1,65 Meter, 60 Kilo

Physical AI: Diesen Roboter setzt BMW jetzt in der Fertigung ein

BMW Aeon
Bildquelle: BMW

Zwei Maschinen des Herstellers Hexagon sollen in Leipzig künftig Hochvoltbatterien mitmontieren. Statt zu laufen, fahren sie und tauschen ihren Akku selbst.

Im Leipziger BMW-Werk sollen ab diesem Sommer humanoide Roboter regulär in der Produktion mitarbeiten. Zwei Exemplare des schwedischen Herstellers Hexagon Robotics, einer Sparte des auf Mess-, Digital-Reality- und Autonomiesysteme spezialisierten Konzerns Hexagon AB, sind dafür vorgesehen. Bislang laufen sie am Standort im Testbetrieb. Ihr erstes festes Aufgabengebiet wird laut BMW die Montage von Hochvoltbatterien sowie die Komponentenfertigung sein.

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Räder statt Füße

Das eingesetzte Modell trägt den Namen Aeon und weicht in einem auffälligen Punkt vom gängigen Bild eines zweibeinigen Roboters ab: Es bewegt sich auf Rädern fort. Produktionsverantwortlicher Michael Nikolaides hält das auf einem Hallenboden für die praktischere Lösung, weil sich die Maschine so von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz rollen lasse.

Ansonsten ist Aeon menschenähnlich konstruiert. Der Roboter misst 1,65 Meter, bringt 60 Kilogramm auf die Waage und erreicht in der Halle nach Werksangaben bis zu 2,5 Meter pro Sekunde. Zur Sensorik gehören Kameras, Radar und Mikrofone. Die Akkuladung reicht für rund drei Stunden; den Tausch der Batterie soll die Maschine selbstständig erledigen und dafür inklusive Fahrt zur Ladestation und zurück etwa drei Minuten benötigen.

Eingelernt im digitalen Zwilling

Beigebracht wurden Aeon seine Handgriffe nicht primär an der echten Linie. BMW kombinierte dafür Sensordaten von Menschen mit Simulationen in einem digitalen Zwilling der Fabrik, die auf Nvidia-Software aufsetzt. In dieser virtuellen Umgebung wiederholte der Roboter Arbeitsschritte per Reinforcement Learning, einem Verfahren, bei dem das System über Versuch und Irrtum dazulernt.

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BMW sieht darin die Fertigung der Zukunft

Nikolaides, bei BMW zuständig für Produktionsnetzwerk und Logistik, bezeichnete den Ansatz gegenüber der BBC als Zukunft der Autoproduktion. Sein Hauptargument für die menschenähnliche Bauform: Eine Maschine mit vergleichbarer Größe und vergleichbaren Fähigkeiten lasse sich nahezu überall dort einsetzen, wo bislang ein Mensch arbeitet, ohne dass die Umgebung dafür umgebaut werden müsse.

Arbeitsplätze gehen dadurch nach seiner Darstellung nicht verloren. Die Technik bringe vielmehr neue Tätigkeiten mit sich und helfe gegen den absehbaren Personalmangel, so der Manager. Er verweist dabei auf frühere Automatisierungswellen: „Als wir die Autoproduktion in den 70er-Jahren automatisiert haben, hieß es überall, das werde viele Arbeitsplätze kosten. Tatsächlich war das Gegenteil der Fall.“

Skepsis bei den Analysten

Nicht alle teilen die Euphorie. Gartner-Analyst Bill Ray hält humanoide Roboter für überhypt, vor allem wegen der publikumswirksamen Vorführungen einzelner Hersteller. „Der wichtigste Anwendungsfall für einen humanoiden Roboter ist heute, auf eine Bühne zu laufen und den Aktienkurs künstlich in die Höhe zu treiben“, wird er von BBC zitiert. Die Gefahr sei, dass Beobachter die Fähigkeiten der Maschinen überschätzten: Wer einen laufenden Roboter sehe, nehme an, er könne auch rennen, klettern oder springen, obwohl davon nichts zutreffe.

Lars

Becker

Stellvertretender Chefredakteur

IT Verlag GmbH

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