage bemessen sich in ausgeführten Instrumentenbefehlen, nicht in verunstalteten Webseiten.“
Cycode
Konkret ließen sich über die betroffenen Routen beliebige Instrumenten- und Raumfahrzeugbefehle absetzen, serverseitige Skripte einschließlich solcher außerhalb des eigentlich vorgesehenen Verzeichnisses ausführen sowie Befehlssequenzen starten, ebenfalls mit der Möglichkeit, Dateien außerhalb des vorgesehenen Verzeichnisses an einen Unterprozess zu übergeben. Da die betroffenen Routen Formulardaten akzeptierten, die Browser als sogenannte einfache Anfragen ohne vorherige Preflight-Prüfung behandeln, genügte laut Cycode bereits der Besuch einer präparierten Webseite durch einen Bediener mit Zugriff auf die Konsole, um einen erfolgreichen Angriff auszulösen, selbst bei einer eigentlich nur lokal oder hinter einer Firewall erreichbaren Installation.
Zwei unterschiedliche Meldungen mit widersprüchlichen Angaben
Version 2.5.2 bindet den Server nun an die konfigurierte, standardmäßig lokale Adresse und vergleicht bei verändernden Anfragen den Origin- beziehungsweise Referer-Header mit dem eigenen Host, wodurch sich CSRF-Angriffe über den Browser verhindern lassen. Eine eigene Prüfung des Quellcodes durch The Hacker News ergab jedoch, dass die zentrale Routen-Funktion weiterhin ohne Zugangsprüfung eine gültige Sitzung ausstellt und die Befehlsroute jede Anfrage mit einem solchen Sitzungscookie akzeptiert, die eigentliche Authentifizierungslücke also fortbesteht.
Parallel dokumentiert ein zweiter, unabhängig von VulnCheck sowie der National Vulnerability Database bereits am 29. Juli veröffentlichter Eintrag mit der Kennung CVE-2026-60112 und einem CVSS-Wert von 9,3 denselben grundlegenden Authentifizierungsfehler in derselben Datei. Beide Meldungen widersprechen sich dabei zur eigentlichen Fehlerbehebung: Während VulnCheck und der NVD-Eintrag einen bereits im Juli vorgenommenen Commit als Korrektur nennen, führt die Cycode-Meldung Version 2.5.1 weiterhin als verwundbar und erst 2.5.2 als korrigiert.
Nach eigener Prüfung von The Hacker News war die ungeschützte Sitzungsausstellung tatsächlich sowohl in Version 2.5.1 als auch in Version 2.5.2 weiterhin vorhanden. Zusätzlich zeigte ein Abgleich mit dem Python-Paketverzeichnis PyPI, dass dort bislang lediglich Version 2.4.1 vom Juli 2023 veröffentlicht ist, die neueren, in den Sicherheitsmeldungen genannten Versionen 2.5.0 bis 2.5.2 also über den regulären Installationsweg pip gar nicht verfügbar sind.
NASA: Mit KI-Unterstützung entwickelter Fix
Den eigentlichen, die Schwachstelle behebenden Commit verfasste Cycode-Sicherheitsforscher Yuval Elbar bereits am 10. Juli, mit einem Hinweis auf eine Mitautorenschaft von Anthropics Modell Claude Opus 4.8 sowie 18 zusätzlichen, gezielt für den Fehlerfall geschriebenen Regressionstests. Cycode ordnete die Entdeckung selbst als beispielhaft für künftige Sicherheitsforschung ein, bei der menschliche Forscher zunehmend gemeinsam mit KI-gestützter Codeanalyse arbeiten.
Keine der beiden Meldungen benennt eine konkrete, die Software einsetzende Raumfahrtmission, Hinweise auf eine tatsächliche Ausnutzung der Lücke liegen nach bisherigem Kenntnisstand ebenfalls nicht vor. In der GitHub Advisory Database finden sich zudem mehrere weitere, bislang nicht abschließend geprüfte Einträge zu anderer NASA-Bodensoftware, sowie mit CVE-2024-35058 eine bereits 2024 veröffentlichte, weiterhin ungepatchte kritische Schwachstelle in den zugrunde liegenden AIT-Core-Bibliotheken des Toolkits.
(red)