Laut einer aktuellen Einschätzung von Gartner könnte sich die Zahl der VMware-Kunden, die aktiv Alternativen prüfen, bis 2029 mehr als verdoppeln.
Im „Magic Quadrant for Distributed Hybrid Infrastructure“ nennt das Analystenhaus eine Zielmarke von 55 Prozent aller Unternehmen, die bis dahin Testprojekte für andere Hybrid-Cloud-Plattformen begonnen haben sollen. Ausgangswert für 2026 sind 25 Prozent.
Warum 2029 als Stichjahr genannt wird
Ein Grund für diesen Zeithorizont dürfte im Zeitpunkt der Broadcom-Übernahme von VMware liegen. Viele Kunden sicherten sich im Vorfeld des Deals noch dreijährige Verträge zu den alten Konditionen. Da ein Plattformwechsel als aufwendig gilt, verlängern manche Unternehmen ihre Verträge offenbar lieber und bereiten parallel eine spätere Migration vor. Ein 2026 abgeschlossener Dreijahresvertrag würde entsprechend 2029 auslaufen.
Gartner geht zugleich davon aus, dass ein tatsächlicher Anbieterwechsel bei den meisten Kunden noch Jahre dauern wird, eine Einschätzung, die sich mit Aussagen von Nutanix-CEO Rajiv Ramaswami deckt. Broadcom selbst hat unterdessen sein Einstiegsprodukt vSphere Standard überarbeitet, was zur Kundenbindung beitragen dürfte.
Kritik trotz Führungsposition
Sowohl im DHI-Quadranten als auch in einem separaten, neu aufgelegten „Magic Quadrant for Server Virtualization Platforms“ bewertet Gartner VMware als Leader. Gewürdigt werden dabei die Kerntechnologie, das Sovereign-Cloud-Ökosystem sowie KI-Funktionen. Gleichzeitig verzeichnet Gartner eine zunehmend kritische Stimmung unter befragten Kunden. Als Themen nennt das Unternehmen vor allem die Kommunikation seitens VMware, geschäftliche Praktiken sowie verzögerten Support.
Im Server-Virtualisierungs-Quadranten führt Gartner zudem an, dass die Umstellung auf ein Pro-Core-Lizenzmodell bei Kunden zu deutlich höheren Kosten geführt habe. Verhandlungen über die Konditionen seien dabei kaum möglich gewesen, was laut Gartner dazu beigetragen hat, dass IT-Verantwortliche verstärkt nach Alternativen suchen.
Auch andere Anbieter mit Schwächen
Gartner benennt in beiden Berichten auch Schwachstellen der Konkurrenz:
- Nutanix: Lizenzierung und Preisgestaltung werden als komplex beschrieben, teilweise mit Preisen über den Erwartungen der Kunden. Gartner rät dazu, den wirtschaftlichen Nutzen einer Migration im Einzelfall zu prüfen.
- AWS: Der On-Premises-Dienst Local Zones ist in bestimmten, teureren Großstadtregionen mit spürbar höheren Kosten verbunden als die jeweilige Herkunftsregion in der Cloud.
- Microsoft: Für alltägliche Verwaltungsaufgaben müssen mehrere getrennte Oberflächen genutzt werden, darunter Azure Portal, Windows Admin Center und System Center Virtual Machine Manager.
Zwei neue Bewertungen im Server-Quadranten
Der Server-Virtualisierungs-Quadrant erscheint laut Gartner erstmals seit zehn Jahren wieder und enthält deshalb auch neu bewertete Anbieter.
HPE wird als „Challenger“ eingeordnet, da dem Unternehmen laut Gartner noch relevante Produktfunktionen fehlen und es sich in diesem Markt erst noch etablieren muss. Proxmox erhält den Status „Niche Player“, begründet mit fehlender Unterstützung für anspruchsvolle Enterprise-Workloads und Unsicherheit über die Support-Kapazitäten angesichts der bisherigen Unternehmensgröße. Proxmox hat darauf zwischenzeitlich mit einem neuen Standort in Nordamerika und einem rund um die Uhr verfügbaren Support reagiert.
(red)