Digitale Zwillinge als Antwort auf wachsende Stillstandsrisiken

Maximale Verfügbarkeit in der Energieerzeugung dank digitaler Informationszwillinge

Der Betrieb von Energieanlagen wird zunehmend anspruchsvoller. Technische Systeme werden komplexer, ungeplante Ausfälle verursachen hohe Kosten, und mit dem altersbedingten Ausscheiden erfahrener Fachkräfte geht wertvolles Wissen verloren.

Vor diesem Hintergrund rücken digitale Werkzeuge in den Fokus, die helfen sollen, Stillstandszeiten zu verkürzen und Risiken besser zu beherrschen. Eine zentrale Rolle spielt dabei der sogenannte digitale Informationszwilling.

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Eine vernetzte Sicht auf die Anlage

Ein digitaler Informationszwilling bildet eine Energieanlage vollständig und strukturiert ab. Technische Komponenten, verfahrenstechnische Zusammenhänge sowie die gesamte Anlagendokumentation werden auf einer webbasierten Plattform zusammengeführt. Anders als klassische Dokumentensammlungen dient der Informationszwilling nicht nur der Ablage, sondern wird aktiv in Planung, Analyse und Betrieb eingebunden. Er stellt eine einheitliche und stets aktuelle Datengrundlage bereit, die insbesondere in kritischen Situationen schnelle Entscheidungen ermöglicht. Darauf verweist auch Hans Karl Preuß von GABO IDM, der den Informationszwilling als zentrale Referenz für den Anlagenbetrieb beschreibt.

Wissen unabhängig von Personen sichern

Ein wesentlicher Vorteil digitaler Informationszwillinge liegt in der systematischen Sicherung von Erfahrungswissen. In vielen Bestandsanlagen ist Know-how stark an einzelne Mitarbeitende gebunden. Verlässt diese Person das Unternehmen, entstehen Wissenslücken, die im Störfall wertvolle Zeit kosten. Der Informationszwilling überführt dieses implizite Wissen in eine digitale, für alle Beteiligten zugängliche Form. Dadurch lassen sich Störungen schneller analysieren und Maßnahmen gezielter planen. Gleichzeitig wird der Wissenstransfer an neue Mitarbeitende erleichtert, was die Auswirkungen des demografischen Wandels abmildert.

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Technische Informationen jederzeit verfügbar

Ein weiterer Zeitgewinn entsteht durch den ortsunabhängigen Zugriff auf vollständige und aktuelle Anlagendokumentationen. R&I-Fließbilder, Pläne und technische Unterlagen stehen digital zur Verfügung und müssen nicht mehr in unterschiedlichen Systemen oder Papierarchiven gesucht werden. Diese Transparenz ermöglicht eine realistische Einschätzung der aktuellen Anlagensituation und beschleunigt die Vorbereitung von Instandhaltungs- oder Umbauarbeiten. Medienbrüche und veraltete Dokumente, die häufig Ursache für Verzögerungen sind, werden so vermieden.

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Digitale Freischaltungsprozesse erhöhen Sicherheit

Besonders in Stillstandssituationen spielt die Freischaltungsplanung eine entscheidende Rolle. Durch die digitale Abbildung von Freischaltprozessen, Arbeitsanweisungen und Genehmigungen lassen sich Abläufe klar strukturieren und miteinander verknüpfen. Die Integration dieser Prozesse in intelligente R&I-Darstellungen reduziert Fehlerquellen und verbessert die Nachvollziehbarkeit. Standardisierte, digitale Workflows sorgen dafür, dass auch unter Zeitdruck sicher gearbeitet wird und alle Schritte dokumentiert bleiben.

Grundlage für vernetzte Instandhaltung

Digitale Informationszwillinge lassen sich zudem in bestehende Systeme wie ERP- oder Instandhaltungssoftware integrieren. Damit schaffen sie die Basis für weiterführende Konzepte wie zustandsorientierte oder vorausschauende Wartung. Gleichzeitig geht mit ihrer Einführung ein kultureller Wandel einher: Informationen werden nicht mehr lokal oder personengebunden verwaltet, sondern stehen zentral und vernetzt zur Verfügung. Das verbessert die Zusammenarbeit, verkürzt Reaktionszeiten und erhöht langfristig die Anlagenverfügbarkeit.

Mehr als ein digitales Archiv

Der Einsatz digitaler Informationszwillinge zeigt, dass es nicht allein um die Digitalisierung von Dokumenten geht. Vielmehr entsteht eine integrative Plattform, die Wissen, Prozesse und technische Daten zusammenführt und aktiv nutzbar macht. In Energieanlagen kann dies einen entscheidenden Beitrag leisten, um Stillstände zu verkürzen, Abläufe zu standardisieren und die Widerstandsfähigkeit gegenüber ungeplanten Ereignissen zu erhöhen.

Pauline Dornig

Pauline

Dornig

Online-Redakteurin

IT Verlag GmbH

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