Ein vielbeachteter Preisindex für KI-Tokens ist erstmals unter die Marke von einem US-Dollar gefallen.
Der LLM Token Expenditure Index des Marktforschungsunternehmens Silicon Data, an der Börse unter dem Kürzel SDLLMTK gelistet, fiel am Montag auf 97 US-Cent pro Million Tokens, den niedrigsten Stand seit Einführung des Index Ende vergangenen Jahres und weniger als die Hälfte des im Sommer erreichten Höchststands. Der Index misst dabei den nutzungsgewichteten, tatsächlich am Markt gezahlten Effektivpreis für eine Million Tokens großer Sprachmodelle, zusammengesetzt aus den Preisangaben verschiedener Anbieter sowie dem real beobachteten Verbrauch über mehrere Anbieter hinweg genutzte Vermittlungsplattformen. Ein derartiger Preisverfall bedeutet für Unternehmen und Entwickler, die gängige Chatbots wie ChatGPT, Claude oder Gemini nutzen, spürbar geringere Kosten, kann für die dahinterstehenden Anbieter selbst jedoch die eigene Preissetzungsmacht deutlich schwächen.
Als treibende Kraft hinter der Entwicklung nennt Charles-Henry Monchau, Investmentchef der Syz Group, in einer aktuellen Einschätzung insbesondere den Aufstieg günstigerer, quelloffener chinesischer Modelle wie Moonshots Kimi K3, die niedrigere Preise erzielen könnten als vergleichbare Angebote etablierter Spitzenlabore. OpenAI selbst hatte bereits Ende Juli die Preise für zwei seiner GPT-5.6-Modelle gesenkt, während andere führende Labore zunehmend auf eine sogenannte dynamische Preisgestaltung setzten, bei der sich Zugangspreise je nach Nachfrage flexibel nach oben oder unten anpassen. Beide Entwicklungen verstärkten den Abwärtsdruck auf die allgemeinen Marktpreise für Tokens zusätzlich.
KI-Token-Preise: Grundlagenmodell-Labore am stärksten betroffen
Monchau ordnete die Auswirkungen auf die Anbieter selbst so ein: Grundlagenmodell-Labore seien am direktesten betroffen. Eine sinkende Token-Vergütung drücke unmittelbar auf deren Umsatzlinie, während gleichzeitig eingegangene Verpflichtungen für Rechenkapazität weitgehend fix blieben. Nach Berechnungen weiterer Marktbeobachter wie ARK Invest ist der durchschnittliche Preis pro Million Tokens bereits von rund 2,04 US-Dollar Ende Mai auf inzwischen etwa 1,16 bis 1,18 US-Dollar Anfang August gefallen, ein Rückgang von rund 43 Prozent innerhalb weniger Wochen, in einzelnen Messungen sogar noch deutlicher.
Gleichzeitig verzeichnen agentenbasierte KI-Anwendungen nach Berichten teils ein bis zu zehnfach gestiegenes Verarbeitungsvolumen, was Befürworter dieser Entwicklung als sich selbst verstärkenden Kreislauf beschreiben: Sinkende Preise fördern demnach eine breitere Nutzung, die wiederum höhere Verarbeitungsmengen erzeugt und dadurch weitere Infrastrukturinvestitionen sowie in der Folge noch niedrigere Preise ermöglicht.
(red)