Höhere Hürden bei der praktischen Umsetzung

Deutsche Compliance-Kultur stark, Umsetzung im Mittelstand hinkt hinterher

Compliance

Laut einer aktuellen NAVEX-Studie bekennt sich die oberste Führungsebene deutscher Unternehmen deutlich häufiger zu ethischem Handeln als der weltweite Durchschnitt.

Für den Bericht „State of Risk & Compliance in Germany 2026″ befragten NAVEX, die Agentur alan.agency und die iResearch Consulting Group zwischen dem 5. Januar und 5. Februar 2026 weltweit 1.179 Führungskräfte verschiedener Branchen. 58 Prozent der deutschen Befragten geben an, dass die oberste Führungsebene ihrer Organisation auch bei widerstreitenden Geschäftsinteressen an ihrem Bekenntnis zu ethischem Handeln festhält, weltweit liegt dieser Wert bei 50 Prozent, in der EU ohne Deutschland bei nur 37 Prozent. Zugleich befürchten in Deutschland 37 Prozent der Beschäftigten negative Karrierefolgen, wenn sie Bedenken oder Fehlverhalten melden, deutlich weniger als die 51 Prozent im weltweiten Vergleich. 42 Prozent der Organisationen in Deutschland erwarten zudem steigende Compliance-Budgets von mindestens zehn Prozent, gegenüber 32 Prozent weltweit.

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Höhere Hürden bei der praktischen Umsetzung

Trotz dieser kulturellen Stärken berichten deutsche Organisationen häufiger als ihre europäischen Wettbewerber von Umsetzungsproblemen. 42 Prozent der Befragten in Deutschland nennen Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Anforderungen zur Korruptionsbekämpfung und Ethik, im übrigen Europa sind es 25 Prozent. Bei Anforderungen zum Schutz von Hinweisgebern liegt der Wert in Deutschland bei 32 Prozent gegenüber 20 Prozent in anderen EU-Staaten.

Besonders ausgeprägt sind die Lücken bei mittelständischen Organisationen mit 2.500 bis 9.999 Beschäftigten. Nur 34 Prozent von ihnen bieten anonyme Meldekanäle an, weltweit sind es bei vergleichbaren Unternehmen 47 Prozent. Während 44 Prozent der deutschen Unternehmen insgesamt eine strategische Einbindung von Vorstand oder Leitungsorgan in Compliance-Themen berichten, sinkt dieser Wert bei mittelständischen Organisationen auf 31 Prozent, lediglich 11 Prozent erreichen laut Studie die höchste Reifestufe „Optimizing“. Auch bei der Wirksamkeitsmessung liegt der deutsche Mittelstand zurück: Nur 31 Prozent nutzen Daten aus Compliance-Schulungen zur Programmbewertung, verglichen mit 62 Prozent kleiner und 59 Prozent großer Organisationen.

Mittleres Management wird seltener als ethisches Vorbild wahrgenommen

Der Bericht identifiziert zudem eine Lücke zwischen oberster Führungsebene und mittlerem Management. Während 58 Prozent der Befragten der obersten Führungsebene ethisches Handeln auch unter Druck zuschreiben, gilt das nur für 33 Prozent des mittleren Managements, weltweit liegt dieser Wert bei 45 Prozent. In mittelständischen deutschen Organisationen nehmen nur 49 Prozent der Befragten das mittlere Management als ethisches Vorbild wahr, in kleinen Organisationen sind es 62, in großen 72 Prozent. 45 Prozent der Befragten berichten zudem, dass das mittlere Management Schwierigkeiten hat, gemeldete Bedenken angemessen zu behandeln oder weiterzuleiten. Unterstützende Maßnahmen bleiben dabei selten: Nur 13 Prozent der deutschen Organisationen nutzen Kennzahlen zur Speak-up-Kultur zur Bewertung von Führungskräften, verpflichtende Schulungen zum Umgang mit Meldungen existieren nur in 38 Prozent der Organisationen.

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Oliver Riehl, Regional Vice President DACH bei NAVEX, kommentierte die Ergebnisse so:

„Deutschland startet aus einer Position der Stärke. Die Herausforderung besteht nun darin, diese kulturellen Grundlagen in robuste Prozesse und Strukturen zu überführen.“

Oliver Riehl, Regional Vice President DACH bei NAVEX

Angesichts zunehmender regulatorischer Anforderungen wie der Lieferkettenrichtlinie CSDDD, dem EU AI Act und NIS2 werde die Verbindung zwischen kultureller Stärke und operativer Umsetzung für deutsche Organisationen weiter an Bedeutung gewinnen.

(NAVEX/red)

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