"Eine neue Kategorie im Markt"

CISO Advantage: Sophos liefert Vorstandsberichte auf Knopfdruck

Sophos
Bildquelle: Kristi Blokhin /Shutterstock.com

Sophos hat ein KI-Werkzeug vorgestellt, das Sicherheitsstrategien entwerfen und Fortschritte für Vorstände messbar machen soll. Zielgruppe sind vor allem Unternehmen ohne eigenen CISO und deren Dienstleister.

Der Sicherheitsanbieter hat mit CISO Advantage ein neues Produkt angekündigt, das die Arbeit eines Chief Information Security Officers (CISO) zumindest teilweise automatisieren soll. Die Lösung ist Teil von Sophos Fusion, dem KI-basierten Sicherheitssystem des Herstellers, und wird ab sofort in Nordamerika, Großbritannien und dem übrigen Europa eingeführt.

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CISO Advantage soll die IT-Umgebung eines Unternehmens bewerten, mit gängigen Sicherheits-Frameworks abgleichen und daraus einen priorisierten Maßnahmenplan ableiten, schneller und in größerem Umfang, als es menschliche Experten allein könnten. Dabei kommt agentische KI zum Einsatz. Bescheiden gibt sich der Hersteller nicht: CISO Advantage definiere „eine neue Kategorie im Markt“.

Assessment, Roadmap, Reporting

Konkret erstellt das System ein Sicherheits-Assessment, das auf die Umgebung und das Bedrohungsprofil der jeweiligen Organisation zugeschnitten sein soll. Die vorhandenen Kontrollen werden mit Frameworks wie NIST CSF, CIS v8, Cyber Essentials Plus und NCSC CAF abgeglichen. Auffällig: Die beiden letztgenannten sind britische Standards. Ob etwa der BSI-Grundschutz, ISO 27001 oder NIS2-Anforderungen unterstützt werden, geht aus der Ankündigung nicht hervor, für den deutschen Markt dürfte das jedoch eine zentrale Frage sein.

Aus der Bewertung erstellt CISO Advantage eine Roadmap, die zeigen soll, was zuerst zu beheben ist, was es kostet und warum es für das Geschäft relevant ist. In die Bewertung fließen laut Sophos aktuelle Threat Intelligence sowie Daten aus mehr als 625.000 Organisationen ein, die Sophos-Produkte einsetzen. Das soll aussagekräftiger sein als generische Branchen-Benchmarks. Am Ende steht ein Reporting für die Geschäftsführung.

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„Wir haben die Lösung rund um die Frage gebaut, die heute jeder Vorstand seinem Sicherheitsteam stellt: Sind wir sicherer als im letzten Quartal, und könnt ihr das belegen?“

Rob Harrison, Senior Vice President Product Management bei Sophos.


Ein CISO auf 10.000 Unternehmen

Sophos begründet das Produkt mit dem Fachkräftemangel. Einem „2026 CISO Report“ zufolge kämen weltweit rund 35.000 CISOs auf 359 Millionen Unternehmen, also etwa einer auf 10.000. Mit Neueinstellungen allein sei diese Lücke nicht zu schließen. Hinzu komme eine hohe Fluktuation: Die durchschnittliche Amtszeit liege bei 18 bis 26 Monaten, drei Viertel der CISOs erwögen einen Jobwechsel. Eine durchdachte Sicherheitsstrategie hätten sich zudem bislang nur große Unternehmen leisten können.

Ein eigener Report von Sophos, die „MSP Perspectives“ 2026, soll zudem zeigen, dass im Schnitt 46 Prozent der Kunden bereits erwarten, dass ihr Managed Service Provider (MSP) die CISO-Rolle übernimmt. 84 Prozent der MSPs rechnen demnach mit steigender Nachfrage nach entsprechenden Diensten. Die Zahlen stammen damit zum Teil vom Hersteller selbst, der von genau diesem Trend profitieren will.

Unterstützung bekommt Sophos von IDC-Analyst Phil Haris. „Es gibt zu viele Tools da draußen, die Aktivität erfassen, aber keine Erkenntnis liefern“, sagt der Research Director für Governance, Risk und Compliance. Den Markt würden künftig jene Anbieter prägen, die Assessment und Behebung in einem KI-nativen System zusammenbrächten.

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Drei Betriebsmodelle, MSPs im Fokus

CISO Advantage soll auf drei Wegen nutzbar sein: Unternehmen können das Programm mit eigenem Personal betreiben und das Tool als zentrales System nutzen. Alternativ übernimmt ein MSP den Aufbau, und das Unternehmen führt das Programm später selbst weiter. Als dritte Variante ist ein vollständig gemanagter Dienst über einen Partner vorgesehen.

Vor allem für MSPs ist das Angebot interessant. Viele agieren laut Sophos bereits als faktische Sicherheitsverantwortliche ihrer Kunden, können das aber bislang kaum strukturiert abrechnen. Der US-Dienstleister Trebron Security, der das Produkt vorab nutzen konnte, sieht das ähnlich: „CISO Advantage gibt uns einen strukturierten Weg, etwas zu liefern, das wir ohnehin schon informell getan haben“, sagt Firmenchef David Peck.

Offene Fragen

Wie viel CISO Advantage kostet und wie es lizenziert wird, verrät Sophos in der Ankündigung nicht. Unklar bleibt auch, wie zuverlässig die KI-generierten Bewertungen und Kostenschätzungen tatsächlich sind und an welcher Stelle Menschen die Empfehlungen prüfen. Sophos verspricht zwar, agentische KI mit menschlichem Urteilsvermögen zu verbinden, wie das im Alltag aussieht, wird jedoch nicht näher beschrieben. Ob ein Werkzeug die strategische Verantwortung eines Sicherheitschefs tatsächlich übernehmen kann oder in erster Linie schönere Berichte für den Vorstand erzeugt, wird sich erst im Praxiseinsatz zeigen.

(red)

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