Amazons internes KI-Mandat soll die Produktivität steigern. Doch Angestellte berichten vom Gegenteil.
Das Versprechen der Tech-Branche klingt seit Jahren verlockend: Künstliche Intelligenz werde Arbeitsabläufe automatisieren, Mitarbeiter entlasten und vielleicht sogar die Vier-Tage-Woche ermöglichen. Viele Unternehmen haben sich diese Vision zu eigen gemacht und KI-Tools flächendeckend eingeführt. Bei Amazon zeigt sich nun, dass die Realität noch anders aussieht als das Versprechen.
Halbgare Tools mit Mehraufwand
Wie mehrere Amazon-Mitarbeiter gegenüber dem Guardian berichten, sorgt die konzerninterne Vorgabe, KI-Werkzeuge verpflichtend zu nutzen, nicht etwa für Entlastung, sondern für zusätzliche Arbeit. Die eingesetzten Tools seien fehleranfällig, die Ergebnisse müssten manuell überprüft, korrigiert oder mit Kollegen abgeglichen werden. Unter dem Strich koste das mehr Zeit, als es einspare.
Ein Softwareentwickler erklärtes gegenüber dem Guardian so: „Ich und viele meiner Kollegen haben nicht das Gefühl, dass es uns wirklich schneller macht. Aber vom Management bekommen wir ganz klar die Botschaft, dass wir schneller werden müssen, dass uns das schneller machen wird – und dass Geschwindigkeit die oberste Priorität ist.”
Studie bestätigt das Bauchgefühl
Die Berichte der Amazon-Angestellten stehen nicht allein da. Eine aktuelle Studie von ActivTrak, das sich mit Personalanalysen befasst, kommt zu dem Schluss, dass der Einsatz von KI-Werkzeugen die Arbeitsbelastung in vielen Fällen tatsächlich erhöht statt senkt. Der Grund ist ein Muster, das sich branchenübergreifend zeigt: KI-generierte Ergebnisse erfordern eine aufwendige menschliche Qualitätskontrolle, die in den optimistischen Produktivitätsrechnungen der Unternehmen schlicht nicht vorkommt.