AWS launcht Amazon Quick, eine angetische KI: Der Desktop-Assistent handelt proaktiv. Zudem kommen OpenAI-Modelle zu Bedrock.
Amazon Web Services hat umfassende Aktualisierungen seines Portfolios für künstliche Intelligenz präsentiert. Der technologische Schwerpunkt verschiebt sich dabei von rein generativen Modellen hin zu agentischen Systemen. Diese Lösungen sind darauf ausgelegt, Arbeitsabläufe nicht nur durch Text- oder Bildgenerierung zu begleiten, sondern eigenständig Aufgaben über verschiedene Software-Ökosysteme hinweg auszuführen. Matt Garman, CEO von AWS, und Colleen Aubrey, SVP AWS Applied AI Solutions, legten dar, wie diese Systeme durch Skalierbarkeit und proaktive Unterstützung die operative Effizienz in Unternehmen steigern sollen.
Agentische KI hat Schnittstellen zu Google Workspace, Microsoft 365 und Zoom
Eine Neuerung stellt die überarbeitete Version von Amazon Quick dar. Es handelt sich um einen KI-Assistenten, der als Desktop-Applikation direkt auf den Endgeräten der Mitarbeitenden agiert. Im Gegensatz zu vielen cloudbasierten Chat-Tools greift Quick lokal auf Dateien und Anwendungen zu, um den spezifischen Arbeitskontext zu erfassen. Das System ist so konzipiert, dass es den individuellen Arbeitsstil durch kontinuierliche Interaktion erlernt und einen persönlichen Wissenspool aufbaut.
Ein wesentliches Merkmal ist die Einbindung von Drittanbieter-Anwendungen. Amazon Quick verfügt über Schnittstellen zu Google Workspace, Microsoft 365, Zoom, Salesforce, Slack, Jira und ServiceNow. Der Assistent überwacht im Hintergrund Kommunikationskanäle und Projektmanagement-Tools, um proaktiv auf kritische Vorgänge hinzuweisen. Dazu gehören beispielsweise unbeantwortete E-Mails mit hoher Priorität, fällige Freigaben in internen Workflows oder Aktualisierungen in CRM-Systemen. Die Anwendung kann Entwürfe für Nachrichten erstellen, Dokumente bearbeiten oder Tickets in Systemen wie Jira eigenständig aktualisieren, sobald eine menschliche Freigabe vorliegt. Für die Nutzung ist kein spezifischer AWS-Zugang erforderlich; die Anmeldung erfolgt über eine E-Mail-Adresse.
Spezialisierung der Amazon Connect Suite auf Branchenlösungen
Die Plattform Amazon Connect wird von einem Einzelprodukt zu einer Familie von vier spezialisierten KI-Lösungen ausgebaut. Diese Neuausrichtung folgt dem Prinzip, künstliche Intelligenz als integrales Teammitglied in bestehende Geschäftsprozesse einzubinden. Die Lösungen basieren auf den Erfahrungen, die Amazon bei der Verwaltung komplexer Logistik- und Kundenservice-Prozesse in großem Maßstab gesammelt hat.
Das neue Portfolio umfasst folgende Bereiche:
- Amazon Connect Customer: Dies ist die Weiterführung des bisherigen Kernprodukts, das auf die Optimierung des Kundenerlebnisses und die Automatisierung im Contact-Center-Bereich zielt.
- Amazon Connect Decisions: Diese Lösung ist auf das Management von Lieferketten spezialisiert und unterstützt bei der Entscheidungsfindung in komplexen Logistiknetzwerken.
- Amazon Connect Talent: Ein System für die Personalgewinnung und das HR-Management, das Recruiting-Abläufe automatisieren soll.
- Amazon Connect Health: Eine dedizierte Lösung für das Gesundheitswesen, die klinische Workflows und die Patientenadministration unterstützt.
Unternehmen wie State Farm und Air Canada nutzen bereits die Basis dieser Technologie, während Organisationen wie BMW und Southwest Airlines die neuen agentischen Funktionen zur Prozessbeschleunigung implementieren.
Integration von OpenAI-Modellen in die Bedrock-Plattform
Ein wesentlicher Teil der Ankündigungen betrifft die vertiefte Kooperation zwischen AWS und OpenAI. Die leistungsstärksten Modelle von OpenAI werden künftig direkt über Amazon Bedrock verfügbar gemacht. Damit erweitert AWS sein Angebot an Frontier-Modellen, das bereits Lösungen von Anthropic, Meta und Mistral umfasst. Unternehmen können OpenAI-Modelle über dieselben Programmierschnittstellen (APIs) ansprechen, die sie bereits für andere Modelle auf Bedrock verwenden.
Die Partnerschaft beinhaltet drei spezifische Angebote, die sich aktuell in einer limitierten Vorschau befinden. Erstens die allgemeine Verfügbarkeit von OpenAI-Modellen unter dem einheitlichen Governance- und Sicherheitsframework von Bedrock. Zweitens die Integration von Codex, einem spezialisierten Agenten für die Softwareentwicklung, der bereits von Millionen Entwicklern genutzt wird. Drittens die Einführung von Amazon Bedrock Managed Agents, powered by OpenAI. Diese ermöglichen es Unternehmen, produktionsreife KI-Agenten mit integriertem Identitätsmanagement und persistentem Speicher auf der globalen AWS-Infrastruktur bereitzustellen.
Geschwindigkeit bei der Verarbeitung von KI-Anfragen signifikant erhöht
Die Ausführung von agentischer KI stellt andere Anforderungen an die Hardware als das reine Training von Basismodellen. Da agentische Systeme kontinuierlich logische Schlussfolgerungen ziehen und Echtzeit-Entscheidungen treffen müssen, ist eine hohe Inferenzgeschwindigkeit entscheidend. AWS setzt hier auf eine Zusammenarbeit mit Cerebras, um die Leistung in den eigenen Rechenzentren zu steigern. Durch die Kombination von AWS Trainium-Chips mit der Cerebras CS-3-Lösung soll die Geschwindigkeit bei der Verarbeitung von KI-Anfragen signifikant erhöht werden.
Sicherheit und Datenschutz bleiben dabei zentrale Säulen der Architektur. AWS garantiert, dass Kundendaten, die über Amazon Quick oder Bedrock verarbeitet werden, nicht zum Training von Basismodellen anderer Kunden verwendet werden. Die Steuerung der Datenhoheit verbleibt vollständig beim Unternehmen, was insbesondere für regulierte Branchen wie den Finanzsektor von Bedeutung ist.
NFL nutzt Amazon Quick
Verschiedene Unternehmen setzen die neuen agentischen Lösungen bereits ein und berichten über messbare Effizienzvorteile. Die NFL und Mondelēz nutzen Amazon Quick, um Wissen innerhalb der Organisation schneller zugänglich zu machen. Die US-Versicherung New York Life setzt die Technologie für komplexe nächtliche Abstimmungsprozesse und Compliance-Berichte ein. Hier konnte durch den Einsatz eines konversationsbasierten Agenten die Notwendigkeit manueller Berichterstellung reduziert werden.
Weitere Praxiswerte zeigen die potenziellen Zeitersparnisse: Amazon Books konnte den Zeitaufwand für die Erstellung von Koordinationsdokumenten um 80 Prozent senken. In der industriellen Fertigung wurden Factory-Testzeiten um 67 Prozent reduziert. Sales-Teams beim Technologiekonzern 3M sparen laut Unternehmensangaben durchschnittlich fünf Stunden pro Woche bei der Informationsbeschaffung für Kundentermine.