Das neue KI-Modell Claude Mythos von Anthropic bereitet Banken und Regulatoren Sorgen. Auch hierzulande laufen koordinierte Gespräche zwischen Branchenverband, BaFin und Bundesbank.
Seit Anthropic sein KI-Modell Mythos vorgestellt hat, wächst die Nervosität im Finanzsektor. In Deutschland koordiniert der Bundesverband deutscher Banken die Reaktion. Vorstandsmitglied Kolja Gabriel, der im Verband für Technologie und Innovation zuständig ist, bestätigte gegenüber Reuters laufende Beratungen: intern mit Cyberexperten der Mitgliedsinstitute, extern mit Finanzministerium, Bundesbank und BaFin: „Mythos wird von IT-Sicherheitsfirmen kontrolliert eingesetzt, um potenzielle Schwachstellen so schnell wie möglich zu schließen. Wir erwarten in Kürze eine Reihe von Software-Updates und beobachten die Entwicklungen genau“, sagte Gabriel.
Die Sorge ist nicht unbegründet. Sicherheitsforscher warnen, Mythos könnte gezielt genutzt werden, um Cyberangriffe auf die oft technisch veraltete Infrastruktur von Banken zu automatisieren oder zu verfeinern. Ähnliche Bedenken wurden bereits von Aufsichtsbehörden in Großbritannien und den USA geäußert. Laut Reuters planen auch EZB-Aufseher, Banken zu den konkreten Risiken zu befragen.
Die BaFin bestätigte den laufenden Austausch mit nationalen, europäischen und internationalen Stellen und richtete eine deutliche Erwartung an die beaufsichtigten Unternehmen: „Finanzunternehmen müssen darauf vorbereitet sein, dass in naher Zukunft Schwachstellen entdeckt werden könnten, die dann umgehend und schnell behoben werden müssten.“
Anthropic hält Modell unter Verschluss
Anthropic selbst hat Mythos nicht für die breite Öffentlichkeit freigegeben. Unter dem Namen Project Glasswing läuft stattdessen ein kontrolliertes Evaluierungsprogramm. Ausgewählte Technologiekonzerne, Cybersicherheitsunternehmen sowie Finanzinstitute wie JPMorgan Chase erhalten privaten Zugang zur aktuellen Vorschauversion Claude Mythos Preview und sollen parallel dazu Gegenmaßnahmen entwickeln.