Mehr als zehn Jahre nach dem Debakel mit dem Fire Phone arbeitet Amazon offenbar an einem neuen Mobilgerät. Der Konzern setzt diesmal auf künstliche Intelligenz und Alexa, doch der Markt ist unbarmherzig.
2014 brachte Amazon unter der persönlichen Regie von Jeff Bezos das Fire Phone auf den Markt. 14 Monate später war Schluss. Übrig blieb eine Abschreibung von 170 Millionen Dollar für Geräte, die niemand kaufen wollte. Das proprietäre Betriebssystem, ein stromfressender 3D-Kameratrick und fehlende Apps hatten das Projekt von Anfang an belastet.
Jetzt versucht es der Konzern offenbar noch einmal, wie Reuters berichtet. Unter dem internen Codenamen „Transformer” entsteht in Amazons Gerätesparte ein neues Mobiltelefon, wie mehrere mit dem Vorhaben vertraute Personen berichten. Amazon selbst wollte sich dazu nicht äußern.
Alexa als Dreh- und Angelpunkt
Im Mittelpunkt steht die Idee, KI so tief in das Gerät einzubetten, dass herkömmliche App Stores mit ihren Download- und Registrierungsprozessen womöglich gar nicht mehr nötig wären. Amazons Sprachassistent Alexa, der 2025 nach einem umfangreichen KI-Umbau neu gestartet wurde, soll dabei eine tragende Rolle spielen, ohne jedoch zwingend als Betriebssystem zu fungieren.
Die Grundidee reicht bis zu Bezos zurück, der sich schon lange einen allgegenwärtigen, sprachgesteuerten Computerassistenten wünscht, nach dem Vorbild des Bordcomputers aus „Star Trek”. Über ein Smartphone, das permanent im Alltag präsent ist, ließe sich dieses Konzept am unmittelbarsten umsetzen.
Nicht mal klar, ob es ein richtiges Smartphone wird
Bemerkenswert ist, dass Amazon intern zwei sehr unterschiedliche Varianten durchspielt. Neben einem klassischen Smartphone steht auch ein radikal abgespecktes Gerät zur Debatte, ein sogenanntes „Dumbphone”, das bewusst auf Reizüberflutung verzichtet. Als Referenz dient das Light Phone, ein Minimalgerät für 700 Dollar, das kaum mehr kann als Telefonieren, Fotografieren und Navigieren.
Ein solches Gerät würde Amazon nicht als Ersatz für bestehende iPhones oder Samsung-Handys positionieren, sondern als Ergänzung. Weltweit machten reduzierte Mobiltelefone 2025 laut Counterpoint Research rund 15 Prozent aller Handy-Verkäufe aus.
Enormer Gegenwind
Leicht wird das nicht. Apple und Samsung beherrschen zusammen etwa 40 Prozent des globalen Smartphone-Marktes. Hinzu kommt ein historisch schlechter Zeitpunkt: IDC erwartet für 2026 einen Rückgang der Smartphone-Auslieferungen um 13 Prozent, den stärksten Einbruch überhaupt, getrieben durch steigende Speicherchip-Preise.
Auch die bisherige Bilanz KI-zentrierter Gadgets gibt wenig Anlass zur Zuversicht. Geräte wie der Humane AI Pin und der Rabbit R1 sind nach vernichtenden Tests vom Markt verschwunden. Gleichzeitig arbeiten aber etliche große Player an ähnlichen Konzepten, von OpenAI in Kooperation mit dem früheren Apple-Designchef Jony Ive bis hin zu Meta und Google mit ihren KI-Brillen.
Analyst Colin Sebastian von R.W. Baird formuliert es nüchtern: Amazon müsse den Nutzern einen zwingenden Grund liefern, ihr gewohntes Ökosystem zu verlassen. Unmöglich sei ein Comeback zwar nicht, aber sehr schwierig.
Wer dahintersteckt
Zuständig ist eine relativ junge Abteilung namens ZeroOne, die innerhalb der Gerätesparte sogenannte „Breakthrough”-Produkte entwickeln soll. Geleitet wird sie von J Allard, der bei Microsoft unter anderem an der Xbox und dem Zune beteiligt war. Über allem steht Gerätechef Panos Panay, der die seit Jahren defizitäre Hardware-Sparte profitabel machen soll.