Iranische Angriffe haben zwei Cloud-Standorte von Amazon schwer beschädigt. Die Wiederherstellung wird sich hinziehen.
Wer Anwendungen in den AWS-Regionen ME-CENTRAL-1 (VAE) oder ME-SOUTH-1 (Bahrain) betreibt, sollte sie besser woanders hin verlagern. Diese ungewöhnlich deutliche Empfehlung spricht Amazon selbst aus. Die beiden Rechenzentrumsstandorte sind seit Februar wiederholt durch iranische Drohnen und Raketen beschädigt worden. Die Wiederinbetriebnahme wird laut Amazon mehrere Monate dauern.
Zeitleiste der Angriffe
Auslöser der Lage ist die im Februar 2026 begonnene US-Bombardierungskampagne gegen den Iran. Wenige Tage später, Anfang März, erfolgte der erste Angriff auf die AWS-Standorte. Einige Wochen darauf wurde Bahrain erneut getroffen, diesmal durch Drohnen. Der vorerst letzte Schlag Anfang April brachte mehrere Verfügbarkeitszonen in den Zustand „Hard Down“. Sie sind also komplett ausgefallen.
Vollständig zerstört sind die Anlagen offenbar nicht. Teile der Workloads laufen weiter. Die Abrechnung gegenüber Kunden hat Amazon in der betroffenen Region jedoch ausgesetzt.
Nicht nur die Einschläge sind das Problem
Im offiziellen Statusbericht beschreibt Amazon einen Schadensmix, der über die direkten Treffer hinausgeht. Druckwellen und durch die Explosionen ausgelöste Brände hätten empfindliche Hardware in Mitleidenschaft gezogen. Zusätzlich meldet der Konzern Wasserschäden durch ausgelöste Löschanlagen sowie mechanische Defekte an den Kühlsystemen. Diese Sekundärschäden dürften maßgeblich erklären, warum Amazon von einem mehrmonatigen Reparaturzeitraum spricht und nicht von Wochen.
Reparieren unter Beschuss?
Aktuell schweigen die Waffen weitgehend, Washington und Teheran verhandeln. Belastbar ist die Lage nicht. In zentralen Streitfragen liegen beide Seiten weit auseinander, und ein Wiederaufflammen der Kämpfe gilt als realistisches Szenario. Für Amazon ergibt sich daraus ein Dilemma. Mit umfassenden Reparaturen zu beginnen, während jederzeit der nächste Einschlag drohen kann, wäre riskant. Mit dem Warten verlängert sich aber jeder Tag, an dem Kunden auf andere Regionen ausweichen müssen.
Hinzu kommt ein Faktor, der unabhängig vom Konflikt wirkt: die anhaltende Chipknappheit. Sollte beschädigtes Equipment ersetzt werden müssen und Amazon nicht über ausreichend Lagerbestände verfügen, könnte sich die Wiederinbetriebnahme zusätzlich verzögern.
Was AWS-Kunden jetzt wissen müssen
Amazons Empfehlung ist eindeutig. Erreichbare Ressourcen umziehen, nicht erreichbare aus externen Backups in anderen Regionen wiederherstellen. Wer keine Multi-Region-Strategie gefahren hat, steht damit faktisch vor einem Datenproblem. Der Vorfall ist auch jenseits der unmittelbaren Betroffenen bemerkenswert. Cloud-Infrastruktur galt vielen Kunden als gegeben. Dass eine ganze Region durch Kriegseinwirkung über Monate hinweg unzuverlässig wird, war in den Standardrisikomodellen vieler Unternehmen bislang kaum vorgesehen.