Die KI-Nachfrage zieht Speicher, SSDs und Prozessoren ab und reißt den Mainboard-Markt mit nach unten. Asus, Gigabyte, MSI und ASRock korrigieren ihre Verkaufsziele für 2026 deutlich nach unten.
Die vier größten Mainboard-Hersteller weltweit müssen ihre Verkaufserwartungen für das laufende Jahr deutlich zurücknehmen. Das berichtet das taiwanische Branchenmedium Digitimes unter Berufung auf interne Planungen der Unternehmen. Über alle vier Anbieter hinweg ergibt sich ein erwarteter Rückgang von rund 28 Prozent gegenüber 2025.
Ursache ist der KI-Boom. Speicherhersteller, SSD-Anbieter sowie die Chipkonzerne Nvidia, Intel und AMD bedienen vorrangig den hochpreisigen Server- und Beschleunigermarkt. Endkunden bekommen die Knappheit über steigende Preise zu spüren, besonders bei DRAM-Modulen und Flash-Speicher, deren Notierungen in den vergangenen sechs Monaten kräftig zugelegt haben.
Asus rutscht von 15 auf rund 10 Millionen Boards
Marktführer Asus hatte 2025 noch etwa 15 Millionen Hauptplatinen ausgeliefert. Im ersten Halbjahr 2026 kam das Unternehmen laut Digitimes nur knapp über fünf Millionen Stück, womit selbst eine Punktlandung bei zehn Millionen am Jahresende ein Minus von rund einem Drittel bedeuten würde.
Bei Gigabyte ist ein Rückgang von 11,5 auf 9 Millionen Boards einkalkuliert, MSI rechnet mit 8,4 statt 11 Millionen verkauften Einheiten. Am stärksten erwischt es ASRock: Der Hersteller dürfte seinen Absatz von 4,3 auf 2,7 Millionen Mainboards reduzieren müssen, ein Minus von 37 Prozent.
Knappe CPUs, ausbleibende GPU-Generation
Die Zurückhaltung der PC-Käufer hat nicht nur preisliche Gründe. Bei Intel- und AMD-Prozessoren verlängern sich die Lieferzeiten für PC-Hersteller laut Branchenberichten von zuvor zwei Wochen auf bis zu sechs Monate. Auch Apple soll betroffen sein und hat die 128-GByte-Konfiguration des Mac Studio nach kurzer Zeit wieder aus dem Sortiment genommen.
Gleichzeitig fehlt der Anreiz zum Plattformwechsel. AMD setzt für seine aktuellen Ryzen-Modelle weiterhin auf den Sockel AM5, sodass viele Bestandsnutzer ihre Boards behalten können. Intels Nova-Lake-Generation mit dem neuen Sockel LGA 1954 wird erst gegen Jahresende erwartet. Bei den Grafikkarten gibt es 2026 keine RTX-50-Super-Auffrischung von Nvidia, und nach derzeitigem Stand der Gerüchte soll die nächste Generation RTX 60 erst 2028 auf den Markt kommen.
Geschäft mit KI-Servern federt ab
Wirtschaftlich geraten die Boardpartner durch den Einbruch im Consumer-Segment dennoch nicht in Schieflage. Asus, Gigabyte und ASRock verlagern Teile ihrer Fertigung auf Serverplatinen für KI-Rechenzentren und können so von den hohen Investitionen der Hyperscaler profitieren.
Für Selbstbauer dürfte sich der Markt zumindest auf Mainboard-Seite kurzfristig öffnen. Händler stehen unter Druck, ihre Bestände abzubauen, was Rabatte und Bundle-Angebote wahrscheinlicher macht. Die spürbar höheren Preise für Arbeitsspeicher und SSDs lassen sich darüber aber nur teilweise auffangen.