Wenn Algorithmen Fehler machen

Versicherungen ringen mit KI-Risiken

Versicherung

Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in den Geschäftsalltag. Mit ihrem Einsatz entstehen jedoch neue Haftungsfragen, auf die viele klassische Versicherungsmodelle bislang nicht ausgelegt sind.

Experten aus der Branche gehen davon aus, dass sich der Umgang mit diesen Risiken verändern wird. Lange Zeit wurden Risiken rund um KI-Anwendungen in bestehenden Policen eher indirekt berücksichtigt. Diese sogenannte stille Deckung bedeutete, dass mögliche Schäden durch KI nicht explizit geregelt waren, sondern stillschweigend mitversichert wurden.

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Laut Einschätzungen von Fachleuten wie Sonal Madhok und Anat Lior (via Pressetext) steht dieses Modell jedoch vor dem Aus. Versicherer beginnen zunehmend, KI-Risiken klar zu definieren – und in vielen Fällen auch gezielt auszuschließen oder gesondert abzusichern.

Neue Ausschlüsse und spezialisierte Policen

Einige Versicherungsverträge enthalten inzwischen explizite Klauseln, die Schäden durch KI-Anwendungen ausschließen. Darauf verweist auch Jonathan Mitchell. Unternehmen können sich also nicht mehr darauf verlassen, dass bestehende Policen automatisch greifen, wenn ein KI-System Fehlentscheidungen trifft.

Wie komplex die Situation ist, zeigt ein Beispiel aus der Praxis: Ein Unternehmen versuchte, einen KI-Agenten wie einen regulären Mitarbeiter zu versichern – und musste stattdessen auf eine spezielle Versicherungslösung zurückgreifen.

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Versicherer reagieren auf diese Entwicklung mit neuen Angeboten. So beschäftigt sich etwa das Unternehmen Armilla gezielt mit der Absicherung von KI-Systemen. Vor Vertragsabschluss werden Modelle auf Schwachstellen geprüft und das Risikomanagement der Kunden bewertet.

Dabei können Policen nicht nur digitale Schäden abdecken, sondern auch reale Auswirkungen. Ein Beispiel wäre eine KI, die fehlerhafte Bestellungen auslöst und dadurch wirtschaftliche Schäden verursacht.

Grenzen der Versicherbarkeit

Trotz neuer Ansätze zeigen sich Versicherer bei bestimmten Einsatzfeldern zurückhaltend. Anwendungen in sensiblen Bereichen wie medizinischer Diagnostik oder psychischer Gesundheit werden häufig von der Deckung ausgeschlossen.

Der Grund liegt in der grundlegenden Funktionsweise von KI-Systemen. Wie Michael von Gablenz erklärt, lassen sich Fehler oder sogenannte Halluzinationen nicht vollständig vermeiden. KI basiert auf statistischen Modellen. Diese sind immer mit Unsicherheiten verbunden.

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Ein Markt im Umbruch

Auch Phil Dawson vom Spezialversicherer Armilla weist darauf hin, dass sich bestehende Versicherungslogiken durch den Einsatz von KI grundlegend verändern. Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass Risiken künftig detaillierter bewertet und differenzierter abgesichert werden.

Die Entwicklung zeigt, dass die Zeit pauschaler Absicherungen endet. Stattdessen entstehen spezifische Regelwerke für den Umgang mit KI-Risiken. Für Unternehmen bedeutet das mehr Transparenz, aber auch mehr Verantwortung bei der Auswahl passender Versicherungen.

Mit der wachsenden Verbreitung von KI dürfte sich dieser Markt weiter dynamisch entwickeln , und zu einem festen Bestandteil moderner Risikostrategien werden.

Pauline Dornig

Pauline

Dornig

Online-Redakteurin

IT Verlag GmbH

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