Der CEO von Amazon Web Services dämpft Erwartungen an Rechenzentren im Orbit. Trotz des Hypes um Space-basierte Infrastruktur sieht Matt Garman massive technische und wirtschaftliche Hürden.
Der Aufbau von Rechenzentren im Weltraum ist nach Einschätzung des Amazon-Web-Services-Chefs Matt Garman noch lange nicht realisierbar. Auf dem Cisco AI Summit in San Francisco äußerte sich der Manager deutlich zurückhaltend zu den Plänen verschiedener Unternehmen, Computing-Infrastruktur in den Orbit zu verlegen.
KI-Boom treibt Suche nach Alternativen
Der rasante Anstieg des Rechenbedarfs durch künstliche Intelligenz bringt konventionelle Datacenter an ihre Grenzen. Besonders die Anforderungen an Stromversorgung und Kühlung stellen Betreiber vor wachsende Herausforderungen. Dies hat verschiedene Akteure der Cloud-Branche dazu bewogen, über unkonventionelle Standorte nachzudenken.
Transportkosten als Haupthindernis
Garman machte jedoch deutlich, dass die praktischen Hürden immens sind. Allein die begrenzte Verfügbarkeit von Trägerraketen stelle ein Problem dar. Für den Start großer Satellitenkonstellationen fehle schlicht die Kapazität. Hinzu kämen die enormen Kosten für Weltraumtransporte, die eine wirtschaftliche Nutzung derzeit ausschlössen. „Es gibt noch nicht genug Raketen, um eine Million Satelliten zu starten, daher sind wir davon noch ziemlich weit entfernt“, sagte er und ergänzte: „Wenn man bedenkt, wie hoch die Kosten für den Transport einer Nutzlast ins All heute sind, dann sind das enorme Summen. Das ist einfach nicht wirtschaftlich,“
Konkurrenz experimentiert trotzdem
Während AWS Abstand hält, treiben andere die Technologie voran. So beschäftigt sich Jeff Bezos’ Raumfahrtfirma Blue Origin mit dem Konzept. Die kürzlich angekündigte Zusammenführung von SpaceX und xAI durch Elon Musk soll ebenfalls orbitale Rechenzentren ermöglichen. Musk argumentiert, terrestrische Lösungen könnten den Energiebedarf für KI langfristig nicht decken.
Google hat mit Project Suncatcher im November ein eigenes Vorhaben vorgestellt, das bereits 2027 erste Testflüge sehen könnte. Daneben arbeiten mehrere Startups an Konzepten, die insbesondere Kühlungsprobleme durch die Weltraumumgebung lösen sollen.