Beratungshaus verschärft Kurs

Wer keine KI nutzt, wird bei Accenture nicht befördert

Accenture
Bildquelle: ArieStudio/Shutterstock.com

Der große Beratungskonzern Accenture hat damit begonnen, die Nutzung seiner KI-Tools durch Mitarbeiter zu tracken und will dies künftig bei Beförderungsentscheidungen berücksichtigen.

Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf eine interne E-Mail. Ein Unternehmenssprecher bestätigte gegenüber CNBC, dass der Bericht korrekt sei. Demnach wurden leitende Angestellte und Associate Directors darüber informiert, dass für den Aufstieg in Führungspositionen eine „regelmäßige Nutzung” von KI-Werkzeugen erforderlich sei. In der internen E-Mail heißt es laut Financial Times: „Die Nutzung unserer wichtigsten Tools wird ein sichtbarer Faktor in Talentgesprächen sein.” Gleichzeitig erfasse das Unternehmen bereits wöchentliche Anmeldedaten bei seinen KI-Tools für einen Teil der Führungskräfte.

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Zu den überwachten Werkzeugen soll unter anderem Accentures eigene Plattform AI Refinery gehören. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bereits 550.000 seiner rund 780.000 Beschäftigten in generativer KI geschult. In 2022 waren das lediglich 30 Personen. Im Rahmen seines jährlichen Lernbudgets von einer Milliarde US-Dollar rollt Accenture entsprechende Schulungen nun konzernweit aus.

Wer KI nicht nutzt, riskiert seinen Job

Der Schritt ist Teil einer aggressiven KI-Strategie, die das in Dublin ansässige Unternehmen seit geraumer Zeit verfolgt. CEO Julie Sweet hatte im September Investoren gegenüber erklärt, dass Angestellte, die sich nicht mit dem Einsatz von KI anfreunden könnten, das Unternehmen verlassen würden. Zuvor hatte Accenture bereits kommuniziert, dass Beschäftigte, für die eine Umschulung „keine gangbare Option” darstelle, entlassen werden könnten.

Nicht alle Mitarbeiter sind von der neuen Regelung betroffen. Laut Financial Times sind Beschäftigte in zwölf europäischen Ländern sowie Mitarbeiter in der Abteilung, die US-Regierungsaufträge betreut, von der Policy ausgenommen.

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Intern sorgt die Strategie auch sprachlich für Aufsehen: Seit einer großen Umstrukturierung im vergangenen Juni, bei der Accenture seine Strategie-, Consulting-, Kreativ-, Technologie- und Operationsbereiche zur Einheit „Reinvention Services” zusammenlegte, werden die Mitarbeiter konzernintern als „Reinventors” bezeichnet. Die Bezeichnung stieß vielerorts auf Kritik als Paradebeispiel für hohlen Unternehmens-Jargon.

Starke Quartalszahlen, neue KI-Partnerschaften

Geschäftlich läuft es für Accenture derzeit gut: Im Dezember meldete der Konzern besser als erwartete Ergebnisse für das erste Quartal, getragen von starker Nachfrage nach KI-gestützten Dienstleistungen. Ebenfalls im Dezember verkündete Accenture Partnerschaften mit OpenAI sowie mit Anthropic, dem Hersteller des Claude-Chatbots.

Ein Unternehmenssprecher erklärte: „Unsere Strategie ist es, der bevorzugte Reinventionspartner unserer Kunden zu sein und der kundenorientierteste, KI-gestützte und attraktivste Arbeitgeber zu werden. Das erfordert die Nutzung der neuesten Tools und Technologien, um unsere Kunden bestmöglich zu bedienen.”

Lars

Becker

Stellvertretender Chefredakteur

IT Verlag GmbH

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