Finanzentscheidungen bleiben Vertrauenssache

KI-Chat ist bei der Geldanlage weniger gefragt

Künstliche Intelligenz ist längst Teil des Alltags. Sie hilft beim Schreiben von Texten, bei der Essensplanung oder bei medizinischen Analysen. Geht es jedoch um Geld und Vermögensaufbau, reagieren viele Menschen deutlich zurückhaltender.

Eine aktuelle Studie der Europa-Universität Viadrina und der California State University zeigt, dass bei finanziellen Entscheidungen vor allem persönliche Beziehungen entscheidend bleiben. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Computers in Human Behavior veröffentlicht (via Pressetext).

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Warum Algorithmen beim Geld wenig Vertrauen genießen

Im Mittelpunkt der Untersuchung stand die Frage, weshalb sogenannte Robo Advisor trotz technischer Fortschritte nur zögerlich akzeptiert werden. Diese Systeme basieren auf Algorithmen und geben automatisierte Empfehlungen zur Geldanlage. Obwohl solche Anwendungen zunehmend verfügbar sind, greifen viele Menschen weiterhin lieber auf den Rat vertrauter Personen zurück.

Der Viadrina Forscher Erik Hermann untersuchte gemeinsam mit dem US Wissenschaftler Max Alberhasky, wie sich Vertrauen in unterschiedlichen Beratungssituationen entwickelt. Dafür führten sie mehrere Experimente mit mehr als 1.400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in festen Partnerschaften durch.

Partner überzeugen mehr als Maschinen

Die Teilnehmenden mussten sich jeweils zwischen einer sicheren Geldanlage mit geringerer Rendite und einer risikoreicheren Option mit höherem Ertrag entscheiden. Anschließend erhielten sie Empfehlungen aus verschiedenen Quellen. Dazu zählten der eigene Partner, ein klassischer Robo Advisor, eine bewusst menschlich gestaltete KI mit Namen sowie ein Partner, der sich bei seinem Rat auf KI stützte.

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Das Ergebnis fiel eindeutig aus. Ratschläge des Partners wurden am häufigsten angenommen. Rein algorithmische Empfehlungen schnitten deutlich schlechter ab. Die Forschenden führen dies auf zwei zentrale Faktoren zurück. Zum einen besteht eine weit verbreitete Zurückhaltung gegenüber algorithmischen Entscheidungen bei wichtigen Lebensfragen. Zum anderen spielt emotionales Vertrauen eine große Rolle. Menschen glauben ihrem Partner nicht unbedingt wegen fachlicher Kompetenz, sondern weil sie davon ausgehen, dass dieser ihr Wohl im Blick hat.

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Wenn KI menschlicher wirkt, steigt die Akzeptanz

Interessant war jedoch, dass sich die Vertrauenslücke verkleinerte, sobald die KI menschliche Eigenschaften erhielt. Eine KI mit Namen wurde eher akzeptiert als ein anonymer Algorithmus. Auch Partner, die ihren Rat mit KI begründeten, galten als glaubwürdiger als reine Maschinen. Dennoch blieb das Vertrauen in rein menschliche Empfehlungen am höchsten.

Die Studie zeigt damit, dass Akzeptanz nicht allein von technischer Genauigkeit abhängt. Vielmehr spielt die emotionale Wahrnehmung eine entscheidende Rolle.

Konsequenzen für Finanzdienstleister

Für Anbieter digitaler Finanzberatung lassen sich daraus klare Schlüsse ziehen. Wer Robo Advisor erfolgreich einsetzen will, sollte nicht nur auf mathematische Präzision setzen. Wichtig ist auch eine Gestaltung, die Nähe, Transparenz und Unterstützung vermittelt. KI sollte eher als hilfreicher Begleiter auftreten und weniger als distanzierte Maschine.

Die Forschenden kommen zu dem Fazit, dass Vertrauen in der Finanzberatung zwar weiterhin stark an menschliche Beziehungen gebunden ist, sich aber durch eine bewusste Gestaltung von KI Systemen zumindest teilweise auf technologische Lösungen übertragen lässt.

Pauline

Dornig

Online-Redakteurin

IT Verlag GmbH

Pauline Dornig joined the IT Verlag team as an online editor in May 2020. (pd)
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