Ein Schwarzmarkt für Zugänge zu Sprachmodellen wie Claude, GPT und Gemini floriert. Finanziert wird er über erschlichene Gratis-Guthaben bei großen Cloud-Anbietern.
Die Sicherheitsforscher Jeremy Kirk und Mathew Woodyard von Okta Threat Intelligence haben mehrere solcher Dienste analysiert. Diese kaufen oder erzeugen massenhaft Fake-Accounts bei Anthropic, Google oder Amazon, um an kostenlose Startguthaben zu gelangen, und verkaufen den Zugriff auf die dahinterliegenden KI-Modelle anschließend deutlich unter Marktpreis weiter, oft mit Rabatten von 70 bis 90 Prozent.
Poison Claude: Gekaperte AWS-Konten als Geschäftsmodell
Besonders detailliert beschreibt der Bericht den Dienst Poison Claude. Der Anbieter sammelt gekaperte AWS-Bedrock-Konten samt deren Startguthaben in einem Pool und leitet Kundenanfragen intern darauf um. Auf seiner Website erklärt der Betreiber sein Modell offen: „Ihre Anfrage wird im Hintergrund an ein bestimmtes Konto weitergeleitet.“ Kunden erhalten dafür Zugriff auf Modelle wie Opus 4.8 oder Sonnet 4.6, bezahlt wird in Kryptowährungen. Eine offengelegte Statusroute verriet den Forschern, dass der Dienst zum Zeitpunkt der Untersuchung 881 registrierte und 872 aktive Nutzer hatte.
Ein ähnliches Modell verfolgt laut Bericht der Dienst Ecomagent.in, der Zugriff über Googles Vertex-AI-Plattform anbietet und damit vermutlich das großzügige Startguthaben für KI-Start-ups von bis zu 350.000 US-Dollar ausnutzt.
Als drittes Beispiel nennen die Forscher einen KI-Videodienst, bei dem zwischen 2023 und 2026 über 105.000 automatisierte Registrierungsversuche von 251 IP-Adressen registriert wurden, viele davon über VPNs aus Libanon, Indonesien und Thailand. Auf Untergrundforen wurden anschließend sowohl gestohlene als auch eigens erstellte Testkonten für den Dienst verkauft.
Okta hat Cloudflare, Anthropic, Amazon und Google vor Veröffentlichung über die gefundene Infrastruktur informiert. Cloudflare blendete daraufhin eine Phishing-Warnung vor der Poison-Claude-Seite ein, ließ eine weitere zugehörige Domain aber unangetastet.
Passkeys statt Passwörter als Gegenmittel
Als wirksamste Gegenmaßnahme empfehlen die Autoren verpflichtende Passkeys bei der Registrierung, da diese sich nicht wie Passwörter massenhaft automatisiert erzeugen lassen. Zusätzlich raten sie Anbietern, auf kurzlebige OAuth-Zugriffstoken statt dauerhaft gültiger statischer API-Keys zu setzen, denn Letztere seien die eigentliche Handelsware des grauen Marktes.
(red)