KI scheitert an grundlegenden Aufgaben

Starbucks stellt KI-gestützte Inventurautomatisierung wieder ein

Starbucks
Bildquelle: Gary A Corcoran Arts/Shutterstock.com

Nach nur neun Monaten zieht Starbucks das KI-System zur automatischen Vorratszählung ab. Technische Fehler belasteten den Betrieb der Kaffeehäuser.

Die US-amerikanische Kaffeekette Starbucks stellt den Einsatz ihres künstlich intelligenten Systems zur automatischen Bestandsmessung in allen nordamerikanischen Filialen dauerhaft ein. Diese operative Entscheidung erfolgt nur neun Monate nach der flächendeckenden Einführung der Technologie im Rahmen einer umfassenden Sanierungskampagne. Das Ende des Programms wurde durch ein internes Unternehmensmemo offiziell gemacht, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt und dessen Inhalte von zwei Unternehmensmitarbeitern unabhängig bestätigt wurden.

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Laut den Anweisungen in dem Dokument wird das automatisierte Zählverfahren mit sofortiger Wirkung ausgemustert. Die Erfassung von Getränkekomponenten und Milchprodukten soll fortan wieder nach den herkömmlichen, manuellen Inventurmethoden durchgeführt werden, die auch für alle anderen Warengruppen in den Kaffeehäusern standardmäßig Anwendung finden. Der Abbruch des Projekts bedeutet einen strategischen Rückschlag für die Modernisierungsbestrebungen des Konzerns, da die Technologie als zentrales Element zur Effizienzsteigerung angekündigt worden war.

NomadGo sollte manuelle Erfassung der Bestände vollständig ersetzen

Das gescheiterte System wurde von dem in Seattle ansässigen Technologieunternehmen NomadGo entwickelt. Die technische Architektur basierte auf der Nutzung von LiDAR-Sensoren in Kombination mit den integrierten Kameras von Tablet-Computern, die in den Filialen als Arbeitswerkzeuge dienen. Die Angestellten sollten die Tablets nutzen, um die Lagerregale zu scannen. Die Software war darauf programmiert, automatisch exakte Mengenzählungen von Sirupflaschen, Milchkartons und ähnlichen flüssigen Zutaten zu generieren.

Obwohl die Entwicklung der Technologie bereits vor dem Amtsantritt des aktuellen Vorstandsvorsitzenden Brian Niccol begann, forcierte dieser den Rollout in den nordamerikanischen Kaffeehäusern kurz nach seiner Übernahme der Konzernleitung im September 2024. Das primäre Ziel der Automatisierung bestand darin, die bisher zeitaufwendige manuelle Erfassung der Bestände durch die Baristas vollständig zu ersetzen. Das Management versprach sich von der Einführung eine signifikant höhere Erfassungsgeschwindigkeit sowie eine deutliche Reduzierung von menschlichen Fehlern bei der täglichen Bedarfsermittlung.

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KI scheitert an grundlegenden Aufgaben der Produktidentifkation

In der alltäglichen Praxis des Filialbetriebs traten jedoch erhebliche funktionale Mängel auf. Wie Untersuchungen von Branchenanalysten zeigten, scheiterte die künstliche Intelligenz bereits an grundlegenden Aufgaben der Produktidentifikation. Das Kamerasystem wies eine hohe Fehlerquote auf und verwechselte regelmäßig optisch ähnliche Verpackungen, wie beispielsweise verschiedene Milchsorten und Fettgehaltsstufen. Zudem wurden bereits im Regal vorhandene Warenbestände von den Algorithmen systematisch übersehen.

Die technologische Unreife des Systems spiegelte sich kurioserweise sogar in einem offiziellen Werbevideo wider, das Starbucks während der Einführungsphase veröffentlichte. In einer Sequenz des Werbematerials scannt das System eine Reihe von Flaschen im Regal, überspringt dabei jedoch eine deutlich sichtbare Flasche mit Pfefferminzsirup vollständig, während die direkt links und rechts daneben stehenden Behälter korrekt erfasst werden. Solche unzuverlässigen Datensätze führten in den Filialen zu Fehlkalkulationen bei den Folgebestellungen.

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Starbucks hat Probleme mit Warenlücken

In einer offiziellen Stellungnahme gegenüber den Medien versuchte das Management von Starbucks, die Beendigung des Programms als proaktive Maße zur Prozessvereinheitlichung darzustellen, anstatt ein technologisches Versagen einzuräumen. Das Unternehmen begründete den Schritt mit der Entscheidung, die Art und Weise der Inventurzählung in allen Kaffeehäusern zu standardisieren, während man sich weiterhin auf Konsistenz und Ausführung im großen Maßstab konzentriere. Parallel dazu verfolgt der Konzern nun das Ziel, auf tägliche Nachbelieferungszyklen umzustellen und kontinuierliche Verbesserungen in der gesamten Lieferkette umzusetzen.

Die Konzernleitung betonte in diesem Kontext die übergeordnete Zielsetzung mit einer klaren Vorgabe: „Unser Ziel ist einfach – wenn es auf der Speisekarte steht, sollten Kunden es auch bestellen können.“ Die mangelnde Verfügbarkeit von Kernprodukten belastet die Bilanz des Unternehmens seit Jahren. Mehrere aufeinanderfolgende Vorstandsvorsitzende machten unvorhergesehene Warenlücken in den Regalen für spürbare Umsatzeinbußen verantwortlich, weshalb die Inventurautomatisierung als Kernstück der Sanierungsstrategie Back to Starbucks positioniert worden war.

Weiterhin KI-gestützte Systeme im Einsatz bei Getränkebestellungen

Das interne Feedback aus der Belegschaft, das im Zuge der Entscheidung geteilt wurde, fiel deutlich weniger diplomatisch aus als die offiziellen Pressestatements. In internen Kommunikationskanälen äußerten zahlreiche Filialmitarbeiter Erleichterung über das Ende der automatischen Zählung. Ein Angestellter fasste die allgemeine Stimmung in einer Nachricht an das Management zusammen und bedankte sich für die Einstellung, da der Gedanke dahinter zwar großartig gewesen sei, sich die praktische Umsetzung jedoch als zu schwierig erwiesen habe.

Trotz des Scheiterns der Vorratszählung hält Starbucks an anderen digitalen Infrastrukturen fest. Der bretere Technologie-Push des Konzerns umfasst weiterhin KI-gestützte Systeme zur optimalen Sequenzierung von komplexen Getränkebestellungen sowie digitale Assistenzwerkzeuge, die das Personal an den Kaffeemaschinen während stark frequentierter Stoßzeiten entlasten sollen. Das Entwicklerunternehmen NomadGo erklärte in einer Stellungnahme, dass man kontinuierlich aus dem Feedback von Kunden und Nutzern lerne, um die eigenen Softwareangebote weiter zu verfeinern.

Autorenbild Lisa Löw

Lisa

Löw

Junior Online-Redakteurin

IT-Verlag

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