Der Overclocker „wytiwx“ hat einen neuen CPU-Weltrekord aufgestellt: Ein Intel Core i9-14900KF wurde mittels Flüssighelium-Kühlung auf 9,2 GHz übertaktet.
In der weltweiten Overclocking-Gemeinschaft ist ein neuer Meilenstein erreicht worden. Dem Extrem-Übertakter mit dem Pseudonym „wytiwx“ ist es gelungen, einen neuen Weltrekord für die höchste Taktfrequenz eines Hauptprozessors (CPU) aufzustellen. Bei dem verwendeten Prozessor handelt es sich um das Consumer-Modell Intel Core i9-14900KF aus der Raptor-Lake-Refresh-Generation. Die erreichte Taktfrequenz beläuft sich auf exakt 9,2 Gigahertz (GHz). Damit wurde die bisherige Bestmarke von 9,1 GHz, die im August 2025 aufgestellt worden war, offiziell überholt. Die erfolgreiche Validierung des Taktes wurde über die Plattformen CPU-Z Validator und HWBot dokumentiert sowie in einem Video auf der Plattform Bilibili vorgeführt.

Mainboard ist für Leiterbahnen und Spannungswandler bekannt
Um eine derart extreme Taktrate zu erzielen, bedurfte es einer sorgfältig ausgewählten Hardware-Kombination, die auf die extremen elektrischen und thermischen Belastungen ausgelegt ist. Die Testplattform setzte sich laut den veröffentlichten Validierungsdaten aus folgenden Komponenten zusammen:
- Zentralprozessor (CPU): Intel Core i9-14900KF (Raptor Lake-R)
- Hauptplatine (Mainboard): Asus ROG Maximus Z790 Apex
- Arbeitsspeicher (RAM): 16 Gigabyte DDR5 SDRAM
- Wärmeleitpaste: Thermal Grizzly Kryonaut Extreme
- Netzteil (PSU): Asus ROG Thor Gaming mit 1600 Watt Leistung
Das verwendete Mainboard ist in der Industrie speziell für seine optimierten Leiterbahnen und Spannungswandler bekannt, die für das Übertakten im Grenzbereich konzipiert sind. Die gewählte Wärmeleitpaste wurde gezielt für den Einsatz bei extremen Minusgraden entwickelt, um auch bei tiefen Temperaturen nicht zu erhärten oder ihre thermische Leitfähigkeit zu verlieren. Das 1600-Watt-Netzteil diente dazu, die massiven Spannungsspitzen abzufangen, die bei der Aufhebung aller herstellerseitigen Sicherheitsgrenzen entstehen.
Radikale Reduzierung der aktiven Prozessor-Kerne
Der Betrieb eines modernen Prozessors bei über 9 GHz erfordert tiefgreifende Modifikationen an den Betriebsbedingungen, die weit außerhalb der normalen Spezifikationen für den Alltagsbetrieb liegen. Im regulären Werkszustand verfügt der Intel Core i9-14900KF über insgesamt 24 Kerne und erreicht eine maximale automatische Turbo-Taktfrequenz von bis zu 6 GHz auf einzelnen Kernen. Um jedoch das absolute Frequenzpotenzial der Halbleiterarchitektur für die Validierung auszureizen, musste der Energiebedarf fokussiert werden.
Aus diesem Grund deaktivierte „wytiwx“ fast die gesamte CPU. Der Rekord wurde mit nur einem einzigen aktiven Performance-Kern (P-Core) erzielt, während alle übrigen 23 Kerne, sowohl die verbleibenden P-Cores als auch die Effizienzkerne, vollständig abgeschaltet wurden. Gleichzeitig wurden sämtliche vom Hersteller implementierten Leistungsgrenzen (Power-Limits) im BIOS des Mainboards vollständig entfernt. Dies erlaubte es, die Kernspannung auf ein Niveau anzuheben, das bei herkömmlicher Kühlung zur sofortigen Zerstörung des Siliziums führen würde.
Kühlung mit flüssigem Helium bei extremen Minusgraden
Die thermische Kontrolle des stark übervolteten Prozessors konnte nur durch den Einsatz eines extremen Kühlmediums gewährleistet werden. Während beim konventionellen Extrem-Übertakten meist flüssiger Stickstoff (LN2) verwendet wird, der eine Siedetemperatur von etwa -196 Grad Celsius aufweist, stieg der Overclocker für diesen Weltrekord auf flüssiges Helium um. Flüssiges Helium besitzt einen deutlich niedrigeren Siedepunkt von rund -269 Grad Celsius und ermöglicht es somit, die Hardware in Bereiche nahe dem absoluten Nullpunkt herunterzukühlen.
Diese extremen Minustemperaturen verändern die physikalischen Eigenschaften des Halbleiters, indem sie den elektrischen Widerstand im Silizium drastisch senken. Dadurch wird es dem Chip ermöglicht, höhere Spannungen ohne sofortigen thermischen Kollaps zu verarbeiten und stabilere Signalflanken bei extremen Schaltfrequenzen zu erzeugen. Der Aufwand für eine solche Kühlung ist immens, da Helium im Vergleich zu Stickstoff wesentlich flüchtiger und teurer ist.
Historischer Wettlauf zwischen Intel und AMD
Mit diesem Erfolg baut Intel seine Vormachtstellung im Bereich der maximalen Taktfrequenzen weiter aus. Über viele Jahre hinweg wurde diese spezifische Rangliste von Prozessoren des Konkurrenten AMD dominiert. Anwender nutzten damals stark übertaktete Chips der AMD-FX-Serie, wie beispielsweise den AMD FX-8370, um unter Zuhilfenahme von flüssigem Stickstoff und Helium die vorderen Plätze der weltweiten Rankings zu besetzen.
Erst mit der Einführung der Raptor-Lake-Architektur gelang es Intel, die Führung in dieser Disziplin zurückzuerobern. Der Vorgänger des aktuellen Rekordhalters, der Intel Core i9-13900K, war der erste kommerzielle Consumer-Prozessor überhaupt, dem es gelang, die historische Marke von 9 GHz zu durchbrechen. Die aktuelle Leistung des Modells i9-14900KF demonstriert die technologischen Fortschritte im Bereich der Chip-Selektion (Silicon Binning) und der Fertigungsgüte der Raptor-Lake-Refresh-Struktur.
Reine Validierung für den Bruchteil einer Sekunde
Für den praktischen Einsatz in Alltagssystemen, Videobearbeitungs-PCs oder Gaming-Setups haben diese Frequenzen keinerlei Relevanz. Ein stabiler Betrieb unter Last ist bei 9,2 GHz nicht möglich. Die Frequenz wird lediglich für einen kurzen Moment gehalten, der ausreicht, um den internen Registerstatus des Prozessors über die Software CPU-Z zu erfassen und eine kryptografisch verifizierte Validierungsdatei zu erstellen. Sobald Rechenoperationen ausgeführt werden, stürzt das System unweigerlich ab. Dennoch dienen solche Experimente den Herstellern und Ingenieuren als Indikator dafür, welche physischen Belastungsgrenzen die Halbleitermaterialien unter Laborbedingungen theoretisch bewältigen können.