Gigantische Mengen Gold

Rohstoff-Schatz im Schrank: 167 Millionen Handys ungenutzt in deutschen Haushalten

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Die Zahl der Handy-Leichen sinkt, bleibt aber auf Rekordniveau. Laut aktuellen Zahlen liegen tonnenweise wertvolle Metalle ungenutzt herum.

In deutschen Haushalten findet derzeit eine langsame, aber stetige Entrümpelung statt. Wie neue Daten des Digitalverbands Bitkom zeigen, ist die Zahl der gehorteten Alt-Handys und Smartphones auf 167 Millionen Geräte gesunken. Im Vergleich zum Vorjahr (195 Millionen) ist dies ein deutlicher Fortschritt, dennoch bleibt das Volumen gewaltig. Zum Vergleich: Ende 2022 lag der Wert noch bei 210 Millionen Geräten.

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Trotz des sinkenden Trends bewahren weiterhin 86 Prozent der Menschen in Deutschland mindestens ein ausrangiertes Mobiltelefon zu Hause auf.

„Es ist ein gutes Zeichen, dass die Zahl der gehorteten Alt-Handys zurückgeht. Aber noch immer liegen in deutschen Haushalten enorme Mengen wertvoller Rohstoffe ungenutzt herum. Alte Smartphones enthalten unter anderem Gold, Silber, Kupfer und Seltene Erden. Diese Rohstoffe sollten im Kreislauf gehalten werden.“

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder

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Warum wir uns nicht von unseren alten Handys trennen

Die Gründe für das Horten der Handys sind vielfältig und oft psychologischer Natur. Die repräsentative Befragung von 1.004 Personen schlüsselt das Motivationsgefüge auf:

  • Die Reserve-Taktik (48 %): Knapp jeder Zweite behält das Altgerät für den Fall, dass das aktuelle Handy kaputtgeht oder verloren geht.
  • Angst vor Datenmissbrauch (28 %): Viele Nutzer fürchten, dass private Fotos oder Passwörter trotz Löschung in falsche Hände geraten könnten.
  • Emotionale Bindung (25 %): Das erste Smartphone oder das Gerät, das einen durch besondere Lebensphasen begleitet hat, wird oft als Erinnerungsstück behalten. Besonders ausgeprägt ist dies bei den unter 30-Jährigen (30 %).
  • Zeitmangel und Unwissenheit: 19 Prozent finden schlicht keine Zeit für die Entsorgung, während 11 Prozent nicht wissen, wie und wo sie die Geräte abgeben sollen. Bei den über 65-Jährigen liegt dieser Anteil sogar bei 16 Prozent.

Was viele Verbraucher unterschätzen, ist der materielle Wert des „Elektroschrotts“. In 167 Millionen Handys stecken rein rechnerisch gigantische Mengen an Rohstoffen. Ein durchschnittliches Smartphone enthält etwa 30 Milligramm Gold. Hochgerechnet auf den deutschen Bestand ergibt das etwa fünf Tonnen Gold, die ungenutzt in Schubladen liegen. Das entspricht einem Wert von mehreren hundert Millionen Euro. Hinzu kommen hunderte Tonnen Kupfer und Silber sowie strategisch wichtige Seltene Erden, deren Abbau unter oft schwierigen ökologischen Bedingungen erfolgt.

Richtig entsorgen: So kommen die Rohstoffe zurück

Bitkom betont, dass funktionsfähige Handys idealerweise refurbished, also professionell aufbereitet und weiterverkauft, werden sollten. Ist ein Gerät jedoch endgültig defekt, stehen verschiedene legale Wege offen:

  1. Kommunale Wertstoffhöfe: Hier können Elektrokleingeräte kostenlos abgegeben werden.
  2. Rückgabe im Handel: Große Elektrohändler sowie Supermärkte und Discounter, die regelmäßig Elektronik verkaufen, sind zur Rücknahme verpflichtet. Seit kurzem hilft hierbei ein bundeseinheitliches Sammelstellenlogo im Eingangsbereich.
  3. Online-Händler: Auch Versender müssen Rückgabemöglichkeiten in zumutbarer Entfernung anbieten.
  4. Datenlöschung: Vor der Abgabe ist ein Werksreset zwingend erforderlich. Zudem sollten SIM- und Speicherkarten entfernt werden.

Lisa Löw

Lisa

Löw

Junior Online-Redakteurin

IT-Verlag

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