Die Telekom nimmt Cloudflare-Sicherheitslösungen in ihr Geschäftskundenportfolio auf, und beide Unternehmen verbinden ihre Netze direkt miteinander. Davon könnten auch Privatkunden profitieren.
Die Zusammenarbeit sieht eine direkte Vernetzung der Telekom-Infrastruktur mit der globalen Cloud-Plattform von Cloudflare vor. Unternehmenskunden sollen dadurch auf Cloudflare-Dienste für Konnektivität, Performance und Sicherheit zugreifen können, die über das bestehende Unternehmensangebot der Telekom bereitgestellt werden.
Die Deutsche Telekom bringt dabei ihre Telekommunikationsinfrastruktur und ihre bestehenden Kundenbeziehungen ein. Die Konzerntochter T-Systems steuert Leistungen in den Bereichen Beratung, Integration und Managed Services bei. Cloudflare erweitert mit der Kooperation gleichzeitig seine Präsenz im europäischen Unternehmensmarkt.
Ende eines langjährigen Peering-Streits
Die direkte Netzverbindung hat eine Vorgeschichte. Sie betrifft nicht nur Geschäftskunden. Telekom und Cloudflare konnten sich jahrelang nicht über das Peering einigen. Die Telekom verlangt für den direkten Zugang zu ihrem Netz Gebühren, die Cloudflare nicht zahlen wollte. Deshalb lief der Datenverkehr zwischen beiden Netzen bisher unter anderem über Transit-Anbieter wie Arelion oder Cogent.
Telekom-Kunden berichteten insbesondere zu Stoßzeiten immer wieder über hohe Latenzen, Paketverluste und langsam ladende Websites bei Verbindungen zu Cloudflare. Durch die direkte Zusammenschaltung können Verbindungen zwischen den beiden Netzen künftig ohne den bisherigen Umweg über externe Transit-Anbieter geführt werden. Davon können grundsätzlich auch Telekom-Privatkunden profitieren, wenn sie Websites und Dienste nutzen, die über Cloudflare angebunden sind. An ihrer grundsätzlichen Peering-Politik ändert die Telekom damit aber nichts.
Sicherheitsdienste für Unternehmensumgebungen
Ein Bestandteil der Vereinbarung ist die Aufnahme von Cloudflare-Sicherheitslösungen in das Geschäftskundenportfolio der Deutschen Telekom. Dazu gehören Angebote zum Schutz von Anwendungen, Netzwerken und Daten.
Auch KI-Workloads sollen zunehmend berücksichtigt werden. Hintergrund sind immer stärker verteilte IT-Umgebungen, in denen klassische Unternehmensnetzwerke mit Cloud-Diensten und KI-Anwendungen kombiniert werden. Dadurch steigen die Anforderungen an Absicherung, Performance und Verfügbarkeit der Infrastruktur.
T-Systems will eigene Fachkräfte für die Cloudflare-Plattform qualifizieren und zertifizieren. Kunden sollen so aus einer Hand betreut werden, von der Beratung und Implementierung bis zum laufenden Betrieb und zu Managed Security Services.
Fokus auf Resilienz und digitale Souveränität
Neben der technischen Anbindung wollen beide Unternehmen weitere gemeinsame Lösungen entwickeln. Dabei geht es vor allem um die Anforderungen europäischer Unternehmen an Sicherheit, Resilienz und digitale Souveränität.
Stephanie Cohen, Chief Strategy Officer von Cloudflare, sieht in der Partnerschaft die Verbindung zweier Plattformen, die für Unternehmen in Europa zentral seien. Die Kombination aus Cloudflares globaler Konnektivitäts- und Sicherheitsplattform und der Infrastrukturkompetenz und Kundenreichweite der Telekom helfe Unternehmen, ihre Netze zu schützen, resilienter zu werden und ihre Transformation zu beschleunigen.
Kerstin Baumgart, Geschäftsführerin Wholesale der Telekom Deutschland GmbH, hebt vor allem die direkte Netzanbindung hervor. Durch sie und die Bündelung der technologischen Kompetenzen profitierten Kunden von den Synergien „zweier hochgradig komplementärer Infrastrukturen“.
Post-Quanten-Kryptografie als weiterer Baustein
Die Kooperation soll sich nicht auf bestehende Sicherheits- und Netzwerkdienste beschränken. Telekom und Cloudflare wollen auch gemeinsam Ansätze für künftige Sicherheitsanforderungen europäischer Unternehmen entwickeln.
Dazu zählt ausdrücklich der Einsatz moderner, quantenresistenter Kryptografie. Ziel ist es, Sicherheitsmechanismen auf die langfristige Entwicklung von Cloud-, Netzwerk- und KI-Infrastrukturen auszurichten.
(red)