Globaler Speichermangel

KI-Boom verdrängt günstige Smartphones

Smartphone

Ein weltweiter Speichermangel lässt die Verkäufe günstiger Smartphones einbrechen. Speicherchips machen bis zu 64 Prozent der Herstellkosten aus.

Der weltweite Markt für günstige Mobiltelefone steht vor einem deutlichen Rückgang. Nach einer aktuellen Analyse des Marktforschungsunternehmens Omdia werden die weltweiten Auslieferungen von Smartphones mit einem Verkaufspreis von unter 400 US-Dollar in diesem Jahr voraussichtlich um mehr als 22 Prozent einbrechen. Diese Entwicklung zieht den gesamten globalen Smartphone-Markt um 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr nach unten.

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Hauptursache sind stark steigende Vertragspreise für DRAM- und NAND-Flash-Speicher. Große Speicherhersteller wie SK hynix, Samsung und Micron verlagern ihre Produktionskapazitäten zunehmend von Standard-Speicherbausteinen hin zu High Bandwidth Memory, um die hohe und margenstarke Nachfrage von KI-Rechenzentren zu bedienen. Dadurch wird der Markt für herkömmliche Smartphone-Speicher verknappt.

Speicher bestimmt Großteil der Produktionskosten

Die Kostenstruktur bei der Herstellung von Einstiegsgeräten hat sich durch die Verknappung drastisch verschoben. Der Anteil der Fertigungskosten, der für Speicherkomponenten aufgewendet werden muss, hat sich bei Geräten unter 400 US-Dollar fast verdoppelt und liegt dort mittlerweile bei knapp 60 Prozent der gesamten physischen Produktionskosten. Bei Ultra-Budget-Telefonen unter 99 US-Dollar erreicht der Speicheranteil an den Herstellkosten sogar 64 Prozent.

Aufgrund dieser Verschiebung bleibt den Herstellern kaum finanzieller Spielraum für andere Komponenten wie Prozessoren, Bildschirme oder Kameras. Betroffen von dieser Entwicklung sind insbesondere Anbieter von preiswerten Geräten wie die Marken Xiaomi, OPPO, Vivo und Transsion. Da die Zielgruppe in diesem Segment stark auf Preissteigerungen reagiert, ziehen sich die ersten Smartphone-Hersteller bereits aus dem extrem günstigen Marktsegment zurück.

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Hardware-Downgrades im mittleren Preissegment

Für Smartphones im Preissegment über 400 US-Dollar prognostiziert Omdia für dieses Jahr hingegen ein Wachstum von 5,7 Prozent. Um die Geräte in dieser Klasse trotz der hohen Speicherkosten bezahlbar zu halten, greifen die Produzenten zu technischen Kompromissen bei der restlichen Ausstattung. Eingesetzt werden beispielsweise ältere LTPS-OLED-Bildschirme anstelle modernerer LTPO-OLED-Panels. Zudem verbauen die Hersteller vermehrt Prozessoren der vorherigen Generation, um die Chipkosten zu senken, oder streichen zusätzliche Kameralinsen wie Makro- oder Ultraweitwinkel-Objektive.

Bei den teuren Flaggschiff-Modellen macht der Speicher prozentual zwar einen geringeren Teil der Gesamtkosten aus, die gestiegenen Beschaffungspreise werden hier jedoch in Form von höheren Endkundenpreisen direkt an die Käufer weitergegeben. Eine Entlastung der Lieferketten durch angekündigte Milliardeninvestitionen in neue Halbleiterfabriken in Südkorea, den USA und Japan wird frühestens für Mitte 2027 erwartet.

(red)

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