Anzeige

Anzeige

Tesla Bitcoin

Bild: 24K-Production / Shutterstock.com

Der US-Elektroautobauer Tesla hat Zahlungen mit der Kryptowährung Bitcoin wegen Umweltbedenken angesichts des hohen Stromverbrauchs gestoppt.

Der Konzern habe die Entscheidung wegen des rapide ansteigenden Verbrauchs von fossilen Brennstoffen für die Herstellung von und Transaktionen mit Bitcoins getroffen, erklärte Tesla-Chef Elon Musk am Mittwoch (Ortszeit) bei Twitter. Vor allem, dass viel Kohleenergie dafür genutzt werde, sei bedenklich.

Musks Tweet ließ den Bitcoin-Preis schlagartig um Tausende Dollar abstürzen. Der Kurs der wichtigsten Digitalwährung sank zeitweise auf 45 700 US-Dollar, nachdem er in der Nacht noch bei 54 817 Dollar notiert hatte. Später legte der Tesla-Chef mit weiterer Kritik nach und bezeichnete den Bitcoin-Energieverbrauch bei Twitter - ergänzt durch einen steil nach oben zeigenden Chart - als «wahnsinnig». Der Kurs erholte sich dennoch etwas auf zuletzt über 50 000 Dollar.

Nicht nur Bitcoin, auch die zweitgrößte Digitalwährung Ether geriet durch Musks Aussagen vorübergehend heftig unter Druck. Ether hatte im Schatten von Bitcoin in den vergangen Wochen stark an Bedeutung gewonnen und vor Musks Tweet Rekordhochs erreicht. Auch andere Cyberwährungen wie Dogecoin, Binance Coin und Ripple fielen zeitweise stark. Der Dogecoin-Kurs stieg am Freitag jedoch um über 30 Prozent, nachdem die US-Krypto-Börse Coinbase ankündigte, bald in den Handel einzusteigen. Musk twitterte zudem, dass er mit den Entwicklern von Dogecoin daran arbeite, die Transaktionseffizienz zu verbessern.

Musk machte auch klar, dass er grundsätzlich ein Fürsprecher der Branche bleibt: «Kryptowährung ist auf vielen Ebenen eine gute Idee und wir glauben an eine vielversprechende Zukunft, aber dies kann nicht zu großen Lasten der Umwelt gehen», hieß es in seinem Statement. Tesla hatte erst im März begonnen, Bitcoins zum Kauf von Elektroautos zu akzeptieren. Zuvor hatte der Konzern eine Investition in Bitcoins für 1,5 Milliarden Dollar bekanntgegeben und der ältesten und bekanntesten Cyberwährung damit einen ordentlichen Schub gegeben.

Bitcoin steht wegen des hohen Stromverbrauchs, den das sogenannte Mining - die Herstellung der Währungseinheiten durch energieaufwendige Rechnerprozesse - erfordert, schon lange bei Umweltschützern in der Kritik. Tesla will laut Musk auch keinen Bitcoin-Handel mehr betreiben, so lange die Energiebilanz sich nicht deutlich verbessert hat. 

Die Diskussion um die Umweltbilanz und die Effizienz von Bitcoin ist keineswegs neu und es blieb zunächst unklar, warum Musk das Thema erst jetzt als problematisch einstuft. Viele Kritiker stören sich daran schon lange. Laut dem Bitcoin Energy Consumption Index der Online-Plattform Digiconomist, die sich unter anderem für umweltfreundlichere Krypto-Technologien einsetzt, verbraucht Bitcoin derzeit in etwa so viel elektrische Energie wie die Niederlande. Der CO2-Fußabdruck der Digitalwährung entspreche ungefähr dem Singapurs.

Bitcoin- und Krypto-Anhänger wie Twitter-Chef Jack Dorsey argumentieren damit, dass die Umweltbilanz mit der fortschreitenden Verbreitung von Erneuerbaren Energien langfristig wesentlich besser werden dürfte. Allerdings stehen viele Server-Farmen, die zum Bitcoin-Mining im großen Stil genutzt werden, in Ländern mit relativ geringen Stromkosten wie China oder Kasachstan. Hier stammt die Energie aber häufig aus vergleichsweise umweltschädlichen Quellen wie Kohle. Daran scheint sich nun auch Tesla-Chef Musk stärker zu stören.

Einige Beobachter erwarten, dass auch andere Unternehmen dem Vorbild von Tesla folgen könnten. So sei unter US-Präsident Joe Biden die Umweltdebatte stärker in den Blick geraten. «Das proaktive Handeln Teslas könnte auch auf politischem Druck gewachsen sein», kommentiert Analyst Timo Emden von Emden Research. «Der Ausstieg des Unternehmens ist eine große Niederlage für den Bitcoin als Bezahlmittel-Funktion.» Allerdings standen Kryptoanlagen im allgemeinen Abwärtstrend an den Börsen zur Wochenmitte schon vor Musks Statement unter Druck.

In der Krypto-Szene sorgte die Kehrtwende des Tesla-Chefs wie zu erwarten für viel Unverständnis. «Warum gerade jetzt? Wusste Musk ernsthaft nichts über die Umweltaspekte, bevor er Bitcoins für 1,5 Milliarden Dollar kaufte?», fragte etwa Nigel Green, Chef der Investmentfirma deVere Group. Tatsächlich hatte Finanzvorstand Zach Kirkhorn bei der Bilanzvorlage vor nur rund zwei Wochen noch das langfristige Interesse Teslas in Bitcoin betont und angekündigt, dass das Unternehmen weiter auf die Kryptowährung setzen werde.

Von Hannes Breustedt, dpa


Artikel zu diesem Thema

Bitcoin Schloss
Mai 11, 2021

Kryptowährung: Sichere Passwortroutinen zahlen sich aus

Stefan Thomas ist mehrfacher Multimillionär - eigentlich. Genauer gesagt gehören ihm…
Dogecoin
Mai 10, 2021

Dogecoin: Eine Witzwährung macht ernst

Ein Kursplus von rund 15 000 Prozent seit Jahresbeginn - das ist selbst für den boomenden…
Bitcoin-Falle
Apr 29, 2021

Vorsicht vor der Bitcoin-Steuerfalle

Immer mehr Anleger interessieren sich für Kryptowährungen - Gewinne werden jedoch anders…

Weitere Artikel

Online-Shopping

Social Shopping: Männer kaufwilliger als Frauen

Männliche Käufer sind bereit, beim Online-Shopping in sozialen Medien spontan viel mehr Geld für ein ungesehenes Produkt auszugeben als weibliche, wenn ein Influencer es ihnen dort empfiehlt.
Erfolg

Claire Valencony wird neues Vorstandsmitglied bei Esker

Esker, Anbieter der gleichnamigen globalen Cloud-Plattform, welche die Effizienz von Finanz- und Kundendienstabteilungen sowie die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit durch Automatisierung von Managementaufgaben stärkt, gab bekannt, dass Claire Valencony…
Hybrid Working

Ende der Homeoffice-Pflicht - das hybride Zeitalter wird eingeläutet

Die von der Regierung eingeführte Homeoffice-Pflicht im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes läuft zum 1. Juli 2021 aus. Unternehmen und Mitarbeiter können anschließend wieder zurück in die Büros kehren, doch wollen viele Mitarbeiter weiter flexibel am…
Startup

Scaleway unterstützt Startups in Deutschland mit speziellem Programm

Nach dem Start seiner Aktivitäten in Deutschland am 09. Juni 2021, investiert Scaleway, der europäische Public-Cloud-Anbieter, nun in das Startup-Ökosystem hierzulande und startet heute die vierte Ausgabe seines Startup Programms in einer speziell deutschen…
Digitalisierung

15 Prozent der Deutschen geht die Digitalisierung zu schnell

Mehr als einem Siebtel der Deutschen geht die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft zu schnell. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie im Auftrag von „Digital für alle“.
Brexit

Brexit: EU-Jobber meiden Großbritannien

Die Zahl der EU-Bürger, die in Großbritannien nach Arbeit suchen, ist seit dem Brexit um mehr als ein Drittel gesunken. Das geht aus einer Studie der digitalen Jobvermittlung Indeed hervor.

Anzeige

Jetzt die smarten News aus der IT-Welt abonnieren! 💌

Mit Klick auf den Button "Zum Newsletter anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.