LinkedIn-Expertin Simone Brett-Murati deckt auf, was die Plattform wirklich über Sie weiß. Sie zeigt Schritt für Schritt, welche Datenschutzeinstellungen Sie jetzt ändern sollten.
Das Daten-Dilemma auf LinkedIn: Einerseits möchten User ihre Sichtbarkeit erhöhen. Gleichzeitig gilt es, die Privatsphäre schützen. Insgesamt lässt sich feststellen, dass immer mehr Daten erhoben, gespeichert und für Werbezwecke auf und außerhalb von LinkedIn verwendet werden. Standardmäßig sind dabei die viele Funktionen aktiviert, sodass wer nichts tut, automatisch zustimmt.
Zwei aktuelle Veröffentlichungen verdeutlichen das Ausmaß: Wie it-daily.net berichtet, scannt LinkedIn systematisch über 6.000 Browser Extensions. Dabei handelt es sich um ein Java-Skript, das bei jedem Seitenaufruf ausgeführt wird und Informationen über installierte Erweiterungen, Prozessorkerne, Arbeitsspeicher, Bildschirmauflösung, Zeitzone, Sprache, Audiodateien und sogar den Akkustand sammelt. In einem zweiten Fall hat die Datenschutzorganisation noyb Beschwerde eingelegt: Dabei geht es darum, dass LinkedIn sein Bezahlmodell als Hebel gegen DSGVO-Auskunftsrechte einsetzt. Daten, die LinkedIn zwar gegen Geld an Premium-Nutzer verkauft, werden Nutzern, die das Bezahlangebot nicht in Anspruch nehmen, verweigert.
In diesem Artikel führe ich Sie durch die wichtigsten Menüpunkte des LinkedIn-Datenschutzmenüs und erläutere empfehlenswerte Einstellungen.
Menüpunkt Kontoeinstellungen
Verifizierung: LinkedIn bietet an, die Identität per Ausweis zu authentifizieren. Die Verifizierung wird durch den amerikanischen Identitätsprüfungsdienst Persona vorgenommen. Möglich ist auch eine Verifizierung über die berufliche Email-Adresse, wenn diese der Anmeldeadresse entspricht und in den Kontaktdaten hinterlegt ist. Dieses Feature steht jedoch aktuell nur ausgewählten Unternehmen zur Verfügung und ist noch nicht flächendeckend ausgerollt. Laut LinkedIn erhalten verifizierte Profile 60% mehr Profilbesuche und 50% mehr Reichweite. Nachprüfbar ist das nicht. Für eine Verifizierung spricht, wenn es auf LinkedIn Namenszwillinge gibt sowie die Prominenz einer Person auch außerhalb von LinkedIn.
Persönliche demografische Daten: Nutzer können freiwillig demografische Daten wie Geschlecht und Angaben über eine Behinderung auf LinkedIn angeben. LinkedIn speichert freiwillige Angaben, die für Bewerbungszwecke abgegeben werden, nutzt diese Daten jedoch nicht für Werbezwecke.
In Deutschland schützt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetzt (AGG) Menschen vor Diskriminierung wegen zentraler Merkmale wie Geschlecht und Behinderung. Dennoch ist seit 2018 bekannt, dass es einen starken Gender Bias auf LinkedIn gibt. Damals fand das Massachusetts Institute of Technology (MIT) heraus, dass Männern auf LinkedIn häufiger besser bezahlte Führungspositionen angezeigt werden als Frauen. Die Folge: Männer klicken häufiger auf lukrative Stellen und Recruiter besuchen öfter männliche Profile.
Seitdem wurden die KI-basierten Algorithmen von LinkedIn immer wieder angepasst. Der im März 2026 bestätigte, neue Algorithmus gleicht laut LinkedIn Defizite aus. Diese entstehen allein deswegen, da es rund 13% mehr männliche LinkedIn-Profile als weibliche gibt.
Algorithmen lernen in erster Linie durch Nutzerverhalten, weniger durch demografische Daten. Dennoch zeigen User-Experimente, dass Posts von vermeintlich männlichen Profilen signifikant besser performen als derselbe Post von einem weiblichen Profil. Daher ist meine klare Empfehlung, keine demografischen Daten auf LinkedIn anzugeben.
Menüpunkt Einloggen und Sicherheit
In diesem Bereich sichern Sie Ihr Konto technisch ab. Aktivieren Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung.
Wo Sie eingeloggt sind: Regelmäßig sollten aktive Sitzungen und IP-Adressen geprüft und inaktive Sitzungen beendet werden. Besonders, wenn Sie LinkedIn auf mehreren Geräten oder an öffentlichen Rechnern genutzt haben.
Geräte, auf denen Ihr Passwort gespeichert ist: Ebenso empfiehlt sich der Blick, auf welchen Geräten Ihr Passwort gespeichert ist. Prüfen Sie, ob es sich um Ihre Geräte handelt und ob die Geräte noch in Gebrauch sind. Nicht mehr aktuelle Einträge sollten gelöscht werden.
Menüpunkt Sichtbarkeit
Profilansichten: Unter dem Punkt Profilansichten legen Sie fest, wie Ihr Profil angezeigt wird, wenn Sie andere Profile besuchen. Wer Profile anonym besucht, verliert gleichzeitig den Einblick in die eigenen Profilbesucher. Es werden auch keine Profilbilder angezeigt, wenn Sie anonym Profile besuchen. Grundsätzlich sollte alles aktiviert werden, was hilft, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen. Bild, Name und Profilslogan sollten zu sehen ein.
Öffentliches Profil: Das öffentliche Profil sollte aktiviert sein, um auch außerhalb von LinkedIn in Suchmaschinen gefunden zu werden und um die eigene berufliche Marke gezielt sichtbar zu machen. Eine besondere Rolle spielt die persönliche URL, die mit bis zu 100 Zeichen individuell angepasst und mit relevanten Keywords optimiert werden kann. So stellen Sie sicher, dass Sie anhand Ihrer Dienstleistung gefunden werden, auch wenn man Ihren Namen noch nicht kennt.
Sichtbarkeit Ihrer Email-Adresse:
Um zu verhindern, dass Ihre E-Mail-Adresse heruntergeladen wird, sollte Ihre Email-Adresse nur für direkte Kontakte sichtbar sein. Der Email-Export sollte deaktiviert werden. Zwar sind Sammeln, Speichern von Daten sowie Werbe-Emails durch die DSGVO verboten. Jedoch greifen auch Automatisierungstools auf LinkedIn zurück und verkaufen Daten weiter. Das kann hier verhindert werden.
Sichtbarkeit des Seitenbesuchs: Unternehmensseiten mit einem Premium Account erhalten hiermit die Information, ob Sie ihre Seite besucht haben. Das ist von Vorteil, wenn Sie auf Jobsuche sind. Der Algorithmus bevorzugt Profile, die eine Verbindung zu dem Unternehmen zeigen, bei dem man sich bewirbt, z.B. durch das Folgen der Unternehmensseite.
Kontakte benachrichtigen, wenn Sie in den News erwähnt werden: Dieses Feature sollte aktiviert sein. Sobald LinkedIn Ihren Beitrag in die LinkedIn-News aufnimmt, erhält dieser eine von der LinkedIn-Redaktion validierte Bedeutung und Glaubwürdigkeit. LinkedIn nimmt nur Beiträge auf, die den Community-Richtlinien hinsichtlich Qualität und nachprüfbaren Fakten entsprechen. Darüber wollen Sie Ihr Netzwerk unbedingt informieren.
Erwähnungen und Tags: Erwähnungen und Markierungen müssen aktiviert werden. Nur so können Sie von anderen LinkedIn-Mitgliedern markiert und in relevanten Kontexten sichtbar gemacht werden. Darin liegt ein wichtiger Hebel im Personal Branding. Wenn Kunden, Kollegen und Follower Sie öffentlich erwähnen, entsteht Reichweite, ohne selbst dafür investieren zu müssen. Diese Form ist die Königsdisziplin im Personal Branding.
Follower: Hier sollte „Alle auf LinkedIn“ aktiviert sein, damit Ihnen jeden Tag Follower außerhalb Ihres Netzwerks folgen können.
Menüpunkt Datenschutz
Politische und akademische Forschung Arbeitsplatzforschung: Neu ist, dass LinkedIn personenbezogene Daten für politische und akademische Forschung an Dritte weitergibt. Mit dem Economic Graph erhebt LinkedIn selbst regelmäßig Analysen. Politische Anschauungen sind in Deutschland von der Meinungsfreiheit geschützt. Daher empfehle ich, diese Funktion zu deaktivieren. LinkedIn schließt damit nicht aus, Daten anonymisiert an Dritte für Untersuchungen weiterzugeben.
Daten zur Verbesserung generativer KI: Seit dem 3. November 2025 verwendet LinkedIn Profildaten und öffentliche Inhalte zum Training eigener generativer KI-Modelle. Dieses Feature ist standardmäßig aktiviert. Wer dies nicht möchte, muss aktiv widersprechen. Ein Widerspruch wirkt nur für die Zukunft. Daten, die bereits in Trainingsläufe eingeflossen sind, lassen sich nicht mehr rückwirkend entfernen. Das Recht auf Löschung wird faktisch unterlaufen. Juristin Christine Steffen von der Verbraucherzentrale NRW weist darauf hin, dass alles, was an Text, Bild und Kommentaren auf LinkedIn veröffentlicht wurde, potenziell als KI-Trainingsdaten gespeichert bleibt.
Einstellungen für die Jobsuche
Hier kann man den eigenen CV hochladen. Dieser wird Recruitern und Personalverantwortlichen, die LinkedIn als kostenpflichtiges HR-Tools nutzen, angezeigt. Es gibt drei Optionen, den CV auf LinkedIn zu teilen, jedoch mit gravierenden Unterschieden.
1. Wenn der Lebenslauf hochgeladen wird, weil man sich aus LinkedIn heraus auf eine Stellenanzeige geklickt hat, wird der CV nur mit dem Personalverantwortlichen der Stelle geteilt.
2. Lebensläufe, die unter Datenschutzeinstellungen hochgeladen werden, speichert LinkedIn. Pikant: LinkedIn speichert die vier zuletzt hochgeladenen CVs. Diese Daten werden für personalisierte Job- und Lernempfehlungen verwendet und zum Trainieren generativer KI.
3. Viele teilen den CV auch auf dem Profil als Mediendatei. In diesem Fall haben alle Mitglieder auf LinkedIn Zugriff darauf. Auch daraus entnimmt LinkedIn Daten.
Um keinen CV hochladen zu müssen, setzen Sie den Haken bei „Ihr Profil beim Klick auf „Bewerben“ teilen. Auf diese Weise teilen Sie Ihr LinkedIn Profil mit dem Stellenausschreiber.
Menüpunkt Anzeigendaten
Auch wenn Sie hier alles deaktivieren, werden Ihnen Anzeigen angezeigt, jedoch nicht auf berufliche Interessen zugeschnitten. Neu ist, dass LinkedIn Mitglieder aus der EU zusätzlich zustimmen müssen, dass Aktivitätsdaten, abgeleitete Daten und Daten für die Verarbeitung außerhalb von LinkedIn personalisiert werden dürfen. Meine klare Empfehlung ist, alle Einstellungen zu deaktivieren.
Menüpunkt LinkedIn Services
Hier können Profil, Feed, Suchverlauf, Nachrichten und Netzwerk mit den LinkedIn Geschäftsfeldern Stellenmarkt, Anzeigenschaltung und Learning verknüpft werden. LinkedIn liest mit. Nicht nur öffentliche Beiträge und Profilinformationen, sondern auch Nachrichten und Verbindungen. Ich empfehle, das zu deaktivieren.
7. Menüpunkt Mitteilungen
Standardmäßig sind alle Benachrichtigungen voreingestellt. Damit bekommen Sie dieselben Mitteilungen mehrfach, in der App, als Push-Nachricht und als E-Mail. Posten und Kommentieren sollten aktiviert sein, alles andere lässt sich nach eigenem Bedarf reduzieren.
Fazit
Es gehört zum Geschäftsmodell von LinkedIn, möglichst viele Informationen zu analysieren und zu speichern. Einerseits, um Anzeigenangebote zu verbessern. Andererseits, um Daten für Werbezwecke an Dritte weiterzugeben. LinkedIn argumentiert, dass Nutzerinnen und Nutzer selbst entscheiden, wie viele Daten sie auf der Plattform teilen. Je mehr man preisgibt, desto präziser könne LinkedIn Recruiter und Jobsuchende zusammenbringen. Das klingt nach einem fairen Tausch. Doch in den vergangenen zwei Jahren hat LinkedIn die Datenschutzeinstellungen erheblich ausgebaut. Daher empfehle ich eine regelmäßige Überprüfung. Eine komplette Anleitung inkl. Screenshots zu Datenschutzeinstellungen kann per Email kostenlos angefordert werden.