Das neue webbasierte Microsoft Outlook zeigt beim Klicken auf Windows-Benachrichtigungen eine deutliche Verzögerung im Vergleich zur klassischen Version.
Das neue Outlook für Windows weist bei der Verarbeitung von Systembenachrichtigungen unter Windows 11 erhebliche Geschwindigkeitsdefizite auf. Während die traditionelle Desktop-Anwendung Outlook Classic eine E-Mail nach dem Klicken auf das Benachrichtigungsbanner sofort öffnet, benötigt das neue Outlook rund zehn Sekunden, um die entsprechende Nachricht anzuzeigen. In dieser Zeit lädt die App zunächst den gesamten Posteingang, bevor sie auf die spezifische E-Mail verweist. Dieser Vorgang dauert länger als das manuelle Öffnen der Anwendung über das Startmenü und das anschließende Auswählen der Nachricht, was im Test etwa fünf Sekunden in Anspruch nimmt.
Hoher Ressourcenverbrauch bei Outlook durch WebView2-Architektur
Die Ursache für die Verzögerung liegt in der technischen Struktur des Programms. Das neue Outlook ist kein natives Win32-Programm, sondern basiert auf Microsoft Edges WebView2-Laufzeitumgebung, einem Chromium-basierten Web-Wrapper. Bei jeder Interaktion muss diese Webschicht initialisiert, authentifiziert und gerendert werden. Im Task-Manager von Windows läuft das neue Outlook mit bis zu zehn separaten Prozessen, darunter dem WebView2 Manager und verschiedenen Service-Workern, während Outlook Classic als einzelner kompakter Prozess ausgeführt wird.
Auch beim Speicherbedarf gibt es deutliche Unterschiede: Im Leerlauf verbraucht das neue Outlook zwischen 490 und 636 Megabyte Arbeitsspeicher sowie etwa vier Prozent der Prozessorleistung. Outlook Classic benötigt im selben Zustand lediglich 117 bis 148 Megabyte RAM und weniger als ein Prozent CPU-Auslastung. Zur Diagnose von Performance-Problemen in WebView2-Apps testete Microsoft Ende 2025 eine neue Programmierschnittstelle namens Delayed Message Timing, die jedoch bei den Benachrichtigungen noch keine Anwendung findet.
Funktionale Updates und verlängerte Übergangsfristen
Microsoft hatte die alten, ressourcenschonenden UWP-Apps für Mail und Kalender Ende 2024 offiziell eingestellt, was zu Nutzerprotesten führte. Um Unternehmen mehr Zeit für die Migration zu geben, wurde die Frist für den erzwungenen Wechsel vom ursprünglichen Termin im April 2026 auf März 2027 verschoben. Outlook Classic wird weiterhin unterstützt und soll bis April 2029 einsatzbereit bleiben.
Trotz der Leistungsprobleme arbeitet Microsoft an funktionalen Verbesserungen für das neue Outlook. Updates im März und Mai 2026 brachten Optimierungen bei der Ordnersuche und der Kalendersynchronisation. Für den Sommer 2026 sind weitere Funktionen angekündigt, darunter ein Import von lokalen PST-Archivdateien im Juli und eine gemeinsame Posteingansicht für alle Konten im August.
(red)