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Ausfall gehört in Praxistest

8.000 Humanoide für Shanghai: Wer hat die Kontrolle?

Shanghai will bis 2028 Tausende humanoide Roboter in Fabriken bringen. Auf der CIIF habe ich mir angesehen, was die Maschinen heute können. Die wichtigere Frage stellte sich vor einer Wand aus Dashboards: Wer gibt ihnen ihre Aufträge?

8.000 Humanoide für Shanghai: Wer hat die Kontrolle?
Bildquelle: IM Imagery/Shutterstock.com

8.000 humanoide Roboter sollen bis 2028 in Shanghais Fabriken arbeiten. Dieses Ziel gab die Stadt zur Eröffnung der China International Industry Fair (CIIF) aus, dazu 500 intelligente Fabriken der Stufe „fortgeschritten“ und mehr als 2.000 KI-Anwendungsszenarien in der Fertigung. Politische Ausbauziele sind keine Bilanz bewährter Installationen. Sie zeigen aber, in welcher Größenordnung Shanghai plant.

Die Messe lief vom 12. bis 16. Oktober 2026. Ich hatte am Donnerstag einen Tag auf dem Gelände, zwischen zwei Flügen. Das reicht nicht für 3.200 Aussteller, aber für die Robotics Show in den Hallen 7.1 und 8.1 und einen Gang durch die Automatisierungshallen daneben. Show und Arbeit lagen dort dicht beieinander. Bei JAKA turnte ein kleiner Humanoid mit rosa Pompons vor dem Publikum. Ein paar Stände weiter drehte ein Roboter an einer Sortierstation Pakete und Versandtüten auf dem Förderband um, wenn das Versandlabel nicht zu sehen war.

Video: Sabine Frömling

Das Versandlabel muss nach oben

Die Sortierstation stand bei Robbyant, dem Embodied-AI-Unternehmen der Ant Group. Pakete und weiche Versandtüten liegen nicht immer gleich auf dem Band. Ist das Label verdeckt, muss die Sendung neu ausgerichtet werden, bevor der nächste Schritt greift. Daneben hatte Robbyant eine Apotheke nachgebaut, mit bestückten Regalen und einem Bestellterminal, aus deren Fächern ein Humanoid Medikamentenschachteln griff. Das Unternehmen nennt sein Konzept „ein Gehirn, viele Körper“: Das eigene Grundlagenmodell LingBot-VLA 2.0 ist nach Firmenangaben auf 20 Roboterkonfigurationen von 17 Herstellern vortrainiert. Nach denselben Angaben liefen am Stand Roboter zweier Fremdhersteller mit diesem Modell.

Bei Hikrobot fuhr ein Gelenkarm mit Kamera und Beleuchtung um ein Getriebegehäuse und prüfte die Gewindebohrungen bei laufender Bewegung. Der Bildschirm markierte die Prüfstellen, die Toleranzangabe lautete ±0,3 Millimeter. UBTECH ließ einen Radroboter mit zwei Armen und einfachen Greifern einen Karton durch die Halle tragen, näher an einer Logistikaufgabe als an der Nachbildung eines Menschen.

Bei Inovance setzte ein zweiarmiger Torso bunte Ringe von einem Holzstift auf den nächsten, die Türme von Hanoi als Feinmotorik-Demonstration. JAKA, nach MIR-Angaben 2024 Marktanteilsführer bei Cobots in China, stellte mit dem Kargo50 einen Radhumanoiden für schwere Materialkisten vor.

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Eine Messevorführung ist noch keine Nachtschicht

All das fand an vorbereiteten Arbeitsplätzen mit ausgewählten Gegenständen statt. Im Werk kommen verschmutzte Sensoren, Materialtoleranzen und ungeplante Unterbrechungen hinzu. Wie oft ein Mensch eingreifen muss, zeigt sich erst im längeren Betrieb. Aussagekräftig sind Taktzeit, Ausschuss, technische Verfügbarkeit und die Häufigkeit menschlicher Eingriffe unter vergleichbaren Bedingungen.

Auch die Erfolgsquote braucht einen Bezug: Bezeichnet sie einen einzelnen Griff oder den vollständigen Arbeitsauftrag? Wie werden Wiederholungen und manuelle Korrekturen gezählt? Erst zusammen mit dem Aufwand für Integration, Wartung und Produktwechsel lässt sich beurteilen, ob die Lösung wirtschaftlich ist.

Zwölf Agenten und ein Reparaturauftrag

Am Stand, an dem sich die eigentliche Frage der Messe stellte, stand kein Roboter im Mittelpunkt, sondern eine Software. Mitsubishi Electric zeigte in Halle 6.1 eine Wand aus Dashboards: Materialverfügbarkeit, Produktionsdisposition, Fortschritt, ein „Agenten-Leitstand“ und eine Instandhaltungskonsole. Dahinter läuft nach Herstellerangaben ein Netz aus zwölf KI-Agenten, vorgeführt an einer flexiblen Produktionslinie für Bügelperlen.

Ein Agent prüft Lagerbestände gegen den Plan, einer verteilt Aufträge auf Maschinen und zieht Eilaufträge vor, einer schlägt Temperatur, Druck und Haltezeit für das Heißpressen vor. Bei einer simulierten Qualitätsabweichung grenzt das System in der Vorführung die Ursache ein, plant die Produktion um und erzeugt einen Reparaturauftrag im Instandhaltungssystem.

Eine Demo-Linie für Bügelperlen ist kein Automobilwerk. Der Mechanismus ist trotzdem derselbe, den Shanghais 8.000 Humanoide brauchen werden: Die Roboter sind die Körper. Die Entscheidungen fallen in einer Software, die Aufträge verteilt, Parameter ändert und in andere Systeme schreibt.

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Beweglich im Werk, begrenzt im Netz

Daraus folgt die Sicherheitsfrage: Wie weit reichen die Rechte eines Systems, das mehreren Maschinen Aufgaben erteilt oder ihr Verhalten verändert? Ein Planungsagent braucht für die Umplanung nicht zwingend direkten Zugriff auf die Liniensteuerung; er kann über MES, Scheduler oder eine begrenzte Schnittstelle arbeiten. Diese Berechtigungskette ist das Prüfobjekt: Welches System darf welchem anderen was schreiben, und wer kann diese Kette von außen erreichen? Wer die Agenten manipuliert, muss keinen Roboter mehr angreifen.

Ein mobiler Roboter lässt sich in ein Zonen- und Conduit-Konzept nach IEC 62443 einordnen. Er kann durch mehrere Hallen fahren und derselben logischen Sicherheitszone angehören. Seine Kommunikation läuft dann über ein werksweites WLAN- oder 5G-Netz, und diese gemeinsam genutzte Infrastruktur muss die Trennung der Kommunikationswege erhalten. Welche Maschinen darf der Roboter ansprechen, wer darf ihm Aufträge geben, und ändern sich diese Rechte mit seiner Aufgabe?

Kameras und KI-Modelle bringen weitere Anforderungen hinzu. Ein Humanoid, der ein Apothekenregal sieht, sieht in der Fabrik Werkstücke, Layout und Beschäftigte. Betreiber müssen wissen, welche Bild- und Prozessdaten gespeichert werden, ob sie das Werk verlassen und ob sie für Training verwendet werden. JAKA beschreibt die Architektur hinter seinen Robotern offen: Ein Cloud-Modell versteht und plant die Aufgabe, Edge und Steuerung führen aus, „Großhirn und Kleinhirn“ nennt der Hersteller das.

Ob die Vorführungen am Stand so liefen, war nicht zu erkennen. Für den Betreiber zählt die Beschreibung: Liegt die Planung in der Cloud, gehört in den Vertrag, was bei unterbrochener Verbindung passiert. Fernzugriffe brauchen begrenzte Berechtigungen und nachvollziehbare Protokolle. Modell-Updates können das Maschinenverhalten verändern und gehören deshalb in den Änderungsprozess: Versionsnachweis, Test, Freigabe und ein erprobter Weg zurück zum freigegebenen Stand.

Der Ausfall gehört in den Praxistest

Ein aussagekräftiger Pilot prüft deshalb auch eine unterbrochene Verbindung, einen fehlerhaften Auftrag und den Ausfall der zentralen Koordination. Kann die Anlage kontrolliert weiterarbeiten, muss sie sicher stoppen, und wie gelingt der Wiederanlauf? Cybersecurity und funktionale Sicherheit müssen dabei aufeinander abgestimmt werden. Ein funktionierender Not-Halt allein beantwortet die Fragen nach manipulierten Aufträgen oder unbemerkten Qualitätsfehlern nicht.

Diese Anforderungen gehören bereits in die Beschaffung. Für besonders wichtige und wichtige Einrichtungen verlangt § 30 BSIG auch Maßnahmen zur Sicherheit der Lieferkette. Der Cyber Resilience Act ergänzt die Produktseite: Seine Hauptpflichten gelten ab 11. Dezember 2027, bestimmte Hersteller-Meldepflichten bereits seit 11. September 2026. Bei erfassten Produkten müssen Hersteller Schwachstellen während des vorgesehenen Unterstützungszeitraums behandeln. Dessen Dauer und die Bereitstellung von Sicherheitsupdates sollten Betreiber vor dem Kauf verbindlich klären.

Ein Roboter hat seinen Platz in der Fabrik verdient, wenn er auch nach dem Ende der Vorführung zuverlässig arbeitet. Die Software, die ihm sagt, was er tun soll, muss denselben Nachweis erbringen.

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