„Bei uns zählt der Mensch"

KI macht dein Unternehmen unsichtbar 

KI-Recruiting

Warum gutes Employer Branding nicht teuer sein muss und KI ein Sparringspartner, aber kein Ghostwriter ist. 

KI hätte mich aussortiert. Denn mein Lebenslauf passt nicht in die Muster, nach denen sie scannt. 

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Gestartet bin ich im Marketing, damals zuständig für die Vermarktung unserer Job- und Karriereplattform bei Uniwunder. Der Job hat mir gefallen, aber als studierte Soziologin liegen meine großen Stärken eher in der Personalpsychologie und Organisationsentwicklung.

Erkannt hat das kein Algorithmus, sondern meine Vorgesetzte. Sie hat mich zur Recruiterin entwickelt und heute verantworte ich den Aufbau unserer Personalabteilung. 

Vielleicht erklärt das, warum mich ein Widerspruch nicht loslässt: Wir reden gerade in einem Atemzug über Employer Branding und Automatisierung von Recruitingprozessen. Unternehmen investieren in Arbeitgebermarketing und große Kampagnen. Gleichzeitig steuern wir aktuell in eine Zukunft, in der KI-Agenten eingesetzt werden, um Bewerbungen zu scannen, zu filtern und auszusortieren, bevor überhaupt ein Recruiter damit in Kontakt kommt. 

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Nach Außen wird vermittelt „Bei uns zählt der Mensch“, während im Hintergrund eine Maschine entscheidet, welcher Mensch überhaupt gehört wird. 

Verbindung entsteht nicht durch Keywords

Natürlich kann und soll KI Aufgaben übernehmen, die im Recruiting und Employer Branding anfallen. Wichtig ist mir jedoch zu betonen, dass es hier Grenzen zwischen Hilfe und Schaden gibt. Beim Strukturieren, beim Tempo und als zweite Perspektive auf einen Entwurf sind Claude, Gemini oder ChatGPT sehr geeignete Mitarbeiter.

Kritisch wird es, wenn komplette Schreibprozesse ausgelagert werden, ohne KI-Kompetenz zu besitzen. Ein prominentes Beispiel aus meinem Alltag sind Stellenanzeigen. 

Rein KI-generierte Stellenanzeigen schaden der Arbeitgebermarke mehr, als Unternehmen bewusst ist.

Wieso? KI trifft immer den sichersten Ausdruck, nie den überraschenden. Die Texte sind korrekt, effizient, voller Keywords und austauschbar. Unser Gehirn erkennt dieses Muster, ohne dass wir es merken: Alles klingt vage bekannt, nichts hebt sich ab. „Teamfähigkeit, Eigeninitiative, strukturierte Arbeitsweise“ steht in jeder zweiten Anzeige. Wenn niemand erklärt, warum das gebraucht wird und wie es sich im Unternehmen zeigt, versteht es keiner und das Unternehmen verschwindet in der Masse. 

Ob ein Team direkt oder vorsichtig kommuniziert, ob Humor erlaubt ist, ob das Unternehmen eher hierarchisch oder als Netzwerk organisiert ist, steckt in den persönlichen Formulierungen und genau das bügelt die KI glatt.

Meine Überzeugung: Wir reagieren auf Tonalität und auf das, was zwischen den Zeilen steht. Gerade Kandidaten, denen der Cultural Fit wichtig ist, merken, wenn sich die gleichen generischen Floskeln immer wiederholen. 

Employer Branding beginnt mit der Stellenanzeige

Genau hier kann Employer Branding schon ansetzen. Viele denken bei der Thematik zuerst an große Kampagnen und hohe Budgets.

Stellenanzeigen sind oft nicht auf dem Radar, denn die kann man ja einfach prompten, oder? Dabei ist die Anzeige der allererste Kontaktpunkt mit dem Unternehmen. Eine selbst konzipierte Stellenanzeige ist deshalb schon gelebtes Employer Branding. Sie ersetzt keine Kampagne, aber keine Kampagne kann eine ehrliche Anzeige ersetzen. Es geht nicht um teure Maßnahmen, sondern um die richtigen.

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Wie ich Stellenanzeigen mit KI statt durch KI erarbeite

Künstliche Intelligenz bietet erhebliches Potenzial, entscheidend ist jedoch, wo sie bewusst und wo bewusst nicht eingesetzt wird. 

Dies möchte ich anhand meines eigenen Vorgehens veranschaulichen:
Bevor ich die Stellenanzeige schreibe, interviewe ich den Fachbereich. Welche Skills braucht das Team, welche Eigenschaften soll der Kandidat mitbringen? Ich frage so lange, bis die gesuchte Person greifbar wird. Diese Antworten lasse ich dann von der KI in ein Anforderungsprofil sortieren und schärfe es selbst nach. Daraus formuliere ich die Anzeige und achte dabei darauf, dass unsere Arbeitsweise spürbar wird. Für einen Junior schreibe ich bewusst „du lernst“ und „wir zeigen dir“, um ihn dort abzuholen, wo er steht. 

Zum Schluss dreht sich die Rolle der KI um: Sie darf meine Arbeit hinterfragen. Passt die Anzeige zum Profil, fühlt sich die gesucht Person angesprochen? Klingt die Anzeige nach unserer Unternehmenskommunikation? KI ist mein Sparringspartner, kein Ghostwriter. 

Es war noch nie so leicht, sich als Unternehmen abzuheben 

Employer Branding klingt erstmal teuer. Dabei ist die Einstiegshürde gerade so niedrig wie nie: Es braucht keine Multi-Channel-Kampagne, um sich als Arbeitgeber abzuheben, schon eine selbst formulierte Stellenanzeige kann den Unterschied machen. Unter hundert gleich formatierten, ähnlich klingenden Texten fällt eine individuelle Anzeige sofort auf. Genau dieser erste Schritt wird oft unterschätzt. 

Am Ende entscheiden Menschen

Warum mir das Thema so wichtig ist? Weil Recruiting ein People Business ist. Menschenkenntnis, Intuition und das Lesen zwischen den Zeilen sind mein Handwerk. Das kann ich nicht ausführen, wenn eine Bewerbung der nächsten gleicht und alles generisch wird. Ich erwarte von Bewerbern und Bewerberinnen, dass sie mir ihre echte Version, nicht die optimierte zeigen. Gleichzeitig bin ich bereit, dasselbe auf der Unternehmensseite einzulösen.

Meinen jetzigen Job habe ich nicht durch einen Algorithmus bekommen, sondern durch einen Menschen.

Diese Entscheidung nimmt uns keine KI ab.

Ehrig

Charlotte

Ehrig

Recruiterin

Uniwunder

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