Transparenz im Umgang mit KI

KI in der Wissenschaft: Nutzung wird oft verschwiegen

KI-forschung

Forscher weltweit setzen zunehmend auf Künstliche Intelligenz, um wissenschaftliche Texte zu verfassen. Doch die Offenlegung dieses Einsatzes bleibt die Ausnahme.

Eine aktuelle Analyse von Yongyuan He und Yi Bu von der Peking-Universität zeigt, dass die meisten Wissenschaftler ihre KI-Nutzung verschweigen, obwohl Fachzeitschriften dies in der Regel verlangen (via Pressetext).

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Für ihre Untersuchung werteten die Wissenschaftler 5,2 Millionen Artikel aus, die zwischen 2021 und 2025 in 5.114 Fachzeitschriften veröffentlicht wurden. Um KI-generierte Passagen zu erkennen, nutzten sie die statistische Methode der Maximum-Likelihood-Schätzung. Dabei identifizieren Algorithmen typische Muster von KI-generierten Texten, etwa die Nutzung ähnlicher Wörter in kurzen Abständen, die bei menschlichen Schreibstilen seltener vorkommen.

Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Zunahme von KI-unterstütztem Schreiben über alle Disziplinen hinweg. Besonders stark fällt der Anstieg in den Naturwissenschaften auf. Auffällig ist auch, dass Forschende aus nicht-englischsprachigen Ländern wie China und Brasilien häufiger KI einsetzen.

Offenlegung bleibt die Ausnahme

Trotz der verbreiteten Nutzung von KI geben nur wenige Autoren an, dass sie beim Schreiben auf Tools wie ChatGPT oder Gemini zurückgegriffen haben. Seit 2023 lag die Offenlegungsquote laut der Studie bei gerade einmal 0,1 Prozent – das sind 76 von 75.172 Artikeln.

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Die Forscher sehen mehrere Gründe für dieses Verhalten: Viele Wissenschaftler befürchten, dass Gutachter ihre Originalität infrage stellen könnten, was das eigene Ansehen beeinträchtigen würde. Hinzu kommt, dass die Richtlinien der Fachzeitschriften häufig unklar formuliert sind. Wer KI nur für Korrekturen oder zur Grammatikprüfung nutzt, ist sich oft unsicher, ob eine Offenlegung notwendig ist.

Ethische Fragen und Forderungen

He und Bu betonen, dass die aktuellen Richtlinien nicht ausreichen, um Transparenz im Umgang mit KI zu gewährleisten. Sie plädieren für eine Neubewertung der ethischen Rahmenbedingungen: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die aktuellen Richtlinien nicht ausreichen, um Transparenz zu fördern oder die Einführung von KI einzuschränken. Wir drängen auf eine Neubewertung der ethischen Rahmenbedingungen, um eine verantwortungsvolle Integration von KI in die Wissenschaft zu fördern“, so die Autoren.

Die Studie zeigt damit, dass KI zwar längst Teil des wissenschaftlichen Alltags ist, ihre Nutzung aber weiterhin größtenteils verborgen bleibt. Ein klarerer, einheitlicher Umgang mit KI in wissenschaftlichen Publikationen könnte nicht nur die Transparenz erhöhen, sondern auch die Akzeptanz der Technologie in der Forschung stärken.

Pauline Dornig

Pauline

Dornig

Online-Redakteurin

IT Verlag GmbH

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