Fataler Fehler des Domain-Besetzers

Nach 22 Jahren Blockade: Paint.NET-Entwickler erstreitet die offizielle Domain

Domain

Ein folgenschwerer Fehler der bisherigen Domain-Inhaber ermöglicht dem Paint.NET-Entwickler Rick Brewster die Rückabwicklung des jahrzehntelangen Cybersquatting.

Der Software-Entwickler Rick Brewster hat einen bedeutenden Meilenstein für sein populäres Bildbearbeitungsprogramm Paint.NET verkündet. Nach exakt 22 Jahren kontinuierlicher Bemühungen gelang es dem Programmierer, die namensgleiche Internetadresse paint.net in seinen Besitz zu bringen. Seit der ursprünglichen Veröffentlichung der Software im Mai 2004 war das Projekt gezwungen, auf einer alternativen Ausweichadresse zu operieren.

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Die ursprünglichen Besitzer der passenden Domain weigerten sich über zwei Jahrzehnte hinweg konsequent, die Rechte an der Adresse zu übertragen, oder forderten utopisch hohe finanzielle Summen, die für das kostenfreie Softwareprojekt nicht tragbar waren. Diese Blockadehaltung führte zu einer ungewöhnlichen Situation in der Softwarebranche, da eines der am weitesten verbreiteten Windows-Werkzeuge zur Grafikbearbeitung über Generationen hinweg nicht unter seinem eigentlichen Namen im World Wide Web auffindbar war. Am 29. Mai 2026 meldete Brewster über die sozialen Netzwerke den erfolgreichen Abschluss des Transfers mit den Worten, dass Paint.NET nun endlich unter paint.net erreichbar sei.

https://twitter.com/rickbrewPDN/status/2060397901650825238?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E2060397901650825238%7Ctwgr%5E35bb0b845d66c03ad62515ec3b1da97708eaeac9%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.xda-developers.com%2Fafter-22-years-paintnet-downloadable-from-url-paintnet%2F

Die Entstehung von Paint.NET und das getpaint.net-Provisorium

Die historische Entwicklung der Software begann im Frühjahr 2004 an der Washington State University. Rick Brewster konzipierte das Programm im Rahmen eines universitären Informatik-Abschluss-Projekts ursprünglich als einfachen, schlanken Ersatz für das im Windows-Betriebssystem integrierte Microsoft Paint. Im Laufe der Jahre entwickelte sich das in C# geschriebene Werkzeug jedoch zu einem mächtigen, pixelbasierten Grafikeditor, der durch eine benutzerfreundliche Oberfläche und die Unterstützung von Ebenen, Effekten und einer aktiven Plugin-Gemeinschaft weltweite Popularität erlangte.

Da die Domain paint.net bereits bei der Erstveröffentlichung im Jahr 2004 von externen Akteuren besetzt war, mussten die Entwickler auf die Domain getpaint.net ausweichen. Dieses Provisorium bestand über 22 Jahre hinweg und prägte den Vertriebsweg der Software. Nutzer, die die offizielle Bezugsquelle nicht genau kannten, mussten Suchmaschinen bemühen, um nicht auf betrügerischen Drittseiten zu landen. Trotz dieser Hürde etablierte sich die Software als feste Größe auf Millionen von Windows-Systemen, wobei das Projekt mittlerweile in 36 Sprachen vorliegt und in der aktuellen Version 5.1.12 betrieben wird.

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Der fatale Fehler des Domain-Besetzers im Dezember 2025

Die jahrelange Pattsituation zwischen dem Entwickler und den Domain-Inhabern fand im Dezember 2025 ein abruptes Ende, als die damaligen Besitzer der Adresse einen folgenschweren strategischen Fehler begingen. In der Hoffnung, von der anhaltend hohen Bekanntheit der Software finanziell zu profitieren, gestalteten die Betreiber die Webseite unter paint.net grundlegend um. Sie bauten die Internetpräsenz so um, dass sie der offiziellen Download-Seite des echten Programms täuschend ähnlich sah.

Auf dieser manipulierten Plattform platzierten die Akteure irreführende Werbebanner, fehlerhafte Download-Verweise und potenziell schadhafte Links. Ziel dieser Aktion war es, die ankommenden Nutzerströme zu täuschen und über die Generierung von Klick-Einnahmen direkten Profit aus dem Ruf des Programms zu schlagen. Durch diese aktive Täuschung und die direkte Nachahmung des Produkts überschritten die Domain-Besetzer jedoch die Grenze vom legalen, wenn auch moralisch fragwürdigen Domain-Squatting hin zu einer handfesten Rechtsverletzung, da sie die geschützte Identität des Softwareprojekts unbefugt kommerziell ausnutzten.

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Markenrechtliche Durchsetzung statt Lösegeldzahlung

Diese gezielte Urheber- und Markenrechtsverletzung lieferte Rick Brewster die juristische Hebelwirkung, die ihm in den vorangegangenen zwei Jahrzehnten gefehlt hatte. Da die Software und der dazugehörige Name über das Unternehmen dotPDN LLC als offizielle eingetragene Marke geschützt sind, stellte das betrügerische Agieren der Domain-Besetzer einen eindeutigen Rechtsbruch dar. Brewster schaltete einen spezialisierten Rechtsanwalt ein und leitete ein formelles Verfahren wegen Markenrechtsverletzung und unzulässigem Cybersquatting ein.

Angesichts der erdrückenden Beweislage, dass die Domain aktiv zur Täuschung von Verbrauchern unter Ausnutzung einer fremden Marke verwendet wurde, erwies sich das Verfahren als juristischer Erfolg. Die Domain musste ohne die Zahlung des zuvor geforderten Lösegelds an dotPDN LLC übertragen werden. Die reinen Anschaffungskosten für die Domain beliefen sich somit auf null Dollar, während die Kosten für den juristischen Beistand vom Entwickler mit rund 5000 US-Dollar beziffert wurden. Brewster betonet, dass dieser Ausgang extrem befriedigend sei, da die Gier der Domain-Besetzer letztlich zu deren vollständigem Kontrollverlust führte.

Technische Migration und Erhalt bestehender Verweise

Nach der erfolgreichen juristischen Übergabe der Domain am 29. Mai 2026 hat Rick Brewster mit den technischen Migrationsprozessen begonnen. Zum aktuellen Zeitpunkt fungiert die Adresse paint.net als direkte Weiterleitung auf die historische Heimat getpaint.net, um den laufenden Download-Betrieb nicht zu unterbrechen. Der Entwickler arbeitet daran, die gesamten Webinhalte, Dokumentationen, Foren und Update-Server schrittweise auf die neue Hauptdomain umzuziehen. Ein zentraler Aspekt dieser technischen Umstellung ist die dauerhafte Aufrechterhaltung der alten Domain getpaint.net als permanente Weiterleitung.

Da über einen Zeitraum von 22 Jahren unzählige Verweise in Fachartikeln, Foreneinträgen, Software-Verzeichnissen und Dokumentationen auf die alte Adresse gesetzt wurden, würden fehlerhafte Links zu erheblichen Problemen bei der automatisierten Software-Verteilung und der Benutzerführung führen. Durch permanente HTTP-301-Weiterleitungen soll sichergestellt werden, dass alle historischen Verknüpfungen auch in Zukunft fehlerfrei funktionieren.

Autorenbild Lisa Löw

Lisa

Löw

Junior Online-Redakteurin

IT-Verlag

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