Die Lizenzkosten der Bundesverwaltung für Microsoft-Software sind innerhalb von zwei Jahren um über 200 Millionen Euro gestiegen. Das sorgt für Kritik.
Für Software des US-Konzerns hat die Bundesverwaltung 2025 rund 481 Millionen Euro ausgegeben. Das zeigt eine Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Politikerin Rebecca Lenhard, aus der die “Süddeutsche Zeitung” zitiert. Zwei Jahre zuvor beliefen sich die Kosten noch auf 274 Millionen Euro, 2024 waren es knapp 348 Millionen Euro.
Zentrale Beschaffung über Rahmenvertrag
Microsoft-Lizenzen werden in der Regel über einen Rahmenvertrag bezogen, den die Zentralstelle IT-Beschaffung ausgeschrieben hat. Darüber können die Bundesverwaltung und weitere berechtigte Stellen ihre Software beziehen.
Lenhard kritisiert die Entwicklung scharf. Sie spricht von einem gefährlichen Trend und argumentiert, die hohen Summen könnten besser in Open-Source-Software und europäische Produkte investiert werden. Stattdessen wachse die Abhängigkeit von außereuropäischen Unternehmen weiter.
Vollständig sind die genannten Zahlen nicht: Ausgaben von Ländern und Kommunen sind nicht erfasst, da diese eigenständig beschaffen. Lenhard vermutet deshalb, dass die tatsächlichen Gesamtausgaben der öffentlichen Hand für Microsoft-Produkte erheblich höher liegen.
Bundestag arbeitet an digitaler Unabhängigkeit
Das Thema digitale Souveränität steht derzeit weit oben auf der politischen Agenda und im gesellschaftlichen Diskurs. Eine Kommission des Bundestags unter Leitung von Vizepräsidentin Andrea Lindholz (CSU) erarbeitet Wege zu mehr digitaler Unabhängigkeit. Die Mitglieder prüfen Alternativen zu amerikanischen Technologieanbietern.
Aktuell läuft auf über 10.000 Rechnern in Parlament und Wahlkreisbüros Microsoft 365, ergänzt durch die Open-Source-Variante Phoenix-Suite. Die Kommission nimmt sich das gesamte digitale Ökosystem vor: Cloud-Speicher, Sicherheitssysteme, KI-Tools, Büroprogramme und Kollaborationssoftware. Im Mai soll eine entsprechende Strategie vorliegen.