HR im Zentrum der Unternehmenssteuerung

HR-Management zwischen strategischem Anspruch und zunehmender Belastung

Personal

Personalabteilungen haben sich in vielen deutschen Unternehmen vom administrativen Dienstleister zur strategischen Schaltstelle entwickelt.

Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des HR-Plattformanbieters HiBob, für die 500 Fachkräfte befragt wurden. Inzwischen berichtet die Mehrheit der HR-Verantwortlichen direkt an die Unternehmensspitze, häufig an den CEO. Auch die Titel haben sich verändert und unterstreichen den Bedeutungswandel: Rollen wie Chief HR Officer oder Chief People Officer sind längst keine Ausnahme mehr.

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Strategische Rolle trifft auf knappe Ressourcen

Mit der neuen Nähe zu unternehmerischen Entscheidungen wachsen allerdings auch die Erwartungen an HR. Gleichzeitig bleibt die personelle Ausstattung überschaubar. In vielen Unternehmen arbeiten weniger als 20 Mitarbeitende im HR-Bereich. Diese Teams sollen operative Aufgaben bewältigen, Transformationsprojekte begleiten und gleichzeitig als strategischer Sparringspartner der Geschäftsführung agieren. Der Spagat zwischen Anspruch und Kapazität prägt den Arbeitsalltag.

Datenbasis oft noch unzureichend

Besonders deutlich wird der Nachholbedarf beim Einsatz von HR-Analytics. Nur ein kleiner Teil der Unternehmen nutzt strukturierte Dashboards oder beschäftigt spezialisierte Datenexperten im Personalbereich. Häufig beschränken sich Analysen auf grundlegende Kennzahlen, teilweise werden Daten noch manuell erhoben. Künstliche Intelligenz hält zwar Einzug, wird aber meist unterstützend eingesetzt und ist nur selten fest in Analyseprozesse integriert.

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Hohe emotionale Belastung im HR-Alltag

Parallel dazu steigt der Druck auf die HR-Teams spürbar. Viele Verantwortliche berichten von einer wachsenden emotionalen Belastung. Themen wie Gesundheit, Wohlbefinden und mentale Stabilität gewinnen dadurch stark an Bedeutung. Burnout wird zunehmend nicht nur als individuelles, sondern auch als unternehmerisches Risiko wahrgenommen. Die Folgen zeigen sich unter anderem in höherer Fluktuation und einer angespannten internen Kommunikation.

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Der anhaltende Mangel an qualifizierten Arbeitskräften verschärft die Situation zusätzlich. Für einen Großteil der Unternehmen hatte er bereits im vergangenen Jahr deutliche Auswirkungen, und auch mittelfristig ist keine Entlastung in Sicht. HR-Abteilungen stehen damit dauerhaft unter Zugzwang, während gleichzeitig die Erwartungen an Geschwindigkeit, Qualität und strategischen Beitrag weiter steigen.

Arbeitsmodelle bleiben vergleichsweise starr

Beim Blick auf die Organisation der Arbeit zeigt sich ein eher konservatives Bild. Ein großer Teil der Unternehmen setzt weiterhin auf Präsenz im Büro. Hybride Modelle sind verbreitet, folgen jedoch meist klaren Regeln mit festen Anwesenheitstagen. Vollständig ortsunabhängige Arbeitsformen spielen bislang nur eine untergeordnete Rolle.

HR ist heute ein zentraler Treiber für Unternehmensentwicklung, Kultur und Zukunftsfähigkeit. Damit diese Rolle dauerhaft ausgefüllt werden kann, braucht es jedoch passende Strukturen, moderne Werkzeuge und Rückhalt durch die Unternehmensführung. Ohne gezielte Investitionen und klare Prioritäten droht die strategische Bedeutung der HR-Abteilung an operativen Überlastungen zu scheitern.

Pauline Dornig

Pauline

Dornig

Online-Redakteurin

IT Verlag GmbH

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