Digitale Souveränität

AWS nimmt European Sovereign Cloud offiziell in Betrieb

AWS
Bildquelle: Michael Vi / Shutterstock.com

Amazon Web Services (AWS) hat die European Sovereign Cloud offiziell in Betrieb genommen. Die neue Cloud-Region in Brandenburg ist nach Unternehmensangaben vollständig von anderen AWS-Regionen getrennt und wird ausschließlich von in der EU ansässigen Mitarbeitern betrieben.

Damit will AWS den strengen Anforderungen europäischer Behörden und Unternehmen an Datensouveränität gerecht werden. Die European Sovereign Cloud unterscheidet sich von herkömmlichen AWS-Regionen durch weitreichende Isolationsmaßnahmen. Die Infrastruktur sei physisch und logisch von anderen AWS-Systemen getrennt und soll auch bei Konnektivitätsunterbrechungen zum Rest der Welt unbegrenzt weiterlaufen können. Im Notfall erhalten autorisierte AWS-Mitarbeiter in der EU Zugriff auf eine Kopie des Quellcodes für kritische Dienste.

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Alle Kundendaten und Metadaten verbleiben nach Angaben des Hyperscalers in der EU. Auch die Systeme für Identity and Access Management (IAM), Abrechnung und Nutzungsmessung werden souverän in Europa betrieben. Als technische Basis dient das AWS Nitro System, das physische und logische Zugriffsbeschränkungen durchsetzt.

Europäische Governance-Struktur

AWS habe für die European Sovereign Cloud eine eigenständige Governance aufgebaut. Eine neue Muttergesellschaft mit drei deutschen Tochtergesellschaften wird von EU-Bürgern geleitet, die rechtlich verpflichtet sind, im Interesse der Sovereign Cloud zu handeln. Ein Beirat aus drei Amazon-Mitarbeitern und zwei unabhängigen Experten soll Expertise und Verantwortlichkeit in Souveränitätsfragen sicherstellen, darunter der ehemalige NATO Supreme Allied Commander Philippe Lavigne, der Expertise und Verantwortlichkeit in Souveränitätsfragen sicherstellen soll.

Indem wir eine Cloud aufbauen, die in ihrer Technologie, ihrem Betrieb und ihrer Kontrolle vollständig europäisch ist, ermöglichen wir Organisationen, mit Zuversicht zu innovieren und dabei die vollständige Kontrolle über ihre digitalen Ressourcen zu behalten.

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Stéphane Israël, Managing Director AWS European Sovereign Cloud and Digital Sovereignty

Stefan Höchbauer, bisher Vice President AWS Global Sales Germany and Europe Central, wurde zum Geschäftsführer ernannt und wird eng mit Stéphane Israël zusammenarbeiten, der die European Sovereign Cloud leitet.

„Europa braucht Zugang zu führender Cloud- und KI-Technologie. Die Erweiterung der AWS Innovationen in Europa wird dabei helfen, das Wachstum unserer Kunden und ihre KI-Ambitionen voranzutreiben“, sagte Stéphane Israël, Managing Director AWS European Sovereign Cloud and Digital Sovereignty. „Kunden wollen das Beste aus beiden Welten – sie möchten die komplette Palette der fortschrittlichen Cloud- und KI-Services von AWS nutzen können und gleichzeitig sicherstellen, dass sie strengste Souveränitätsanforderungen erfüllen können. Indem wir eine Cloud aufbauen, die in ihrer Technologie, ihrem Betrieb und ihrer Kontrolle vollständig europäisch ist, ermöglichen wir Organisationen, mit Zuversicht zu innovieren und dabei die vollständige Kontrolle über ihre digitalen Ressourcen zu behalten.“

7,8 Milliarden Euro Investition in Deutschland

Für die Region in Brandenburg plant Amazon Investitionen von über 7,8 Milliarden Euro. Nach eigenen Angaben werden durchschnittlich mehr als 2.800 Vollzeitstellen pro Jahr unterstützt und etwa 17,2 Milliarden Euro zum deutschen Bruttoinlandsprodukt beigetragen.

Die European Sovereign Cloud startet zunächst mit über 90 Services aus den Bereichen KI, Compute, Container, Datenbanken, Netzwerk, Sicherheit und Speicher. Weitere Dienste sollen folgen.

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Expansion in drei weitere EU-Länder

AWS kündigte zudem neue Local Zones in Belgien, den Niederlanden und Portugal an, die Teil der European Sovereign Cloud werden. Local Zones ermöglichen die Datenspeicherung an einem bestimmten geografischen Standort und sollen damit Anforderungen an Datenresidenz und niedrige Latenz erfüllen.

Kunden mit noch strengeren Anforderungen können auf Dedicated Local Zones, AI Factories oder AWS Outposts an selbst gewählten Standorten zurückgreifen, einschließlich eigener Rechenzentren.

Kundschaft aus regulierten Branchen

Zu den ersten Kunden gehören laut AWS die EWE AG, die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem, Sanoma Learning sowie das ITZBund als zentraler IT-Dienstleister der Bundesregierung. Launch-Partner sind unter anderem Accenture, Adobe, Capgemini, Deloitte, SAP, NVIDIA und Mistral AI.

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger bezeichnete die European Sovereign Cloud als Beleg für die “Attraktivität Deutschlands für Investitionen in modernste Technologien”. Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), betonte, dass außereuropäische Produkte so angepasst werden müssten, dass eine sichere und selbstbestimmte Nutzung möglich wird.

Sovereign Reference Framework

AWS hat zudem das European Sovereign Cloud: Sovereign Reference Framework (ESC-SRF) eingeführt, ein unabhängig validiertes Framework zur Erfüllung von Souveränitätsanforderungen. Kunden können einen durch Dritte validierten Prüfbericht nutzen, um Souveränitätszusicherungen nachzuweisen.

Mit der European Sovereign Cloud und all diesen Maßnahmen reagiert AWS auf die immer lauter werdenden Forderungen nach digitaler Souveränität in Europa. Ob die aufwendige Isolierung und lokale Governance tatsächlich alle Bedenken gegenüber US-amerikanischen Cloud-Anbietern ausräumen kann, wird sich in der Praxis zeigen müssen.

Lars

Becker

Stellvertretender Chefredakteur

IT Verlag GmbH

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