Capgemini Government Solutions

Capgemini will US-Sparte nach ICE-Vertrag verkaufen

ICE Polizei
Bildquelle: Michael Vi/Shutterstock.com

Der französische IT-Konzern Capgemini trennt sich von seiner Tochtergesellschaft für US-Regierungsaufträge. Auslöser sind rechtliche Kontrollprobleme und ein kontroverser Vertrag mit der amerikanischen Einwanderungsbehörde.

Capgemini hat am Sonntag angekündigt, seine Einheit Capgemini Government Solutions (CGS) zu veräußern. Die Sparte arbeitet für US-Bundesbehörden und geriet zuletzt wegen eines Auftrags für die Einwanderungs- und Zollbehörde ICE in die Kritik.

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Rechtliche Hürden bei der Unternehmensführung

Laut Unternehmensangaben verhindern die gesetzlichen Auflagen für Auftragnehmer, die mit klassifizierten Regierungsprojekten befasst sind, eine angemessene Kontrolle durch die Konzernmutter. Die rechtlichen Beschränkungen stünden im Widerspruch zu den Anforderungen einer ordnungsgemäßen Konzernsteuerung.

Der Verkaufsprozess soll laut einer kurzen Mitteilung unmittelbar beginnen. Wirtschaftlich ist die Entscheidung für Capgemini verschmerzbar: CGS steuert nur 0,4 Prozent zum weltweiten Konzernumsatz und unter zwei Prozent zum US-Geschäft bei.

Vertrag mit Einwanderungsbehörde sorgt für Aufruhr

Trotz ihrer geringen Größe hat die Einheit in den vergangenen Wochen erhebliche Probleme verursacht. CGS erhielt einen Auftrag vom Department of Homeland Security für die Einwanderungsbehörde ICE. Der Vertrag betrifft Ermittlungs- und Hintergrundprüfungen für eine Abteilung, die sich mit Abschiebungen befasst.

Die gegenwärtigen Operationen von ICE und Grenzschutzbehörden zur Festnahme und Abschiebung mutmaßlich illegaler Einwanderer stehen in der Kritik. Bei Protesten gegen die Maßnahmen starben zwei US-Bürger durch Schusswaffengebrauch von Bundesbeamten.

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Sonderregelungen erschweren Konzernführung

Konzernchef Aiman Ezzat äußerte sich vergangene Woche auf LinkedIn zu dem Fall. Die Art der Tätigkeit werfe Fragen auf im Vergleich zur üblichen Geschäftstätigkeit des Unternehmens.

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CGS operiert unter einem Sonderabkommen, das Aufträge mit Geheimhaltungsstufe ermöglicht, aber eine strikte Trennung vom Mutterkonzern vorschreibt. Der Aufsichtsrat besteht aus US-Direktoren mit Sicherheitsfreigabe, Entscheidungen werden unabhängig getroffen, IT-Systeme sind abgeschottet. Capgemini hat keinen Zugriff auf klassifizierte Informationen oder technische Details der CGS-Projekte.

Französische Politik übt Kritik

Der Fall erreichte auch die französische Regierung. Finanzminister Roland Lescure kritisierte öffentlich, dass Capgeminis Führung offenbar nicht über den ICE-Vertrag informiert war. Weitere Abgeordnete bezeichneten die Zusammenarbeit mit den US-Einwanderungsbehörden als problematisch.

Details zum geplanten Verkauf sind nicht bekannt. Weder gibt es Informationen über potenzielle Käufer noch über den Zeitrahmen der Transaktion. Auch bleibt offen, ob CGS nach einem Verkauf weiter Capgemini-Technologien nutzen darf.

Was genau macht Capgemini?

Der 1967 gegründete französische Konzern zählt zu den weltweit größten Anbietern von IT-Beratung und Technologiedienstleistungen. Mit rund 340.000 Mitarbeitern berät Capgemini Unternehmen bei digitaler Transformation, entwickelt IT-Lösungen und übernimmt IT-Outsourcing-Services. Der Jahresumsatz lag 2024 bei 22 Milliarden Euro.

Lars

Becker

Stellvertretender Chefredakteur

IT Verlag GmbH

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