Die Open Source Business Alliance beschreibt die Pläne für den Deutschland-Stack als zu unverbindlich. Ohne klare Vorgaben für Open Source bleibe echte digitale Souveränität unerreichbar.
Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung will mit dem Deutschland-Stack die digitale Verwaltung grundlegend modernisieren. Die geplante nationale Technologie-Plattform soll Bund, Ländern und Kommunen einheitliche Technologien, Rahmenbedingungen und Produkte für digitale Dienstleistungen bereitstellen. Nach Abschluss der zweiten Konsultationsrunde am 15. Februar 2026 hat die Open Source Business Alliance (OSBA) eine Stellungnahme eingereicht.
Verband sieht Potenzial nicht ausgeschöpft
“Die aktuelle Situation, in der die gesamte Verwaltung von einzelnen Anbietern abhängig bleibt, ist untragbar”, sagte Peter Ganten, Vorstandsvorsitzender der OSBA. Innovative europäische Lösungen hätten unter diesen Umständen kaum Chancen. Die OSBA unterstützt grundsätzlich das im Koalitionsvertrag festgelegte Ziel der Bundesregierung, mit Open Source digital souverän zu werden und ein eigenes Ökosystem aufzubauen.
Gleichzeitig mahnt Ganten mehr Konsequenz an: “Wenn der Deutschland-Stack keine durchgängige und ausnahmslos auf Open Source ausgerichtete Strategie erhält, bleibt echte digitale Souveränität unerreichbar.” Der Verband argumentiert, dass nur Open Source echte Wechselmöglichkeiten, Gestaltungsfähigkeit und unabhängige Überprüfbarkeit von Software und Datenschutz ermögliche.
Positive Ansätze, aber noch Bruchstücke
Die OSBA bewertet es grundsätzlich positiv, dass in der zweiten Version des Deutschland-Stacks einige Open-Source-Aspekte zu finden sind. Bezogen auf das Gesamtbild wirkten diese allerdings wie Bruchstücke. An vielen Stellen seien Formulierungen noch unklar oder ließen zu viel Spielraum für nicht-souveräne Lösungen.
Als problematisch sieht der Verband die Zurückstellung des Reifegradmodells bei den Kriterien. Dadurch hätten diese an Durchschlagskraft verloren. Eine differenzierte Bewertung und der Vergleich digitaler Angebote nach ihrem tatsächlichen Souveränitätsgrad sei so in der Praxis erschwert.
Klarere Vorgaben gefordert
Die OSBA sieht in der aktuellen Version noch zu viel Spielraum für Closed-Source-Angebote und außereuropäische Hyperscaler. Der Verband fordert eine konsequentere Umsetzung des Koalitionsvertrags: Der Deutschland-Stack sollte Open Source, offene Standards und offene Schnittstellen verbindlich über alle Bereiche vorschreiben.
Dies würde nicht nur die digitale Souveränität stärken, sondern auch die deutsche und europäische Innovationslandschaft fördern, so die OSBA.