Anzeige

Bluetooth Schloss

Quelle: Alberto Garcia Guillen / Shutterstock.com

Eine selbstgebastelte Richtfunkantenne aus Kartoffelchipsdosen und zwei handelsübliche Mini-Computer genügen, um Bluetooth-Schlösser des US-Herstellers Tapplock in Sekunden zu knacken. Bewiesen haben dies Forscherinnen und Forscher des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie SIT in Darmstadt.

Der Hersteller wurde über die Schwachstellen informiert und hat diese bei einem seiner Modelle inzwischen behoben.

Umständliches Kramen nach dem Fahrradschloss- oder Spind-Schlüssel ist mit einem modernen Bluetooth-Schloss nicht mehr nötig: Man verschließt das Schloss einfach per Fingerabdruck oder über eine App auf dem Smartphone, das über Bluetooth Low Energy (BLE) mit dem Schloss verbunden ist. Doch auch diese Schlösser können geknackt werden, wie eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Fraunhofer SIT jetzt herausgefunden hat. Sie haben zwei Bluetooth-Schlösser des Herstellers Tapplock untersucht, nämlich Tapplock ONE sowie Tapplock ONE+, und bei beiden Modellen zwei gravierende Sicherheitslücken gefunden. Diese ermöglichen Angriffe, mit denen sich die Sicherheitsmechanismen der Schlösser komplett aushebeln lassen, ohne dass Einbruchsspuren hinterlassen werden. Beide Angriffe lassen sich mit geringen technischen und finanziellen Mitteln umsetzen. Genutzt wurde hierfür ein Angriffswerkzeug, welches die Gruppe unter anderem aus Kartoffelchipsdosen und handelsüblichen Mini-Computern (Raspberry Pi) selbst gebaut hatte.

Angriff mit Richtfunkantenne aus Chipsdosen

Das erste Angriffsszenario nutzt eine Man-in-the-Middle-Attacke: Hier schaltet sich der Angreifer in die Bluetooth-Verbindung, die zwischen Schloss und Smartphone des Angriffsopfers aufgebaut wird, während er sein Schloss abschließt. Somit laufen auch die Daten, die normalerweise direkt zwischen Schloss und Smartphone ausgetauscht werden, über den Angreifer. Hat sich der Besitzer entfernt, erhält der Angreifer die Verbindung zum Schloss aufrecht und sendet einfach die gerade gesendeten Kommunikationsdaten, die zum Öffnen und Schließen des Schlosses notwendig sind, nochmal zum Schloss. Dieses öffnet sich, und der Angreifer hat sein Ziel erreicht.

Replay-Angriff knackt das Schloss in unter einer Minute

Die zweite gefundene Schwachstelle lässt sich über einen sogenannten Replay-Angriff ausnutzen. Dazu muss lediglich der Schließvorgang, bei dem ein Challenge-Response-Verfahren eingesetzt wird, einmal mitgeschnitten werden, beispielsweise mit dem selbstgebastelten Angriffswerkzeug. Diesmal braucht der Angreifer keine ständige Verbindung mehr zum Schloss, sondern er wartet lediglich, bis er freien Zugang zum Schloss hat, und startet beliebig viele Abfragen auf das Schloss. Dies ist möglich, weil das Schloss keine Blockade oder Verzögerung auch bei vielen Abfragen eingebaut hatte. Es dauert ungefähr 30 bis 60 Sekunden, bis sich die zuvor aufgezeichnete Challenge wiederholt. Mit der aufgezeichneten Response ist es nun möglich, das Schloss beliebig oft zu öffnen, ohne dass der rechtmäßige Besitzer dies merkt.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer SIT haben diese Schwachstellen im Rahmen des Responsible-Disclosure-Prozesses dem Hersteller Tapplock gemeldet. Dieser hat die Sicherheitslücken beim Modell Tapplock One+ geschlossen, das Modell Tapplock One hingegen hat kein Update erhalten.

www.sit.fraunhofer.de
 


Artikel zu diesem Thema

Saugroboter
Jun 26, 2021

Saugroboter, du kleiner Spion! So schließen Sie potenzielle Sicherheitslücken

Niemand möchte einen Fremden die privaten Räume seines Hauses ausspionieren lassen. Einen…
Bluetooth
Jun 09, 2020

Die Top 5 Sicherheitslücken in Bluetooth

Bluetooth-Geräte stehen im Zentrum der Evolution von Smart-Technologien. Die…

Weitere Artikel

Digitalisierung Deutschland

"Digitalen Aufbruch" schnell in die Praxis umsetzen

Die Parteispitzen von SPD, Bündnis90/Die Grünen und FDP haben den Entwurf eines Koalitionsvertrags für eine neue Bundesregierung vorgestellt. Der Breitbandverband ANGA begrüßt die Zusage der künftigen Koalitionäre, die Digitalisierung und den Ausbau der…
Google News

Google News Showcase als Medienplattform eingestuft

Die deutschen Medienregulierer stufen den Nachrichtenbereich Google News Showcase als Medienplattform und Benutzeroberfläche ein und verpflichten den Internetkonzern damit zur Einhaltung von gesetzlichen Transparenzbestimmungen.
Bundeskartellamt

Nextcloud: Beschwerde gegen Microsoft beim Bundeskartellamt

Das deutsche Softwareunternehmen Nextcloud hat beim Bundeskartellamt beantragt zu überprüfen, ob Microsoft eine marktbeherrschende Stellung hat. Das teilte der Unternehmensgründer Frank Karlitschek am Feitag mit und bestätigte damit einen Bericht des…
Security

Neuer Leader im Bereich Cyber Security & Privacy bei PwC Deutschland

Der Fachbereich Cyber Security & Privacy der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC in Deutschland hat einen neuen Leiter.
Home Office

Manager befürchten Bummelei im Homeoffice

Führungskräfte aus Unternehmen in Deutschland stehen der Arbeit ihrer Beschäftigten im Homeoffice im internationalen Vergleich skeptisch gegenüber. Das geht aus einer repräsentativen Yougov-Umfrage im Auftrag von Linkedin unter 2000 Führungskräften aus elf…
digitales haus

Knapp zwei Drittel der Haushalte in Deutschland bereits gigabitfähig

62 Prozent der Haushalte in Deutschland haben laut Breitbandatlas aktuell Zugang zu Gigabit-Netzen. Davon entfällt mit mindestens 25 Millionen Haushalten die deutliche Mehrheit auf Hybrid-Fiber-Coax-Netze (HFC), gut fünf Millionen sind über reine…

Anzeige

Jetzt die smarten News aus der IT-Welt abonnieren! 💌

Mit Klick auf den Button "Zum Newsletter anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.