Trotz der wachsenden Bedeutung sozialer Medien bleibt das Vertrauen in Nachrichten in Deutschland dem «Reuters Institute Digital News Report 2026» zufolge stabil.
46 Prozent der erwachsenen Internetnutzerinnen und -nutzer gaben demnach an, dem Großteil der Nachrichten meist vertrauen zu können. Gegenüber 2025 sei der Anteil nahezu unverändert und liege zugleich etwas über den Werten von 2023 und 2024. Deutschland gehöre damit zu den wenigen Ländern, in denen das Vertrauen zuletzt nicht zurückgegangen sei, sagte die Co-Autorin Julia Behre der Deutschen Presse-Agentur.
«Wenn wir Menschen fragen, welchen Nachrichteninhalten sie in sozialen Medien die größte Aufmerksamkeit schenken, dann sind das häufig Angebote traditioneller Nachrichtenmedien – auch bei jungen Menschen», so Behre. Denn auch junge Menschen hätten ein Gespür dafür, welchen Marken sie vertrauen können – bei aller Social-Media-Nutzung, bei aller Influencer-Affinität und bei aller KI-Freude.
Dem Report zufolge, den das Leibniz-Institut für Medienforschung (Hans-Bredow-Institut) als deutscher Partner veröffentlicht hat, wird Nachrichten, die über Suchmaschinen vermittelt werden, mehr Vertrauen entgegengebracht als Nachrichten in sozialen Medien oder Antworten von KI-Chatbots. 24 Prozent der Onliner im Alter ab 18 Jahren gaben an, Nachrichten in Suchmaschinen meist vertrauen zu können. Jeweils 13 Prozent sagten, dass sie Nachrichten in sozialen Medien und in Antworten von KI-Chatbots vertrauen.
Soziale Medien meist als Ergänzung
Zugleich gewinnen laut Umfrage soziale Medien als Nachrichtenquelle weiter an Bedeutung: 36 Prozent der erwachsenen Internetnutzerinnen und -nutzer in Deutschland kommen in einer gewöhnlichen Woche über soziale Medien mit Nachrichten in Kontakt. Bei den 18- bis 24-Jährigen liegt der Anteil bei 60 Prozent. Für 44 Prozent dieser Altersgruppe sind soziale Medien inzwischen die wichtigste Nachrichtenquelle.
«Tatsächlich waren wir auch ein bisschen überrascht über den teilweise doch großen Ansprung der Anteile der Bevölkerung, die soziale Medien als Quelle für Nachrichten nutzen und auch als ihre Hauptquelle bezeichnen», sagte Co-Autor Sascha Hölig. Einen Grund zur Sorge sieht er darin jedoch nicht. «Die Nutzenden sind angestiegen, aber nicht diejenigen, die sich nur auf soziale Medien als Nachrichtenquelle verlassen.» Soziale Medien würden in aller Regel ergänzend zu anderen Nachrichtenangeboten genutzt. «Von daher würde ich da jetzt nicht den Untergang prophezeien wollen.»
Bekannte Marken bleiben wichtig
Auch Co-Autorin Julia Behre betont, dass soziale Medien von vielen Menschen nicht vorrangig genutzt würden, um sich zu informieren. Die Menschen nutzten die Plattformen, «um sich zu unterhalten oder mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben». Trotzdem kämen sie dort mit Nachrichten in Kontakt.
Den etablierten Nachrichtenmedien werde nach wie vor zu großen Teilen vertraut, sagte Co-Autor Hölig. «Man weiß, was man dort bekommt.» In sozialen Medien gebe es ein breites Feld: etablierte Nachrichtenangebote, aber auch Influencer und andere Akteure mit ganz unterschiedlichen Perspektiven. «Das ist für viele Menschen interessant als Ergänzung, aber eben nicht als einzige Quelle. Gerade in Deutschland erwarten viele Menschen von Nachrichten weiterhin eine möglichst neutrale Berichterstattung», so Hölig.
Newsfluencer nicht als Ersatz
Eine Rolle spielen auch sogenannte Newsfluencer oder News Creator. Jeweils 13 Prozent der erwachsenen Internetnutzerinnen und -nutzer gaben an, in der vergangenen Woche Inhalte von Influencern genutzt zu haben, die sich hauptsächlich oder zumindest gelegentlich mit Nachrichten befassen. Bei den 18- bis 24-Jährigen liegen die Werte bei 30 beziehungsweise 28 Prozent.
Im Report sind damit typischerweise im Internet bekannte Personen gemeint, die vor allem in sozialen Medien, aber zum Beispiel auch in Podcasts unterwegs sind und sich mit Nachrichtenthemen befassen. Die Abgrenzung solcher Akteure ist demnach nicht immer trennscharf.
Hölig sieht Newsfluencer nicht als Ersatz für klassische Nachrichtenangebote. «Newsfluencer übernehmen in meinen Augen eine andere Funktion als klassische Nachrichtenformate. Sie sind oft etwas unterhaltsamer aufbereitet und leichter verständlich.» Gleichzeitig träten sie häufig mit einer besonderen Perspektive oder Haltung auf. «Das ersetzt aber nicht die Nachrichtenangebote, die Glaubwürdigkeit und eine möglichst unparteiische Berichterstattung bieten. Das ist ein Nachrichtenbedürfnis, das nach wie vor ganz weit vorne steht.» Es sei eher als Ergänzung zu klassischen Nachrichten zu verstehen und nicht als Ersatz.
KI bislang Randphänomen
Auch KI-Chatbots spielen bei der Nachrichtennutzung bislang nur eine kleine Rolle. 5 Prozent der erwachsenen Internetnutzerinnen und -nutzer in Deutschland gaben an, in der vergangenen Woche einen Chatbot verwendet zu haben, um sich über Nachrichten zu informieren.
Hölig sieht in der Technologie zwar Potenzial. «Chatbots bieten durchaus Vorteile. Die Nutzenden können Nachfragen stellen oder sich Themen nach ihren Bedürfnissen zusammenfassen lassen», sagte er. «Das ist ein großes Pfund, das Chatbots mitbringen.»
Einen grundlegenden Wandel der Nachrichtennutzung sehen die Forschenden derzeit jedoch nicht. «In Bezug auf Nachrichten sehen wir diesen Wandel im Moment zumindest noch nicht.»
Studie in 48 Ländern
Das Leibniz-Institut für Medienforschung (Hans-Bredow-Institut) ist deutscher Partner des «Reuters Institute Digital News Report 2026». Für den Bericht wurden den Angaben zufolge pro Land 2026 rund 2.000 Personen befragt. Insgesamt basiere die Studie in der vierzehnten Wiederholung auf den Antworten von fast 100.000 Befragten aus 48 Ländern auf sechs Kontinenten.
dpa