Künstliche Intelligenz gehört für viele Kinder und Jugendliche in Deutschland inzwischen zum Alltag. Ob bei Schulaufgaben, zur Vorbereitung auf Prüfungen oder aus reiner Neugier – KI-Anwendungen wie Chatbots werden regelmäßig genutzt.
Schätzungen zufolge greifen rund zwei Drittel der 12- bis 19-Jährigen auf solche Werkzeuge zurück. Sicherheitsexperten wie der IT-Sicherheitsanbieter ESET mahnen jedoch zu einem differenzierten Blick auf diese Entwicklung.
Vom Werkzeug zum ständigen Begleiter
Was früher Lexikon, Taschenrechner oder Nachhilfe war, ist heute oft ein digitaler Assistent. KI-Systeme reagieren dialogorientiert, hilfsbereit und bestätigend. Gerade für junge Menschen kann daraus schnell mehr werden als ein praktisches Hilfsmittel. In sensiblen Entwicklungsphasen besteht die Gefahr, dass digitale Gesprächspartner reale soziale Kontakte teilweise ersetzen oder überlagern.
Fehlerhafte Antworten mit überzeugender Wirkung
Ein zentrales Risiko liegt in der Zuverlässigkeit der Inhalte. KI-Systeme liefern mitunter sachlich falsche Antworten, die dennoch plausibel und selbstbewusst formuliert sind. Während Erwachsene solche Fehler häufig erkennen oder hinterfragen, fehlt Kindern oft die Erfahrung, Aussagen kritisch einzuordnen. Das kann schulische Folgen haben, in anderen Bereichen jedoch auch ernstere Konsequenzen nach sich ziehen.
Persönliche Daten sind schnell preisgegeben
Ein weiterer kritischer Punkt ist der Umgang mit sensiblen Informationen. Viele Kinder und Jugendliche geben in Chatbots persönliche Erlebnisse, Probleme oder sogar vertrauliche Daten ein. Dabei wird oft übersehen, dass diese Informationen den privaten Raum verlassen und gespeichert oder ausgewertet werden können. Technische Schutzmechanismen und Altersbeschränkungen bieten zwar Orientierung, lassen sich in der Praxis aber nicht immer zuverlässig durchsetzen.
Wenn Denken ausgelagert wird
Neben Datenschutz und Sicherheit rücken zunehmend auch psychologische Aspekte in den Fokus. Fachleute weisen darauf hin, dass eine intensive Nutzung von KI langfristig Auswirkungen auf das eigene Denken haben kann. Diskutiert werden unter anderem Effekte auf Gedächtnisleistung, Problemlösefähigkeit und Kreativität, wenn Antworten regelmäßig übernommen statt selbst erarbeitet werden.
Wie Eltern sinnvoll begleiten können
Statt auf pauschale Verbote zu setzen, empfehlen Experten einen begleitenden Umgang mit KI:
– Interesse zeigen und Gespräche darüber führen, wie und wofür KI genutzt wird
– Vermitteln, dass KI Fehler machen kann und Informationen überprüft werden sollten
– Klare Regeln zur Nutzungsdauer und zu geeigneten Anwendungen vereinbaren
– Sensibilisieren, dass persönliche Daten, Fotos oder private Probleme nicht in Chatbots gehören
– Den Wert realer Gespräche und menschlicher Beziehungen stärken
Für Kinder und Jugendliche, die Sorgen oder Ängste haben, ist es wichtig zu wissen, dass es auch außerhalb digitaler Angebote Unterstützung gibt. Die „Nummer gegen Kummer“ bietet unter 116 111 sowie online anonyme und kostenfreie Beratung durch geschulte Ansprechpartner – mit echten Menschen statt automatisierter Antworten.