Dauerproblem im Mittelstand

Wie umgehen mit dem Fachkräftemangel?

Fachkraeftemangel

Für kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland bleibt der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften die größte Belastung.

Das aktuelle Mittelstandsbarometer von SELLWERK zeigt, dass mehr als die Hälfte der befragten Betriebe diese Entwicklung als zentrales Risiko für ihre wirtschaftliche Zukunft sieht. Damit rangiert das Thema noch vor hohen Energiepreisen oder Defiziten bei der Digitalisierung. Besonders stark betroffen sind Branchen mit hohem Ausbildungsanteil und spezialisierte Handwerksberufe.

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Wenn offene Stellen monatelang unbesetzt bleiben

Wie schwierig die Lage ist, zeigt sich exemplarisch im Hörakustik-Handwerk. Ein Betrieb aus Süddeutschland sucht seit Monaten nach ausgebildeten Fachkräften – bislang ohne Erfolg. Um den Betrieb dennoch aufrechtzuerhalten, setzt man dort verstärkt auf Quereinsteiger und interne Qualifizierung. Menschen aus sozialen oder dienstleistungsnahen Berufen werden weitergebildet, was zwar funktioniert, aber Zeit, Geduld und zusätzliche Ressourcen erfordert.

Bemerkenswert ist, dass attraktive Arbeitsbedingungen allein den Engpass nicht lösen. Kürzere Wochenarbeitszeiten, überdurchschnittliche Vergütung oder zusätzliche Sonderzahlungen erhöhen zwar die Attraktivität, ändern aber nichts an der grundsätzlichen Knappheit auf dem Bewerbermarkt.

Zurückhaltende Personalplanung trotz steigender Belastung

Angesichts dieser Situation agieren viele Unternehmen vorsichtig. Nur ein kleiner Teil der Betriebe plant aktuell Neueinstellungen. Stattdessen setzen viele auf Maßnahmen zur Bindung der vorhandenen Belegschaft. Lohnerhöhungen, flexiblere Arbeitszeiten und bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie gehören zu den am häufigsten genutzten Stellschrauben. Ziel ist es, Know-how im Unternehmen zu halten, da Ersatz kaum zu finden ist.

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Nachwuchssorgen im Handwerk verschärfen sich

Besonders deutlich zeigen sich die Folgen des Fachkräftemangels im Handwerk. In mehreren Regionen ist die Zahl neuer Ausbildungsverträge spürbar zurückgegangen, vor allem in technischen Gewerken. Gleichzeitig konkurriert das Handwerk mit Industrie, Handel und öffentlichem Dienst um eine immer kleinere Gruppe junger Menschen.

Um gegenzusteuern, entstehen neue Ansätze. In Dortmund etwa wird mit einem geförderten Wohnprojekt für Auszubildende versucht, die Ausbildung attraktiver zu machen. Bezahlbarer Wohnraum, kurze Wege zum Betrieb und Gemeinschaftsangebote sollen helfen, junge Menschen für handwerkliche Berufe zu gewinnen. Die Kreishandwerkerschaft Dortmund Hagen Lünen sieht darin einen wichtigen Baustein, um das Handwerk als sicheren und sinnvollen Berufsweg sichtbar zu machen – auch mit Blick auf Themen wie Energiewende und Infrastruktur.

Migration und Quereinstieg bleiben umstritten

Trotz der angespannten Lage wird Zuwanderung von vielen Mittelständlern nur eingeschränkt als Lösung wahrgenommen. Ein vergleichsweise kleiner Teil sieht darin eine große Chance, während ein relevanter Anteil diesem Weg skeptisch oder ablehnend gegenübersteht. Ähnlich ambivalent ist der Blick auf Quereinsteiger: Sie helfen kurzfristig, ersetzen aber nicht den langfristigen Aufbau qualifizierter Fachkräfte.

Stabilität bewahren, obwohl der Druck steigt

Trotz steigender Kosten und personeller Engpässe halten die meisten Unternehmen an ihren Beschäftigten fest. Der Wille, ein verlässlicher Arbeitgeber zu sein, ist hoch. Gleichzeitig geraten viele Betriebe an ihre Grenzen. Steigende Löhne, hohe Betriebsausgaben und fehlende Zeit für strategische Themen erschweren die Lage zusätzlich. Das bestätigt auch SELLWERK, wo man beobachtet, dass vor allem kleinere Betriebe außerhalb großer Städte Schwierigkeiten haben, im Wettbewerb um Fachkräfte sichtbar zu bleiben.

Zwischen Engagement und begrenztem Handlungsspielraum

Der Mittelstand zeigt Einsatz: Er bildet aus, investiert in Mitarbeiterbindung und sucht kreative Lösungen. Doch der Fachkräftemangel ist längst zu einer strukturellen Herausforderung geworden. Viele Unternehmen wünschen sich deshalb klarere politische Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und praxistaugliche Unterstützung. Ohne solche Entlastungen droht der Handlungsspielraum weiter zu schrumpfen – mit spürbaren Folgen für Wirtschaft, Handwerk und regionale Versorgung.

Pauline Dornig

Pauline

Dornig

Online-Redakteurin

IT Verlag GmbH

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