IT-Transformationen erfordern ein Maximum an Flexibilität. Das ist das zentrale Ergebnis der neuen IT-Transformationsstudie von Natuvion und NDBS.
Demnach muss in 71 Prozent aller weltweit durchgeführten Transformationen im Laufe des Projekts die Migrationsmethode angepasst werden. Darüber sprach it management Chefredakteur Ulrich Parthier mit Patric Dahse, CEO von Natuvion.
KI ist in aller Munde. Viele Anbieter schmücken inzwischen jedes zweite Produkt mit dem KI-Label. Wie bewerten Sie den Hype rund um KI in der IT-Transformation?
Patric Dahse: In den vergangenen Jahren waren IT-Transformationen vor allem eines: zu langsam, zu teuer und viel zu abhängig von manueller Expertenarbeit. Unsere Studie zeigt, dass Transformationsprojekte durchschnittlich knapp zwei Jahre dauern und zwischen fünf und zwanzig Millionen Euro kosten. Das ist für viele Unternehmen wirtschaftlich kaum noch vertretbar. Jetzt sind wir an einem Wendepunkt, denn KI macht Transformationen skalierbar und wiederholbar – quasi industrialisierbar.
Interessant. Was konkret meinen Sie mit der Industrialisierung von Projekten?
Patric Dahse: IT-Transformationen müssen aufhören, hochbezahlte Improvisationsprojekte zu sein. Weniger Zufall, weniger Bauchgefühl, weniger manuelle Arbeit – dafür mehr Automatisierung und datenbasierte Entscheidungen. Genau dort setzen wir an. Wer heute noch glaubt, man könne milliardenschwere Systemwechsel wie vor zehn Jahren steuern, ignoriert die Realität.
Und was macht Natuvion anders bzw. besser?
Patric Dahse: KI entfaltet ihren Wert in der IT-Transformation nicht allein durch die Technologie selbst, sondern durch die Qualität der Daten, deren Kontextuierung und die jahrzehntelange Erfahrung, die man ihr mitgibt. Ohne strukturierte, maschinenlesbare Projekterfahrung gilt auch hier: „Shit in, shit out“. Genau das unterscheidet Natuvion von vielen aktuellen Marktteilnehmern. Während heute häufig große KI-Versprechen gemacht werden – teilweise von Unternehmen, die bislang kaum praktische Erfahrung in komplexen IT-Transformationen gesammelt haben – basiert unser Ansatz auf realen Projektdaten aus jahrzehntelanger Transformationserfahrung.
Wir haben über viele Jahre Wissen über Prozesse, Abhängigkeiten und typische Transformationsrisiken aufgebaut und in eine Form gebracht, die KI nutzen kann. Erst dadurch wird Automatisierung intelligent. KI ersetzt also nicht die Erfahrung – sie skaliert Erfahrung. Genau darin liegt unser Mehrwert: Wir kombinieren tiefes Transformations-Know-how mit KI, um Projekte schneller, transparenter und qualitativ besser umzusetzen.
Wie muss man sich das in der Praxis vorstellen?
Patric Dahse: Die KI zieht sich durch unsere gesamte Data Conversion Suite. Genau das fehlt anderen Ansätzen: Durchgängigkeit. Wir verbinden reale Transformationsdaten mit einer Plattform, die den gesamten Prozess abbildet. Mit unserer Analyse sorgen wir für Transparenz, was insbesondere bei Systemlandschaften, die oft über Jahrzehnte gewachsen sind, sehr anspruchsvoll ist. Während der Transformation automatisieren wir die Regeln sowie das Mapping der Datenobjekte, die an fachliche Prozesse gekoppelt sind. In der Validierung sichern wir die Qualität KI-gestützt ab und sorgen für eine belastbare Archivierung. Entscheidend ist aber, dass unsere KI permanent dazu lernt. Jede Transformation verbessert die nächste. Dadurch entsteht ein Skaleneffekt, den klassische Beratungsmodelle nicht haben.
Lassen Sie uns über Ihre Transformationsstudie sprechen. Darin gaben 71 Prozent der Unternehmen an, dass sie ihre Migrationsmethodik im Projektverlauf anpassen mussten.
Patric Dahse: Eine gewaltige Zahl, die eine Art Offenbarungseid ist. Denn sie sagt nichts anderes als dass knapp Dreiviertel aller Projekte anders laufen als geplant. Ein riesiges Problem, denn die meisten Transformationen sind nach wie vor zu statisch und zu wenig datengetrieben. Genau hier kann unsere KI ihre Stärke ausspielen, weil sie die dynamische Steuerung von Projekten ermöglicht – basierend auf Echtzeitdaten und Expertise.
Also keine klassischen Vorgehensweisen mehr?
Patric Dahse: Nein, klassische Methoden und Projektmodelle bleiben weiterhin wichtig. Gerade bei großen Transformationen braucht es klare Strukturen, Prozesse und Planung. Entscheidend ist heute aber, dass Unternehmen deutlich dynamischer auf Veränderungen und Unsicherheiten reagieren können als früher. KI hilft uns dabei, genau diese Dynamik besser zu beherrschen. Der entscheidende Vorteil liegt darin, dass KI große Mengen an Echtzeitdaten analysieren und Muster erkennen kann, basierend auf der Erfahrung aus tausenden Transformationsszenarien. Dadurch werden Projekte nicht weniger planbar, sondern robuster und transparenter. KI ergänzt also klassische Vorgehensweisen und macht sie anpassungsfähiger.
KI ersetzt nicht die Erfahrung – sie skaliert Erfahrung.
Patric Dahse, Natuvion
Welche Rolle spielt dabei Ihre Plattformstrategie?
Patric Dahse: Eine ganz zentrale. Transformation ist heute kein einmaliges Großprojekt mehr. Vielmehr befinden sich die Unternehmen in einem permanenten Wandel – durch neue Geschäftsmodelle, regulatorische Anforderungen, Cloud-Strategien oder technologische Innovationen. Unsere Data Conversion Suite bildet dafür die Grundlage. Die Plattform lernt mit jedem Projekt hinzu. So profitieren Kunden nicht nur von der Erfahrung eines einzelnen Projekts, sondern vom Wissen aus zahlreichen Transformationen. Genau dieser kontinuierliche Lernund Skalierungseffekt macht KI in der ITTransformation überhaupt erst wirklich wertvoll.
Was bedeutet das für Ihre Kunden?
Patric Dahse: Weniger Risiko, geringere Kosten und deutlich schnellere Ergebnisse. Unternehmen stehen heute unter enormem Transformationsdruck – sei es durch S/4HANA, Cloud-Initiativen oder regulatorische Anforderungen. Gleichzeitig fehlen Budgets, Fachkräfte und Zeit. Unsere Antwort: Eine Transformation muss radikal effizienter werden. Und das funktioniert nur über Automatisierung und KI. Eine Datenmigration, die heute noch Jahre dauert, ist künftig schlicht nicht mehr akzeptabel. Ich wage zu behaupten, dass wir perspektivisch eher über Wochen als über Monate sprechen.
Lassen Sie uns einen Schritt weitergehen. Wie sieht die Zukunft der IT-Transformation aus?
Patric Dahse: Ich bin davon überzeugt, dass wir uns in einigen Jahren kopfschüttelnd fragen werden, warum Transformationen jemals so lange gedauert haben und wie Unternehmen damit überhaupt wirtschaftlich arbeiten konnten. Viele Projektstrukturen werden dann wirken wie Relikte aus einer anderen Zeit. Der eigentliche Transformationsturbo ist KI. Sie optimiert nicht nur einzelne Arbeitsschritte, sondern verändert die gesamte Logik. Gerade in technisch komplexen und repetitiven Aufgabenbereichen erleben wir einen Paradigmenwechsel.
Das klingt nach einem tiefgreifenden Umbruch.
Patric Dahse: Absolut. KI wird IT-Transformationen nicht nur beschleunigen – sie wird sie neu definieren. Wer diesen Wandel ignoriert, wird mittelfristig massive Wettbewerbsnachteile haben. Ich bin davon überzeugt, dass wir am Beginn einer neuen Ära stehen. Und wie bei jeder technologischen Revolution gilt auch diesmal: Unternehmen und Menschen werden den Weg wählen, der schneller, einfacher und effizienter ist. KI ist deshalb keine Option mehr, sondern die neue Realität.
Herr Dahse, vielen Dank für das Gespräch.