Googles Tensor Processing Units

Google fordert Nvidia mit eigenen KI-Chips heraus

Google
Quelle-BobNoah-Shutterstock

Google investiert Milliarden in die Vermarktung eigener TPU-Chips und finanziert Rechenzentren für Anthropic, um die Marktdominanz von Nvidia zu brechen.

Google baut die Vermarktung seiner hauseigenen KI-Chips massiv aus, um die Marktposition des Konkurrenten Nvidia anzugreifen. Ein zentrales Beispiel für diese Strategie ist das KI-Rechenzentrumsprojekt Lake Mariner im US-Bundesstaat New York. Die Google-Muttergesellschaft Alphabet stellt für dieses Vorhaben eine finanzielle Garantie in Höhe von 3,2 Milliarden US-Dollar bereit. Die Entwickler des Standorts planen, die Rechenleistung von tausenden Google-TPUs (Tensor Processing Units) an das KI-Unternehmen Anthropic zu vermieten.

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Das Vorgehen ähnelt der Strategie von Nvidia, den Aufbau von Rechenzentren finanziell abzusichern, um den Absatz der eigenen Hardware zu garantieren. Nazar Khan, Mitbegründer des Betreibers TeraWulf, äußerte sich zu der Dynamik auf dem Markt für Rechenleistung:

„Sie haben all diese sehr gut kapitalisierten Unternehmen, die fest daran glauben, dass dieser Markt rund um die Rechenleistung einen enormen Wert haben wird. Sie wollen im Spiel sein, sie wollen nicht abgehängt werden.“

Nazar Khan, Mitbegründer des Betreibers TeraWulf

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Technische Entwicklung und kommerzielle Neuausrichtung der Hardware

Die Wurzeln des TPU-Programms von Google reichen in das Jahr 2013 zurück. Jeff Dean, heute Chefwissenschaftler beim Google-Labor DeepMind, stellte damals bei der Arbeit an Spracherkennungssystemen fest, dass die Skalierung der Netze enorme Serverkapazitäten erfordern würde: „Ich sagte: ‚Ok, wenn wir dieses Sprachmodell für 100 Millionen Nutzer einführen wollen und sie es ein paar Minuten am Tag nutzen, würde das eine Verdoppelung der Anzahl der Computer erfordern, die Google hatte.‘ Wir müssen spezialisierte Hardware bauen.“

Über Jahre hinweg setzte Google diese anwendungsspezifischen integrierten Schaltungen fast ausschließlich für interne Dienste wie die Websuche oder die Spracherkennung ein. Angesichts der rasant steigenden Nachfrage nach KI-Infrastruktur bietet das Unternehmen die Chips mittlerweile über die Google Cloud sowie im Direktvertrieb an. Anthropic nutzt gegenwärtig die siebte Generation dieser TPUs, um seine Modelle zu trainieren.

Zudem schloss Google eine Partnerschaft im Wert von 5 Milliarden US-Dollar mit dem Finanzinvestor Blackstone, um neue, auf KI spezialisierte Cloud-Dienste zu etablieren. Erste Kunden wie das Finanzunternehmen Citadel Securities vermelden erhebliche Effizienzgewinne. Durch den Wechsel auf TPUs konnten die Kosten für bestimmte Forschungsprogramme um 30 Prozent gesenkt werden, während die Verarbeitungsgeschwindigkeit auf das Vierfache stieg.

Nvidias Marktbeherrschung und Googles globale Infrastrukturpläne

Trotz der Offensive von Google kontrolliert Nvidia weiterhin schätzungsweise mehr als 90 Prozent des globalen Marktes für KI-Chips. Ein wesentlicher Faktor für diesen Erfolg ist die etablierte Softwarearchitektur CUDA, an die viele Entwicklungslabore gebunden sind. Nvidia-Chef Jensen Huang reagierte in einem Interview im April gelassen auf die Konkurrenz durch anwendungsspezifische Chips: „Ich würde gerne hören, wie sie den Kostenvorteil von TPUs demonstrieren. In meinem Kopf ergibt das keinen Sinn.“

Um dieser Marktdominanz zu begegnen, plant Google die Aufnahme von 85 Milliarden US-Dollar an Eigenkapital, das primär in den globalen Ausbau der KI-Infrastruktur fließen soll. Neben dem Projekt in New York finanziert Google weitere Großprojekte:

  • Das Anthropic-bezogene Projekt River Bend in Louisiana mit einem Volumen von 7 Milliarden US-Dollar
  • Ein Infrastrukturprojekt in Colorado City in Texas mit Garantien über 1,4 Milliarden US-Dollar

Seit Dezember leitet Amin Vahdat als Cheftechnologe den Ausbau dieser globalen Systeme. Er sieht das Verhältnis zu Nvidia differenziert, da Google in seinen Rechenzentren weiterhin auch Nvidia-Grafikprozessoren betreibt. Vahdat beschreibt die Marktsituation als eine Kombination aus Kooperation und Wettbewerb: „Für mich und für uns ist es kein Nullsummenspiel. Es gibt da draußen so viel Nachfrage.“

(red)

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