Die Einführung künstlicher Intelligenz verändert die Arbeitswelt tiefgreifend – und sorgt bei vielen Beschäftigten für Verunsicherung.
Eine internationale Studie der Digitalberatung Adaptavist zeigt, dass die Sorge vor den Folgen der KI inzwischen konkrete Auswirkungen auf Karriereentscheidungen hat. Zahlreiche Wissensarbeiter denken über einen Berufswechsel nach, manche sogar über einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Arbeitsleben.
Für die Untersuchung wurden 2.500 Fachkräfte in Deutschland, Großbritannien, Spanien, Kanada und den USA befragt. Das Ergebnis: Fast vier von zehn Beschäftigten suchen bereits aktiv nach neuen beruflichen Perspektiven, weil sie negative Auswirkungen durch KI befürchten. Rund 28 Prozent ziehen sogar einen Wechsel in Bereiche in Betracht, die weniger stark von Automatisierung und künstlicher Intelligenz beeinflusst werden. Dazu zählen insbesondere handwerkliche oder andere praktische Tätigkeiten.
Besonders ausgeprägt sind diese Überlegungen bei jüngeren Generationen. Mehr als die Hälfte der Angehörigen der Generation Z denkt über einen Berufswechsel nach. Unter den Millennials äußern knapp 40 Prozent ähnliche Pläne.
Erfahrene Fachkräfte fühlen sich zunehmend bedroht
Die Diskussion über KI konzentrierte sich lange auf Einstiegspositionen. Die Ergebnisse der Adaptavist-Studie deuten jedoch darauf hin, dass auch erfahrene Beschäftigte und Führungskräfte zunehmend besorgt sind. Da viele Millennials inzwischen wichtige Positionen in Unternehmen einnehmen, könnte ein möglicher Fachkräfteverlust weitreichende Folgen für Organisationen haben.
Mehr als die Hälfte der Befragten erwartet, dass der Bedarf an ihrer aktuellen Tätigkeit in den kommenden fünf Jahren sinken wird. 41 Prozent befürchten sogar, dass ihre heutige Position vollständig überflüssig werden könnte.
Hinzu kommt ein Gefühl der Entwertung. 42 Prozent empfinden es als frustrierend, dass Aufgaben, für die früher langjährige Erfahrung nötig war, inzwischen mithilfe von KI-Werkzeugen von deutlich mehr Menschen erledigt werden können. Mehr als jeder vierte Beschäftigte hat zudem den Eindruck, dass das eigene Fachwissen seit der Einführung von KI im Unternehmen weniger geschätzt wird.
Überforderung durch den rasanten Wandel
Nicht nur die Angst vor Arbeitsplatzverlust spielt eine Rolle. Viele Beschäftigte fühlen sich vom Tempo der technologischen Veränderungen überfordert. 43 Prozent geben an, kaum noch mit der Geschwindigkeit der Entwicklungen Schritt halten zu können.
Zudem sorgt die ständige Flut an Informationen und neuen KI-Anwendungen für eine zunehmende Erschöpfung. Fast die Hälfte der Befragten fühlt sich von den vielen Neuerungen überlastet. 39 Prozent schränken ihre Nutzung von KI-Tools inzwischen bewusst ein – ein Phänomen, das häufig als „KI-Müdigkeit“ bezeichnet wird.
Weiterbildung statt Ausstieg – aber nicht für alle
Trotz aller Sorgen versuchen viele Beschäftigte, sich an die Veränderungen anzupassen. Zwei Drittel der Befragten investieren aktiv in neue Fähigkeiten, um auch künftig in ihrem Berufsfeld relevant zu bleiben.
Gleichzeitig zeigt die Studie aber auch eine gegenläufige Entwicklung. Rund ein Drittel der Teilnehmer erklärte, dass die zunehmende Verbreitung von KI ihre Pläne für einen vorzeitigen Ruhestand beschleunigt habe. 14 Prozent wollen das Berufsleben sogar innerhalb der kommenden zwei Jahre vollständig verlassen.
Aus Sicht von Adaptavist könnte dadurch wertvolles Know-how verloren gehen. Bereits heute berichten 37 Prozent der Beschäftigten von einer sinkenden Motivation am Arbeitsplatz, während jeder Vierte einen Branchenwechsel in Erwägung zieht.
Entscheidend ist der Umgang mit KI
Neal Riley, Innovation Lead bei der Adaptavist Group, sieht weniger die Technologie selbst als Problem, sondern vielmehr deren Einführung. Wird KI ohne klare Strategie und ohne ausreichende Unterstützung eingesetzt, könne dies Ängste verstärken und das Vertrauen in die eigene Expertise untergraben.
Gleichzeitig betont er, dass künstliche Intelligenz auch Chancen bietet. Richtig eingesetzt könne sie Routineaufgaben übernehmen und Mitarbeitern ermöglichen, sich stärker auf anspruchsvollere und wertschöpfende Tätigkeiten zu konzentrieren. Voraussetzung dafür seien jedoch gezielte Weiterbildungsangebote, transparente Kommunikation und professionelles Veränderungsmanagement.
Die Einführung von KI ist nicht allein eine technologische Herausforderung. Ebenso wichtig ist es, die Belegschaft in den Wandel einzubinden und Ängste ernst zu nehmen. Gelingt dies nicht, droht Unternehmen nicht nur der Verlust einzelner Mitarbeiter, sondern möglicherweise auch ein schleichender Abfluss von Wissen und Erfahrung, die für Innovation und Wachstum entscheidend sind.
(red/Adaptavist)