SAP hat drei Führungskräfte freigestellt, nachdem ein US-Konkurrent schwere Anschuldigungen erhoben hat. Es geht um den möglichen Transfer tausender vertraulicher Dokumente – und um einen hart umkämpften Zukunftsmarkt.
Der Walldorfer Softwarekonzern sieht sich mit brisanten Vorwürfen eines amerikanischen Wettbewerbers konfrontiert. Der Softwareanbieter o9 Solutions wirft dem DAX-Konzern vor, drei ehemalige Mitarbeiter trotz mutmaßlicher Verstöße gegen Geheimhaltungspflichten eingestellt zu haben. Die Führungskräfte sollen vor ihrem Wechsel nach Walldorf systematisch Unternehmensdaten ihres damaligen Arbeitgebers gesichert haben.
Kampf um die Supply-Chain-Zukunft
Hintergrund der Auseinandersetzung ist ein hart umkämpfter Technologiebereich: Moderne Planungssoftware für Lieferketten. In der beim US-Bundesgericht in Dallas eingereichten Klage zeichnet o9 ein interessantes Bild der Marktlage: SAP habe als etablierter Anbieter zunehmend Probleme gehabt, da dessen Business-Planning-Lösungen nicht mehr dem Stand der Technik entsprochen hätten. Kunden seien vermehrt zu moderneren Alternativen wie o9 abgewandert.
In dieser Situation soll SAP laut Klageschrift versucht haben, sich über die drei Manager Zugang zu geschütztem Know-how zu verschaffen. Die Dokumente sollen vertrauliche Details zur Entwicklung, zum Aufbau und zum Test der o9-Planungssoftware enthalten haben. Nach Erhalt dieser Informationen habe SAP seine eigenen Produkte entsprechend überarbeitet, so der Vorwurf.
Kommunikation vor dem Jobwechsel
Die drei in den Niederlanden lebenden Ex-Führungskräfte sollen bereits vor ihrem offiziellen Wechsel mit SAP-Mitarbeitern kommuniziert haben, auch über die fraglichen Unterlagen. Von mehreren zehntausend gesicherten Dateien ist in der Klageschrift die Rede. Mittlerweile bekleiden alle drei leitende Positionen beim Walldorfer Konzern beziehungsweise taten dies bis vor kurzem.
Nach Handelsblatt-Informationen hat SAP die Manager nun von ihren Aufgaben freigestellt. Der Konzern bestätigt lediglich das baldige Ausscheiden von drei Personen, ohne Details zu nennen. Laut Handelsblatt soll SAP zudem beantragt haben, die Klage abzuweisen. Die bisherige Überprüfung konnte zudem kein Fehlverhalten feststellen, wie das Softwareunternehmen sagte.
Schutz von Innovationen versus Wettbewerb
Die rechtliche Vertretung von o9 macht deutlich: Man akzeptiere den normalen Personalwechsel zwischen Unternehmen. Was jedoch nicht hingenommen werden könne, sei die unrechtmäßige Aneignung geschützten Wissens. “Der Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen untergräbt grundlegend die erheblichen Investitionen, die o9 in die Forschung, Entwicklung und Bereitstellung transformativer Lösungen getätigt hat”, heißt es in einer Stellungnahme.