Die Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) muss sich nach einem Bericht der Financial Times (FT) unangenehme Fragen zur Qualität ihrer Forschungspublikationen gefallen lassen.
Grundlage ist eine Untersuchung des KI-Erkennungsdienstes GPTZero, deren Ergebnisse die FT eigenständig überprüft hat. Demnach wurden gleich vier Publikationen von PwC Middle East aus den vergangenen zwei Jahren identifiziert, in denen typische Anzeichen KI-generierter Inhalte auftauchen, darunter erfundene Quellenangaben und Informationen, die sich nicht nachvollziehen lassen.
Bei den betroffenen Dokumenten handelt es sich um sogenannte Thought-Leadership-Papiere. Solche Publikationen sollen Fachwissen demonstrieren und PwC-Partnern dabei helfen, im Nahen Osten neue Beratungsaufträge zu gewinnen. Konkret geht es um einen Leitfaden zum Einsatz autonomer agentischer KI-Systeme in Unternehmen, um Empfehlungen für Regierungen zur Verbesserung öffentlicher Dienstleistungen sowie um zwei Prognosen zur Entwicklung von Elektro- und autonomen Fahrzeugen in der Region.
Fußnoten führen ins Leere
Laut GPTZero fiel bei der Analyse vor allem auf, wie viele der zitierten Quellen sich als problematisch erwiesen. Zahlreiche verlinkte Webseiten enthielten nicht die Informationen, die ihnen im Text zugeschrieben wurden. Manche Links führten schlicht zu Seiten, die es gar nicht gibt.
Ein besonders auffälliges Beispiel betrifft eine angebliche wissenschaftliche Studie zur Luftqualität in Riad. Weder das genannte Fachjournal noch die aufgeführten Autorinnen und Autoren ließen sich auffinden. Die Quelle scheint komplett erfunden worden zu sein. Auch bei weiteren Fußnoten stießen die Forscher auf ungewöhnliche oder wenig glaubwürdige Verweise.
PwC kündigt Überarbeitung an
Auf Anfrage der FT teilte PwC Middle East mit, man nehme die Genauigkeit veröffentlichter Forschungsergebnisse ernst und arbeite daran, eine begrenzte Anzahl der von GPTZero bemängelten Quellenangaben in den betroffenen Berichten zu aktualisieren. Details dazu, wie es zu den Fehlern kam, nannte das Unternehmen nicht.
GPTZero-Forscher Paul Esau erklärte gegenüber der FT, der unsystematische und unzuverlässige Umgang mit Quellen in den vier PwC-Papieren sei typisch für KI-generierte Recherchen.
Bereits dritter Fall bei den großen Beratungshäusern
PwC ist nicht das erste Unternehmen der sogenannten Big Four, das mit diesem Problem konfrontiert wird. Frühere Recherchen von GPTZero hatten bereits dazu geführt, dass sowohl EY als auch KPMG eigene Berichte zurückzogen, nachdem darin ebenfalls KI-bedingte Fehler und offenbar frei erfundene Fallstudien aufgetaucht waren. Auch Deloitte hatte Ärger mit Halluzinationen.
(red)