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TikTok

Bild: XanderSt / Shutterstock.com

Die chinesische Video-App TikTok ist ein Datenspionage-Service, der sich als soziales Netzwerk tarnt, um Kindern persönliche Infos zu entlocken.

Das besagt eine Anklageschrift, die in Großbritannien von der ehemaligen obersten Jugendschützerin des Landes, dem Children's Commissioner for England, vorbereitet wird. Sie soll im Namen von Millionen von Kindern in der EU eingereicht werden und könnte bei Erfolg jedem Betroffenen Tausende Euro Entschädigung bringen.

"Exzessive Datensammelpolitik"

"TikTok ist eine beliebte Social-Media-Plattform, die Kindern während eines sehr schwierigen Jahres geholfen hat, den Kontakt zu ihren Freunden aufrechtzuerhalten. Hinter den lustigen Liedern und Tanzwettbewerben verbirgt sich aber sehr viel Düstereres", zitiert "BBC News" Kinderrechtsexpertin Anne Longfield, die bis Februar 2021 als Children's Commissioner for England fungierte. Damit meint sie vor allem eine "versteckte exzessive Datensammelpolitik", die die Privatsphäre der Nutzer bewusst verletzt, um Profit daraus zu ziehen.

"TikTok hat mehr als 800 Mio. User auf der ganzen Welt und der Mutterkonzern ByteDance hat letztes Jahr Milliarden-Profite eingefahren. Die große Mehrheit davon wird durch Werbeeinnahmen generiert", betont Longfiled. Und diese basieren wiederum maßgeblich auf den ausspionierten Daten. "Diese Firma schnappt sich persönliche Informationen wie Handy-Nummern, Videos, genaue Ortsangaben und biometrische Daten, ohne Warnung, Transparenz oder die per Gesetz verpflichtende ausdrückliche Zustimmung. Weder die Kinder noch die Eltern wissen, was mit den gesammelten Informationen passiert", so die Expertin.

TikTok will Klage bekämpfen

Bei TikTok kann man die aktuelle Aufregung nicht nachvollziehen und hat bereits angekündigt, alle rechtlichen Schritte gegen die bevorstehende Klage zu ergreifen. "Privatsphäre und Sicherheit sind unsere Top-Prioritäten und wir haben starke Regeln, Prozesse und Technologien, um alle User zu schützen - insbesondere unsere jüngeren User. Wir glauben, dieser Klage fehlt jegliche Grundlage und werden uns vehement dagegen verteidigen", heißt es in einer ersten Stellungnahme des Unternehmens.

"Die Datensammelpraxis von TikTok stellt einen gravierenden Bruch des geltenden Datenschutzrechts in Großbritannien und der EU dar", meint hingegen Tom Southwell, Partner bei der Anwaltskanzlei Scott and Scott, die im vorliegenden Fall die Anklage vertreten wird. "Es ist inakzeptabel, einen Profit aus diesen Informationen zu schlagen, ohne die rechtlichen Pflichten einzuhalten", gibt sich der Jurist siegessicher.

www.pressetext.com


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