Trotz gestiegener Bedrohungslage bewerten deutsche DefTech-Gründer die Abwehrbereitschaft des Landes kritisch. Die Hauptprobleme: langsame Beschaffung und fehlende Kooperation.
Deutschlands Verteidigungsfähigkeit bleibt nach Einschätzung von DefTech-Startups mangelhaft. Das zeigt eine Befragung von 37 Gründerinnen und Gründern durch Get Started, die Startup-Initiative des Digitalverbands Bitkom. 87 Prozent stufen die Verteidigungsfähigkeit als gering oder sehr gering ein. Im Vorjahr hatte die Bewertung mit 96 Prozent in diesen Kategorien sogar noch schlechter ausgesehen. Allerdings waren damals 25 Prozent der Meinung, die Fähigkeiten seien “sehr gering”, aktuell sind es nur noch 11 Prozent.
Die Umfrage fand zwischen Januar und Februar 2026 statt und wurde im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz veröffentlicht. Die Befragten stammen überwiegend aus dem Dual-Use-Bereich. Ihre Technologien lassen sich also sowohl zivil als auch militärisch einsetzen.
Langwierige Beschaffung als Hauptproblem
Als größtes Hindernis für eine bessere Verteidigungsfähigkeit sehen die Startups die Beschaffungsprozesse. 90 Prozent fordern beschleunigte Vergabe- und Beschaffungsverfahren, etwa durch Fast Tracks. 87 Prozent wünschen sich mehr Mittel aus dem Verteidigungshaushalt für innovative Lösungen.
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst betonte: “Startups entwickeln permanent Innovationen in sehr kurzen Zyklen. Das müssen wir nutzen und Erprobung und Beschaffung so aufstellen, dass neue Lösungen unverzüglich in der Praxis ankommen können.”
Drei Viertel der Befragten sprechen sich für eine frühere Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und Startups aus, etwa durch Challenge-Formate. 84 Prozent halten eine stärkere politische Förderung der Kooperation zwischen DefTech-Startups und etablierten Unternehmen für wichtig.
Software Defined Defense als Leitmotiv
Wintergerst verwies darauf, dass moderne Verteidigungsfähigkeit mehr umfasse als klassische Hardware. “Zur Verteidigungsfähigkeit gehören heute auch Daten, KI und vernetzte Systeme. Software Defined Defense muss das Leitmotiv deutscher Verteidigungspolitik sein”, sagte er.
Hintergrund der anhaltenden Kritik sind die veränderten geopolitischen Rahmenbedingungen: Russlands Krieg gegen die Ukraine, Spannungen im transatlantischen Verhältnis und hybride Angriffe auf kritische Infrastrukturen haben das Thema Verteidigung in den Fokus gerückt.
Deutschland gewinnt als Standort an Attraktivität
Trotz der Kritik zeigt sich ein positiver Trend bei der Standortwahl. 49 Prozent der befragten Gründer würden bei einer erneuten Gründung Deutschland wählen. Das ist immerhin ein Anstieg um 10 Prozentpunkte gegenüber 2025. Weitere 24 Prozent würden sich für ein anderes EU-Land entscheiden, im Vorjahr waren es noch 16 Prozent.
Deutlich an Attraktivität verloren haben dagegen die USA. Nur noch 8 Prozent würden dort gründen, im Vorjahr lag der Wert bei 25 Prozent. Die Gründe für diesen Rückgang werden in der Umfrage nicht näher erläutert.
Auch die gefühlte Wertschätzung ist gestiegen: 65 Prozent der DefTech-Gründer fühlen sich mit ihrem Engagement in Deutschland wertgeschätzt. Vor einem Jahr lag dieser Wert bei lediglich 41 Prozent.
(lb/Bitkom)